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Komödie
 The IT Crowd Version 1.0
geschrieben von DvB am 18. Dez 2009

Standard Nerds

Cover Irgendwie nerven sie ja schon ein bisschen, diese "Du musst Dir das unbedingt im Original angucken, nur da kommt der gesamte Wortwitz rüber"-Typen. Ich gehöre nicht dazu, ich bevorzuge immer eine feine Synchronisation. Umso erstaunlicher, dass ich mir die britische Comedy-Serie The IT Crowd irgendwann freiwillig im Original angeschaut habe. Und schon wurde aus einer eher albernen, ganz amüsanten Serie eine brüllend komische Show, die fast die volle Punktzahl verdient. Wenn da nur nicht dieses Bonusmaterial wäre. Doch dazu später mehr.

The IT Crowd Version 1.0
England 2006
Veröffentlichung: 06.11.2009
Regie: Graham Linehan
mit: Chris O'Dowd, Richard Ayoade, Katherine Parkinson, Christopher Morris, Noel Fielding u.a.
"Nochmal"-Faktor: sehr hoch
Unsere Wertung: 92%
FSK: ab 12
Laufzeit: 144 Minuten
Sprachen und Tonformate: Deutsch, Englisch Stereo
Bildformat: 16:9
Untertitel: Deutsch/Englisch
Extras:
  • Deleted Scenes
  • Outtakes
  • Behind the IT Crowd
  • Hello, Friend
  • Audiokommentare
  • In verschiedenen Internetforen äußerten sich die Fans schon skeptisch: The IT Crowd sei nicht adäquat zu synchronisieren. Zu charakteristisch seien die Originalstimmen. Und es stimmt: Besonders "Drei Fragezeichen"-Sprecher Jens Wawrczeck nervt ungemein, indem er die Figur Moss mit seiner Quäkstimme als albernen Kindskopf da stehen lässt. Im Original ist die Stimme dunkler und Moss kommt als das rüber, was er ist: Ein IT-Nerd, der zwar viel technisches Zeug im Hirn hat, aber alltägliche Zusammenhänge eher nicht versteht.

    BeispielUnd auch Freya Trampert schafft es nicht, die Hürde zu überspringen. In ihrer Synchronisation wirkt Jen Barber wie ein albernes, naives Dummchen. Im Original ist sie eher das Gegenteil: Sie hat zwar von IT keine Ahnung, ist aber eher hysterisch und trotzdem gerissen und sehr auf Karriere aus. Die anderen Figuren wurden zufriedenstellend synchronisiert. Trotzdem bleibt festzuhalten: Wer in den vollen Genuss von The IT Crowd kommen möchte, der sollte sich das Original anschauen. Zumal britische Schauspieler sehr gut zu verstehen sind. Sie sprechen langsam und meistens auch akzentfrei.

    Der Inhalt der Serie ist schnell erzählt. Jen Barber (Katherine Parkinson, "Radio Rock Revolution") wird Chefin der IT-Abteilung von Reynholm Industries. Der Chef der Firma Denholm Reynholm (Christopher Morris) – vielleicht sogar der großartigste Charakter der Serie – bemerkt nicht, dass Barber null Ahnung von Computern hat. Ihm kommt es nur auf Teamfähigkeit an, sonst nichts. In der IT-Abteilung, die in einem schäbigen Büro im hintersten Keller liegt, arbeiten Roy (Chris O'Dowd, "Radio Rock Revolution") und Moss (Richard Ayoade, "The Life and Death of Peter Sellers"). Ihr Chef nennt sie "Standard Nerds", also absolute Fachidioten. Roy ist genervt von der Ahnungslosigkeit der übrigen Abteilungen. Ans Telefon geht er nur gelegentlich und wenn, dann legt er sich meistens im Verlauf des Gesprächs mit seinen Gesprächspartnern an. Nicht selten bemühen sich diese in den Keller und verprügeln ihn.

    BeispielMoss dagegen verfügt über ein riesiges IT-Wissen, das er aber nicht vermitteln kann. Meistens bricht die Gegenseite das Telefongespräch ab, weil sie den wirren Ausführungen des Nerds nicht mehr folgen kann. Beide haben Probleme mit Frauen. Roy glaubt, ein Frauenheld zu sein, wird aber nur belächelt. Moss dagegen wird noch von seiner Mutter eingekleidet. In dem Büro arbeitet noch eine dritte Person. Richmond Avenal (Noel Fielding) war früher im Management der Firma tätig, mutierte durch den Einfluss der Dark Wave-Band Cradle of Filth aber zum Goth. Er ist kreidebleich, hat schwarz umrandete Augen und sieht aus wie ein Vampir. Er verbreitet nur negative Stimmung und wurde deswegen von Roy und Moss in den Serverraum verbannt, aus dem er sich nur selten bewegt.

    The IT Crowd ist in England megaerfolgreich und tritt nun auch in Deutschland seinen Siegeszug an. SAT 1 entblödete sich nicht, vor zwei Jahren eine deutsche Version davon mit Sky Dumont als Chef nachzudrehen. Die Geschichten waren exakt gleich und auch die Hauptfiguren sahen genau wie die Originale aus. Es floppte, das war zu erwarten. Außer "Stromberg" und "Pastewka" gibt es halt keine gute deutsche Comedyserie. Und auch die Amis wollten The IT Crowd nachdrehen. Richard Ayoade sollte auch dort die Rolle des Moss übernehmen. Aber die Produktion wurde aus unbekannten Gründen eingestellt. Egal, wir haben das britische Original, das ist hervorragend genug.

    Beispiel Schon die DVD-Menüs sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Man fühlt sich zurückversetzt in die 80er Jahre, als man noch vor dem C64 Little Computer People gespielt hat, anstatt die Mathe-Hausaufgaben zu machen. Leider können die Extras mit der übrigen Qualität nicht mithalten. Die Deleted Scenes sind zwar genauso lustig, die Outtakes bringen Spaß. Aber "Behind the IT Crowd" ist eher überflüssig. Ein Mensch namens Ken Korda, seines Zeichens Filmemacher, interviewt die Hauptpersonen von IT Crowd. Und meint, es sei besonders lustig, alles zu erfragen, was nicht mit dem Thema IT Crowd zu tun hat. Bei Darsteller Chris O'Dowd reitet er nur auf dessen irischer Abstammung rum, Richard Ayoade fragt er ständig, wie es sei, ein Nerd zu sein. Und Katherine Parkinson, Regisseur Graham Linehan und Produzent Ash Atalla befragt er nur nach Serien, an denen sie früher beteiligt waren. Von IT Crowd erfährt man nichts. Während Chris O'Dowd und Graham Linehan das noch ganz lustig finden, schaut Richard Ayoade nur leicht irritiert, Katherine Parkinson blickt immer unsicher zur Seite. Und Ash Atalla hat die Faxen dicke und bricht das Interview ab. Was so eine Verarsche auf den Extras zu suchen hat, das können wohl nur Briten verstehen. Das ist jedenfalls nicht der Humor von Festland-Europäern.

    BeispielDer Charakter Ken Korda stammt aus der Adam & Joe Show. Dahinter steckt der britische Comedian Adam Buxton. Neben seinen eher nervigen Interviews gibt es noch den Kurzfilm "Hello Friend". Der ist auch sehr merkwürdig. Er hat was mit Computern zu tun. IT Crowd-Darsteller Richard Ayoade hat einen Kurzauftritt darin.

    Fazit
    Als Serie ist The IT Crowd im Original ein Brüller. Die Charaktere sind liebenswert und saukomisch. Leider leidet die Gesamtqualität der DVD unter überflüssigen Extras. Trotzdem lohnt es sich, diese DVD im Schrank stehen zu haben. Und vor allem haben sowohl Computernerds als auch absolute Laien ihren Spaß. (DvB)

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    Von Kommentare
    AngrySmiley
    Filmlexikon


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    Mitglied seit: Okt 03, 2004 Artikel: 595
    Location:Tirol
    Geschrieben am:18. Dez 2009 - 07:20
    Lang lebe die Originalfassung;)

    Wieso war es zu erwarten, dass die (mir unbekannte) deutsche Kopie von The IT Crowd floppte. Stromberg war ,zumindest am Anfang, auch eine exakte Kopie von The Office und wurde der große Renner. Fand ich, und finde ich nach wie vor, auch eher schwach, speziell, da man am Anfang nicht mal zur eigenen Ideenlosigkeit stand, und nicht zugab kopiert zu haben.
    _________________
    I'm not supposed to be here today! Dante Hicks in CLERKS
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    Aleks_A
    DVDmaniac


    ____________
    Mitglied seit: Sep 16, 2003 Artikel: 1313
    Geschrieben am:18. Dez 2009 - 08:59

    AngrySmiley wrote:
    da man am Anfang nicht mal zur eigenen Ideenlosigkeit stand, und nicht zugab kopiert zu haben.

    Als jemand, der die TV Welt von innen kennt, kann ich dir sagen: Das letzte, was die TV Macher (Genauso wie unsere Politiker "Eliten") jemals gestehen werden ist, Ideen- und Ahnungslos zu sein.

    Obwohl das schon sehr lange der Fall ist. Bei beiden Grüppchen.
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    klaus_h
    DVDmaniac


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    Mitglied seit: Aug 21, 2004 Artikel: 1372
    Location:Solingen
    Geschrieben am:18. Dez 2009 - 09:21
    Als Aleks in München schon bei RTL2 weilte, habe ich damals bei CBC für VOX gearbeitet und die jetzige RTL-Chefin in ihrer damaligen Funktion kennengelernt. Sie ist typisch für jene Schicht arrivierter Aufstiegsmanager, die lediglich auf ein gute kaufmännische Ausbildung zurückblicken - und keinen Medienhintergrund besitzen.

    Dementsprechen chaotisch waren dann auch ihre Eingriffe in die Programmgestaltung. Hätten nicht alle im Sender aufgeschrien, wäre z.B. "Ally McBeal" damals nach einem miserablen Start parallel zur Champions-League bereits in der ersten Staffel abgesetzt worden.

    Und es ist ja nicht so, dass es in Deutschland bei den Filmschaffenden der unteren Ebenen keine Ideen geben würde - das Problem ist die mangelnde Risikobereitschaft des Managements eigene Konzepte auszuprobieren und die vorauseilende Bereitschaft den international geprägten Werbekunden in den Allerwertesten zu kriechen.

    Denn die kennen das internationale Projekt einer US-Serie selbstverständlich eher als "Berlin, Berlin", was beinahe ebenfalls nicht zustande gekommen wäre.

    Doch zurück zu IT-Crowd: Ich mag die Serie wegen ihres Humors und der Art und Weise wie man etliche Besonderheiten der IT-Abteilungen in überspitzer Form wiedererkennt. Alleine der Wink Roys an Moss als Jen das erste Mal die "Abteilung" betritt: "Hey, hast du auch gesehen, sie hat den Spectre neben der Eingangstür ihres Büros komplett übersehen, sie kann keine Ahnung von Computer haben." Smile
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    God bless the Internet. (American Pie)
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    AngrySmiley
    Filmlexikon


    ____________
    Mitglied seit: Okt 03, 2004 Artikel: 595
    Location:Tirol
    Geschrieben am:18. Dez 2009 - 11:32

    Aleks_A wrote:
    Als jemand, der die TV Welt von innen kennt, kann ich dir sagen: Das letzte, was die TV Macher (Genauso wie unsere Politiker "Eliten") jemals gestehen werden ist, Ideen- und Ahnungslos zu sein.



    Das hätte ich auch nicht anders erwartet.
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    I'm not supposed to be here today! Dante Hicks in CLERKS
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    Aleks_A
    DVDmaniac


    ____________
    Mitglied seit: Sep 16, 2003 Artikel: 1313
    Geschrieben am:18. Dez 2009 - 19:14
    Zur Ideenlosigkeit und pornographie des täglichen Fernsehens ein durchaus lesenswerter Beitrag von ZAPP:
    http://www3.ndr.de/sendungen/zapp/archiv/boulevard_gesellschaft/dokusoap100.html

    Die Opfer einer Doku-Soap
    [...]Joan Kristin Bleicher, Professorin für Medienwissenschaft, meint: "Es scheint mir ein grundlegendes Problem zu sein, dass die Kandidaten glauben, ihre Familien würden so dargestellt, wie sie sind. Es handelt sich um eine Inszenierung und es handelt sich um eine Geschichte, die erzählt wird, es handelt sich um Konflikte, die dargestellt werden, aber es handelt sich nicht um ein reales Abbild des Familienlebens."

    Inszenierte Konflikte, gestellte Szenen: Naiv und ahnungslos lässt sich das Paar darauf ein. André Roß erzählt: "Man kann überhaupt nicht das sagen, was man will. Wenn man es nämlich tut, wird es solange gemacht, bis es so ist, wie der Realisator es haben will." Der Realisator ist der Autor vor Ort, er gibt Regieanweisungen manchmal bis zu zwölf Stunden am
    Tag. Für viele Familien ist das ein Alptraum. Sie sind dem Stress nicht gewachsen, machen alles mit, so wie André Roß.

    Joan Kristin Bleicher erklärt: "Man hat schon fast die Regieanweisung im Ohr, wenn man die Menschen dort weinen oder schreien sieht, weil das ist kein normales Verhalten. Und man merkt auch häufig, sie blicken in die Kamera dabei."[...]


    Unterschichten Fernsehen eben...
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