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Thriller
Dolan's Cadillac
geschrieben von klaus_h am 17. Dez 2009
Rache dem Hühnerdieb!
Verfilmung von Romanen oder Kurzgeschichten Stephen Kings sind stets heikel gewesen. Denn zum einen hat er einen sehr bildhaften Stil, der vieles vorwegnimmt, zum anderen eine verschworene Fanklientel, der man es selten recht machen kann. Neben Glanzlichtern wie "Carrie", "Shining" oder "Misery" stehen etliche andere Versuche, die entweder total misslungen sind oder kontrovers diskutiert werden. Dennoch muss man jeden Versuch begrüßen, etwas aus Kings umfangreichen Werk zu verfilmen. Wenn mit Christian Slater, Emmanuelle Vaugier und Wes Bentley höchst attraktive Darsteller dabei sind, macht "Dolan's Cadillac" neugierig...
Dolan's Cadillac
USA - 2009
Veröffentlichung: 16.12.09
Regie: Jeff Beesley
Darsteller: Christian Slater, Wes Bentley, Emmanuelle Vaugier, Greg Bryk, Aidan Devine u.a.
"Nochmal"-Faktor: guter Film (90%), mäßige technische Präsentation (50%)
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9, 1,78:1
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Fehlanzeige bis auf Wendecover
Im dürren Hinterland von Las Vegas führt der gutmütige Lehrer Robinson (Wes Bentley, "American Beauty", "Vier Federn", "Ghost Rider", "Edgar Alan Poe's Das Grab der Ligeia") samt seiner höchst attraktiven Frau Elizabeth (die 'Mia' aus "Two and a half men", "House of the Dead II", "Saw II") ein durchschnittliches Leben, das höchstens vom noch nicht erfüllten Kinderwunsch beider überschattet wird. Eines Tages wird die Hobbyreiterin bei einem Ausritt unfreiwillig Zeuge wie im dürren Hinterland der Yuppiegangster Dolan (Christian Slater, "Mindhunters", "Cletis Tout", "Amok - He Was a Quiet Man") einen seiner Handlanger einer Schleuserbande (von vorzugweisen jungen Mexikanerinnen = Chicanas oder "Chicks", sprich 'Hühner' wie Dolan sie schimpft) kaltblütig erschießt, da dieser die "Ware" beinahe hat ersticken lassen.
Trotz Polizeischutz wird wenig später Elizabeth ermordert. Da Dolan kaltblütig jeden weiteren Zeugen einer seiner Schandtaten eliminieren lässt, reift im eigentlich grundgütigen Pazifisten Robinson ein perfider Racheplan, der kalt genossen werden will. Wie er dies macht, nachdem er desillusioniert hat erkennen müssen, dass er dem Gangster und seinem gepanzerten SUV nicht gewachsen ist, ist originell und doch so sehr Stephen King in Anlehnung an Edgar Allen Poe, dass es Freude macht.
Denn King ging es bei der Ursprungsgeschichte von 1993 wohl darum zu zeigen, wie die Rache einen normalen Menschen in vollkommener Selbstaufgabe in einer Gratwanderung beinahe zu einem größeren Monster werden lassen kann als einen Gangster, der fabrikmäßig Frauen aus Fernost und Mexiko in die Prostitution verkaufen lässt. Das psychologische Duell zwischen dem durchaus intelligenten Dolan, der gerne philosophiert und dem Grundschullehrer, der wie die Hauptfigur Jack Londons "Lockruf des Goldes" vom Softie zum gewaltbereiten Racheengel mutiert, ist zum Ende zwar etwas ausgewalzt - aber dennoch schlüssig.
Christian Slater und Wes Bentley sind in den jeweiligen Stadien ihrer Figurenentwicklung absolut überzeugend: Slater spielt sowohl den zynischen "Geschäftsmann" als auch den verzweifelt um sein Leben bettelnden Schuft wie gewohnt mit Verve. Bentley, dessen frühere Fixierung auf historische Filme durch zwei Sidegags parodiert wird, spielt ebenso den zaudernden auf Sicherheit bedachten Wohlstandsbürger, wie den vom Schmerz betäubten Witwer, als auch den kaltblütigen Racheengel am Rande des körperlichen Zusammenbruchs in Perfektion.
Die Kameraarbeit und die Regie haben für die Verzweiflungssequenzen Robinsons, der - wie so oft bei King - in pseudo-biblischen Phrasen philosophiert, albtraumhafte Bilder (flammender Himmel, Tranquilizer im Goldfischaquarium) in schönen Perspektiven gefunden. Insgesamt eine gelungene Übertragung einer mir unbekannten Shortstory Kings, die die richtigen Zutaten erfahren hat. Das Manko liegt in anderen Teilen.
Das erste, was mir beim Betrachten mit zwei verschiedenen DVD-Playern und Bildschirmen auffiel, war der Fehler in der Bildabtastung vom Original (1:2,35!) und der automatischen Umschaltung der Auflösung. Im Vorspann ist - egal in welchem Bildverhältnis - der Text seitlich angeschnitten, was auf fehlerhaftes Pan&Scan hindeutet. Somit fehlen bei allen extremen Bildeinstellungen die äußeren relevanten Bildanteile. Darüber hinaus sind nur Slater und die wichtigeren Nebendarsteller angemessen synchronisiert worden. Bentley und Vaugier wurden von ungewohnten Sprecherstimmen nüchtern und emotionslos "heruntergeleiert".
Fazit:
Eine inhaltlich interessante, originell inszenierte und gut gespielte Stephen-King-Verfilmung wird leider durch eine fehlerhafte Abtastung vom Originalmaterial und eine herzlose deutsche Synchronisation abgewertet. Des Weiteren sagt die Nichexistenz jeglicher Extras viel über den Stellenwert des Films aus, den er offensichtlich bei der Promotionabteilung genoss. Jeder zweitklassige Horror- oder Teeniestreifen hat heute mehr Extras anzubieten.
Wissenswertes: Ursprünglich sollte Sylvester Stallone den Part des Jimmy Dolan spielen. (kh)