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Drama
Che - Teil 1: Revolucion / Teil 2: Guerilla
geschrieben von DvB am 11. Jan 2010
Viva la revolución!
Sieben Jahre dauerte es, bis Steven Soderberg das Mammutprojekt, das Leben von Ernesto "Che" Guevara zu verfilmen, in die Tat umgesetzt hat. Herausgekommen sind zwei Spielfilme von jeweils mehr als zwei Stunden Länge. Vor allem Teil 1 "Che-Revolucion" ist sehr anstrengend. Denn Soderbergh verzichtet darauf, viel zu erklären, sondern zeigt nur in sehr ruhigen Bildern bruchstückartig viele verschiedene Etappen des Lebens des Argentiniers.
Che - Teil 1: Revolucion / Teil 2: Guerilla USA, F, S 2008
Veröffentlichung: 11.12.2009
Regie: Steven Soderbergh
mit: Benicio del Toro, Demián Bichir, Franka Potente, Julia Ormond, Benjamin Bratt u.a.
"Nochmal"-Faktor: eher niedrig
Unsere Wertung: 65%
FSK: 12
Laufzeit: ca. 256 Minuten
Sprachen und Tonformate: Deutsch, Spanisch
Untertitel: Deutsch
Extras:
Making of
Interviews mit Steven Soderberg, Benicio del Toro und Demián Bichir
Trailer
Filmtipps
Der erste Teil des Mammut-Biopics beschränkt sich auf die Jahre 1956 bis 1964. Er zeigt die Anfänge von "Ches" (Benicio del Toro, "Fear and Loathing in Las Vegas", "21 Gramm") Revolution, die er mit Fidel Castro (Demián Bichir) durchführte. In Mexiko nimmt Guevara an vielen konspirativen Treffen teil und entschließt sich, bei der Revolution mitzumachen. Hauptthema des Films ist der Guerillakrieg um die Eroberung Kubas. Schließlich zeigt Soderbergh noch in Schwarz-Weiß-Bildern die Rede von Guevara vor der UN in New York.
"Che-Guerilla" befasst sich dagegen mit den Jahren 1964-1967. Guevara organisiert den Guerilla-Kampf in Bolivien, stößt auf wenig Mithilfe des Chefs der dortigen Kommunistischen Partei Mario Monje (Lou Diamond Philips, "Tatort: Presidio", "Young Guns"), zieht seinen Plan aber dennoch durch. Unterstützung findet er bei Tamara Bunke (Franka Potente, "Elementarteilchen", "The Fan - Schatten des Ruhms"), einer deutschstämmigen Argentinierin, die die meiste Zeit aber in der DDR wohnte. Sie ist fasziniert von der Revolution und macht den Guerillakampf aktiv mit, obwohl "Che" sie darum gebeten hat, im Untergrund den Kontakt im Ausland zu halten. Der Guerillakampf erweist sich als immer schwieriger, weil sich nicht so viele wie erhofft Guevaras Truppen anschließen. Das Ganze endet schließlich mit dem entscheidenden Gefecht in La Higuera.
So ganz weiß ich nicht, was ich von Soderberghs ("Voll Frontal", "Kafka", "The Good German"), zwei Filmen halten soll. Von den Kritikern wurden sie durchweg gelobt. Wer aber gehofft hat, den Menschen Guevara näher kennenzulernen, der wird enttäuscht. Ebensowenig sollte man glauben, dass Soderbergh die Zuschauer an die Hand nimmt und durch das Leben des "Che" führt. Der Regisseur lässt das Publikum weitgehend alleine und stellt es vor die große Aufgabe, die Bilder, die er vorgibt, zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen. Das ist schwierig, teilweise sogar unmöglich, wenn man nicht über ein breites Vorwissen verfügt.
Immer wieder wechselt der Ort des Geschehens, mit langen Kameraeinstellungen werden Gespräche gezeigt oder endloses Marschieren durch die lateinamerikanischen Wälder. Überhaupt bekommt man den Eindruck, Guevara habe sein Leben zu 85 Prozent im Wald verbracht und sei einmal quer durch Lateinamerika marschiert. Das alles macht die Rezeption der Filme so anstrengend, weil die Bilder sich oft so sehr gleichen. Soderbergh gibt offen zu, dass er den Film so gedreht habe, wie er ihn gerne sehen würde und hat dabei nicht auf den größtmöglichen Kinoerfolg geschaut. Er gehe davon aus, dass er das Publikum mit seinen Verfilmungen enttäusche. Nicht nur bei "Che", sondern jedes Mal.
Der Film ist insgesamt sehr ruhig und kommt fast ohne Soundtrack aus. Die kriegerischen Handlungen sind nicht reißerisch dargestellt, Pistolen- und Gewehrschüsse hören sich meistens an wie dumpfe Knalle, wurden tonmäßig also nicht verstärkt. Soderbergh arbeitet mit sehr vielen verschiedenen Filtern. So ist das Bild am Anfang sehr körnig, wie es in den 50er Jahren üblich war. Die UN-Debatte ist komplett in schwarz-weiß und mit wackeliger Kamera gedreht. Das verstärkt den dokumentarischen Eindruck, den man vom kompletten Film hat. Die schauspielerischen Leistungen sind stark. Matt Damon hat übrigens noch einen Kurzauftritt als vermittelnder Amerikaner.
Enttäuschend ist das Bonusmaterial. Dem Double Feature liegt noch eine weitere DVD mit Extras bei. Da erwartet man zunächst eine Menge. Und wird dann maßlos enttäuscht. Ein kurzes und belangloses Making of ist das Kernstück. Dazu gibt es noch drei Interviews mit Steven Soderbergh, Benicio del Toro und Demián Bichir. Wobei die Fragerei bei del Toro eher einen verärgerten Zuschauer hinterlässt, denn der Schauspieler antwortet bei fast jeder Frage mit "Ich weiß es nicht". Er wirkt dabei sehr lustlos.
Soderbergh und Bichir sind dagegen komplett anders. Ihre Interviews machen Spaß. Der Regisseur erzählt viel zur Entstehungsgeschichte des Films und wie er sich dem komplexen Thema Ernesto "Che" Guevara näherte. Bichir ist sehr gut gelaunt und meinte, er sei zunächst verwundert gewesen, dass ihm Soderbergh die Rolle des Fidel Castro angeboten habe. Es läge wohl an seinem Bart. Wie dem kubanischen Staatsoberhaupt der Film gefallen habe, habe er noch nicht erfahren. Bichir hoffe nur, dass er noch nach Kuba einreisen darf. Kurzweilig, insgesamt ist das aber für eine komplette Extra-DVD zu wenig.
Fazit Die Filme sind zwar nicht schwere Kost, aber eben auch nicht sehr einfach. Man muss komplett konzentriert sein und am besten vorher schon mal im Internet zu Ernesto Guevara recherchieren. Ansonsten versteht man vieles nicht. Für jeden, der ein "normales" Biopic erwartet, dem ist von den Filmen abzuraten. Wer sich für die Figur Guevara und die damalige Revolution in Lateinamerika interessiert, wird allerdings mit Genuss dabei sein.
(DvB)
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