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(Anti)Kriegsfilm
Red Cliff
geschrieben von maqz am 19. Dez 2009
Stark geschnittenes chinesisches Kriegs-Epos
Dieser Historienstreifen der Superlative (der derzeit teuerste asiatische Film, besseres Einspielergebnis als "Titanic" in China, bisher 11 Auszeichnungen) ist die überlange Traum-Erfüllung eines jeden Asia-Filmfans: Martial Arts in Massen, beeindruckende Szenen in schönen Kostümen und Kulissen, bedeutungsschwangere Dialoge präsenter (chinesischer) Schauspieler und der historischer Hintergrund für die Geschichte in satten 144 Filmminuten. Ach ja, Regisseur ist übrigens John Woo (u.a. Operation – Broken Arrow, Im Körper des Feindes, "Mission Impossible", "Alle Kinder dieser Welt", Windtalkers, Paycheck ...)
Extras: Filmografie-Faltblatt
Interview mit dem Regisseur
Blick hinter die Kulissen (nur ca. 2 Min.)
Darsteller-Infos (Text)
Trailer
Doch, um es von Anfang an zu betonen: Red Cliff ist ein chinesischer Film, der von einem chinesischen Regisseur gedreht wurde, der lange in Hollywood gedreht hat. Das bedeutet, dass Woo mit einem (für asiatische Verhältnisse) riesigen Budget und (für europäische Verhältnisse) einer riesigen Komparsen-Zahl arbeitet. Das bedeutet aber auch, dass man mit asiatischer Gelassenheit an die episch angelegte Geschichte rangehen sollte, um sie richtig genießen zu können.
Hinter dem Titel steckt die historisch (in den Details uneinheitlich!) belegte sogenannte "Schlacht von Chibi" bzw. "Schlacht am Roten Felsen", eine der berühmtesten Schlachten in Chinas Geschichte. Sie ereignete sich zum Beginn der "Zeit der Drei Reiche" (ca. 208–280 n. Chr.) im Winter 208. Die Kontrahenten waren die verbündeten Streitkräften der südlichen Kriegsherren Liu Bei und Sun Quan, die gegen den nördlichen Kriegsherren Cao Cao antraten. Der "Süden" vereitelte erfolgreich Cao Caos Versuch, ihr Land (südlich des Jangtses) zu erobern und China damit gewaltsam zu vereinigen. Der Austragungsort ist bis heute, ebenso wie der genaue Ablauf, nicht genau bekannt. So ist Woos Film auch "nur" dramatisiertes Non-Fiction, aber dafür sehr spannend!
Wer jetzt eventuell in Schlachtengewimmel verpackte Liebesschmonzetten á la "Der Fluch der Goldenen Blume". oder "Blood & Flowers" erwartet, der wird mit "Red Cliff" eher enttäuscht. Wer hingegen dem DVD-Cover-Sprüchen Glauben schenken möchte, erhält einen Film "Stark wie 300 - Atemberaubend wie HERO - Episch wie TROJA". In diesem Fall stimme ich mit dem Werbestrategen vollkommen überein. Hier wird im übermäßig großen Stil gemetzelt, bis wortwörtlich blutrote Klippen aus einem blutroten Jangtse aufragen.
Dabei bestechen nicht nur die dominanten Kampfszenen, die zwar wenig realistisch, dafür umso spektakulärer den Zuschauer am Sessel fesseln, sondern die kunstvoll gestalteten Bildkompositionen, die auch eindrucksvoll in den stillen Szenen wirken. Dabei halten sich poetische Momente und blutige Action gerade so die Waage. Dazwischen beschreibt Woo die typische Situation der Underdogs gegen die vemeintlich unschlagbare Übermacht und wie sich das Kriegsglück durch geschickte und kluge Strategien wenden kann.
Hey, und das WAR's schon! Wer nun mit Recht fragt: "Wie will man mit so einem einfachen Plot über zwei Stunden füllen?", der kann sich mit Vergnügen diesen Film anschauen und Staunen, dass das wirklich geht! Natürlich sollte das gewisse Maß an Affinität zum asiatischen Kino vorhanden sein! Die wirklich bittere Pille ist, dass der Film (im Original waren es ZWEI Filmen á zweieinhalb Stunden) auf 144 zusammengeschnitten und eher auf die Schlachtenszenen verdichtet wurde. Das bedeutet, dass die Geschichte und die guten Drasteller wie z.B. Tony Leung ("Hero") oder Takeshi Kaneshiro ("Returner - Kampf um die Zukunft", "House of Flying Daggers", "Perhaps Love") in der westlichen Version nicht ihre komplette epische Wirkung entfalten konnten.
Vielleicht ist eine Veröffentlichung der beiden langen Originalfilme ja in Zukunft noch drin?! So vermissen nur Actionfans die Handlung nicht und sind vollauf begeistert von einem scharfen Bild und wuchtigem Surroundsound. Anlagenbesitzer sollten Zugreifen! Die Blu-Ray ist in diesem Falle sicherlich zu bevorzugen, weil noch schärfer und authentischer in Nahaufnahme und Kavallerie-Attacken-Getrampel.
Bonustechnisch ist die DVD ziemlich schwachbrüstig und kommt mit einem kurzen Blick hinter die Kulissen (eher ein zweieinhalbminütiger Werbetrailer) und einem langatmigen sechzehnminütigen Statement des Regisseurs daher. Zu wenig, um wirklich kaufentscheidend zu sein.
Fazit
Insgesamt ist Red Cliff ein wirklich spannender Action-Film. Die Superlativen sind nicht übertrieben und alle Versprechungen hinsichtlich Gigantismus, Epos und Kampfkunst werden erfüllt. Hätte man den Protagonisten mehr Raum zur Figurenentwicklung gegeben, wäre der Film cineastisch sicherlich befriedigender, jedoch zu lang für die westlichen Sehgewohnheiten geworden. Liebhaber des Genres können (und sollten) an dieser teuersten chinesischen Produktion einfach nicht vorbeigehen. Kaufen, aufs Pferd steigen, Fernbedienung ziehen und anschauen! (mg)
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