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Drama
Der große Bluff - Das Howard Hughes Komplott
geschrieben von klaus_h am 22. Dez 2009
Hoax - Der Schwindel
Deutschland hatte seinen größten Literaturskandal mit den gefälschten Hitlertagebüchern, was Regisseur Helmut Dietl zu "Schtonk" inspirierte. Die Vereinigten Staaten erlebten kurz vor Watergate einen ähnlich Aufsehen erregenden Schwindel, als Clifford Irving behauptete, die Autobiographie des exzentrischen Milliardärs Howard Hughes zu veröffentlichen und die ganze Verlags- und Pressewelt auf ihn hereinfiel. Regisseur Lasse Hellström ("Chocolat", "Ein ungezähmtes Leben") verfilmte diese interessante Story mit so namhaften Darstellern wie Richard Gere, Alfred Molina und Hope Davis.
Der große Bluff - Das Howard Hughes Komplott
USA - 2006
Veröffentlichung: 19.11.09
Regie: Lasse Hellström
Darsteller: Richard Gere, Alfred Molina, Marcia Gay Harden, Hope Davis, Julie Delpy, Stanley Tucci, Eli Wallach u.a.
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9, 1,78:1
Untertitel: Fehlanzeige
Extras:
• Featurette (kurze Skizze der Filmidee, Vorstellung von zwei der Originalprotagonisten in Interviewausschnitten, 8:26 min)
• Interviews (42 min; am Stück, OmUT)
• Original-Trailer
Der talentierte, jedoch vom Erfolg vernachlässigte Autor Clifford Irving (Richard Gere, "Ein Offizier und Gentleman", "Chicago", "Darf ich bitten?""Hunting Party") ist mehr als angegrätzt. Gerade noch hatte ihm seine emsige Agentin Andrea Tate (Hope Davis, "Mord und Margaritas", "The Weather Man") suggeriert, dass sein neuestes Buch beim renommierten Verlag McCraw-Hill veröffentlicht wurde, als die Bombe platzte. Ein missliebiger, trendschaffender Literaturredakteur vom Time Life hasst das Buch und McCraw-Hill stoppt das Projekt. Und Irving hatte bereits Geld ausgegeben, das noch nicht auf seinem Konto war!
Dadurch, dass er in dieser Phase mehrfach über den Namen "Hughes" als Medienereignis stolpert, improvisiert er von einem auf den anderen Moment die Idee "das wichtigste Buch des 20. Jahrhunderts" zu schreiben - der Biographie des zurückgezogen lebenden und allmächtigen Milliardärs Howard Hughes. Seine Agentin und der Verlag beissen gierig an. Dank seines Charmes, Esprits, dreisten Improvisationstalents und vor allen Dingen der Recherchekünste seines besten Freundes, des Kinderbuchautoren Richard "Dick" Suskind (Alfred Molina, "Der Jäger des verlorenen Schatzes", "Species", "Sakrileg", "Spider Man 2") lavieren sie sich an den ersten Klippen des Misstrauens vorbei.
Zwar hat der Verlag um Inhaber Shelton Fisher (Stanley Tucci, "Wiege der Angst", "Jede Menge Ärger", "Lucky Number Slevin", "Inside Hollywood", "Julie & Julia") manifeste Zweifel, diese sind jedoch nach Schriftanalysen schnell ausgeräumt, da selbst ausgerechnet jener verhasste Literaturkritiker Ralph Graves (Zeljko Ivanek, "The Mentalist") von Time Life widerstrebend einschwenkt und auch der letzte Journalist, mit dem Hughes 15 Jahre zuvor ein Interview geführt hatte, die Authentizität des Stils bezeugt. Doch nun müssen Irving und Süskind dank des üppigen Vorschusses ein Buch schreiben!
Im Zuge ihrer Recherchen bei ehemaligen Mitarbeitern (u.a. Eli Wallach, "Glauben ist Alles!"), der Kongressbibliothek und dem Militär stoßen sie bereits auf einige Ungereimtheiten, die ihrem Buch die Würze und Echtheit geben - doch plötzlich werden ihnen anonym Akten zugespielt, die belegen, dass Hughes Ende der 50er unerlaubte Parteispenden an Richard Nixons Bruder getätigt hatte. Versorgt man sie hier etwa mit authentischem "Dreck", um den inzwischen allseits verabscheuten Präsidenten loszuwerden?
Während Suskind um sein Leben fürchtet, Irvings Frau Edith (Marcia Gay Harden, "P.S. - Liebe auf Anfang", "American Dreamz", "Desperate Measures") an seiner Treue zweifelt und seine frühere Geliebte Nina van Palandt (Julie Delpy, "Killing Zoe", "2 Tage Paris") wieder um ihn buhlt, steigert sich der schreibende Hochstapler im Alkohol- und Medikamentenrausch verstärkt in die Rolle Hughes hinein. Denn bisher hatte ihn seine einfallsreiche Dreistigkeit stets gerettet. Dabei lässt er eine Sache jedoch aus den Augen: Was wäre, wenn der öffentlichkeitsscheue Milliardär tatsächlich etwas dementieren würde, was er bisher noch nie getan hat?
Hallström inszenierte den Plot zunächst sehr dynamisch, wobei das improvisierende Spiel zwischen Gere und Molina ihm vielfache Möglichkeiten bot. Die geschickte Verwendung von Archivmaterial bringt ebenso viel 70er Zeitkolorit wie die exquisite Ausstattung in Szenenbild, Maske und Kostüm sowie des zeitgenössischen Scores. Zum Ende verflacht das Tempo des Films etwas, selbst wenn Hallströms Pointe und Geres überzeugendes Spiel der Geschichte noch eine Verschwörungsvariante (Hughes hätte dank der Publicity Nixon besser erpressen und somit seine Prozesse beenden können) abgewinnt.
Fazit:
Eine "echte", gut präsentierte Story mit Tragik, Tiefgang und sogar Komik. Fein aufgelegte Darsteller, die gefordert werden und dies mit überzeugendem Spiel danken. Leider kommt dies in der deutschen Bearbeitung nicht vollends herüber. Alle Darsteller, insbesondere Gere (statt seiner "Stammstimme" seit 1986, Hubertus Bengsch, nun der "ehemalige" Tom cruise-Sprecher Stephan Schwartz, warum dann nicht wenigstens Frank Glaubrecht?) und Hope (Marion von Stengel anstatt Claudia Lehmann), haben unnötigerweise ungewohnte Synchronisationsstimmen. Darüber hinaus vergaß man bequemerweise die Untertitel. Das vom Grundansatz her interessante Featurette ist viel zu kurz geraten, während das übliche Interview-Geplänkel (Gere, Molina, Hayden, Hope, Delpy, Tucci, Regisseur und alle drei Produzenten) eindeutig zu breit und redundant ausgewalzt wird sowie per Menü nicht unterteilt ist. Wenn drei Jahre vom Dreh bis zur DVD vergehen, hat der Vertrieb wohl ein Motivationsproblem gehabt.
Wissenswertes: Ehemalige Mitarbeiter Richard Nixons bestätigten, dass die im Film geschilderten Vorgänge im Zusammenhang mit Irvings Anhängerschaft zu den Demokraten Nixon in seiner Hughes-Phobie derart bestärkt hätten, dass er überhaupt erst auf der Durchsuchung des Watergate-Komplexes bestand, um dort Material über Hughes und eine Verbindung zu den Demokraten zu finden. Der Rest ist Geschichte. Wer sich filmisch darüber "fortbilden" möchte, kann dies mittels "Aviator" (Leonardo Di Caprio), "Melvin and Howard" (Jason Robards, Paul Le Mat), "Frost/Nixon" (Michael Sheen, Frank Langella) oder "Die Unbestechlichen" (Dustin Hoffmann, Robert Redford) tun. Überraschenderweise regte die Geschichte bereits 1974 eine deutsche TV-Adaption namens "Der Scheck heiligt die Mittel" mit Horst Frank als Clifford Irving an.
(kh)