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Komödie
 Surfer, Dude
geschrieben von DvB am 12. Jan 2010

Belanglos, Dude

Cover Irgendwie kann man Matthew McConaughey ja nicht böse sein. Frauen mögen ihn wegen seines Aussehens, Männer wegen seiner ewig coolen Typen, die er spielt. Das ist alles sehr eindimensional, aber eben auch oft amüsant. McConaughey nimmt sich nicht so ernst, scheint auch nicht sonderlich eitel zu sein – wenn man mal davon absieht, dass er für seinen Körper schon einiges im Fitnessraum tun muss. Wie gesagt: Man kann ihm einfach nicht böse sein. Und das ist auch bei „Surfer, Dude“ so, dem ersten Film seiner neu gegründeten Produktionsfirma. Der Streifen ist alles andere als ein guter Start als Produzent. Er ist trotzdem nett anzusehen.

Surfer, Dude
USA 2008
Veröffentlichung: 15.01.2010
Regie: S.R. Bindler
mit: Matthew McConaughey, Woody Harrelson, Alexie Gilmore, Jeffrey Nordling, Ramon Rodriguez u.a.
"Nochmal"-Faktor: eher weniger
Unsere Wertung: 50%
FSK: 12
Laufzeit: ca. 82 Minuten
Sprachen und Tonformate: Deutsch, Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 1,78:1 (16:9 anamorph codiert)
Untertitel: Deutsch
Extras: Filmtrailer
Steve Addington (Matthew McConaughey, "Wie werde ich ihn los", "Sahara") ist eine Surflegende. Nachdem er alle berühmten Surf-Locations der Welt bereist hat, kehrt er in seine Heimat Malibu zurück. Dort hat sich vieles geändert. Seine Sponsoren Ben & Barry haben ihre Firma an den Ex-Surfer und TV-Produzenten Eddie Zarno (Jeffrey Nordling, „24“) verkauft. Dem geht es um Multimedia und Geld. Addington will aber nur am Strand rumhängen und auf die perfekte Welle warten. Sein Manager Jack (Woody Harrelson, "No Country for Old Men", "Die Wutprobe") eröffnet ihm, dass die Geschäfte nicht gut laufen. Addington braucht Werbeaufträge oder irgendeinen Sponsor. Die schöne Danni Martin (Alexie Gilmore), eine Marketingexpertin, will ihm dabei helfen. Das erweist sich jedoch als schwierig.

Beispiel Zarno möchte Addington für sein TV-Projekt Surf TV gewinnen. Das ist wie Big Brother, nur mit Surflegenden. Eine Handvoll berühmter Surfer wohnt in einem Luxus-Haus zusammen mit unzähligen Bikini-Schönheiten. Sie feiern den ganzen Tag. Und alles wird live im TV gezeigt. Doch das ist nicht Addingtons Welt. Er sträubt sich dagegen, unterschreibt den Vertrag nicht. Als dann auch noch Flaute herrscht und die Wellen ausbleiben, verzweifelt Steve immer mehr. Er nimmt sich sogar vor, keine Joints mehr zu rauchen. Irgendwann weiß er sich nicht mehr zu helfen und entschließt sich, doch bei Zarno zu unterschreiben.

Die Thematik bei „Surfer, Dude“ ist aktuell. Der Film kann als Plädoyer für Natur und gegen die Medialisierung der Welt verstanden werden – und wirkt trotzdem so belanglos. Zwei Welten prallen hier aufeinander: Das Luxus-Haus der Surfer wirkt kalt, die Freude der Bewohner aufgesetzt. Doch wenn Addington in der Natur wandelt, am Strand steht, dann fühlt sich der Zuschauer wohl. Und auch Steve Addington selbst ist dann glücklich. Die Surfer um Addington sind kiffende, tollpatschige Sympathen. Wer sich vom Geld locken lässt, ist unsympathisch, hinterlistig. Schwarz-Weiß-Malerei in hoher Potenz. Dazu kommen manche Szenen, die der Zuschauer nicht so ganz einordnen kann. Sind es nun Traumsequenzen und Addington träumt bekifft von der Schönheit, die ihn im seinem Domizil aufsucht, oder ist das real? Keine Ahnung, der Regisseur gibt darauf keine Antwort.

Beispiel Für S.R. Bindler ist „Surfer, Dude“ der erste Spielfilm. Und man sieht sofort: Der Mann muss noch eine Menge lernen. Viel zu oft wird die Zeitlupe als dramaturgisches Mittel eingesetzt. Sei es um Coolness zu verdeutlichen, oder die verführerische Frau, die den Raum betritt. Das nervt von Anfang an. Ebenso die ständig wechselnden Musikstücke, die teilweise nur wenige Sekunden angespielt werden. So geht das nicht, Mr. Bindler. Das wirkt hektisch und unausgegoren.

Matthew McConaughey kommt übrigens im ganzen Film nur mit einem Outfit aus. Er trägt lediglich eine schwarz-weiße Schwimmshort. Ab und zu ein T-Shirt. Und in einer Szene gar nichts. Da ist der Raum aber so perfekt ausgeleuchtet, dass man den blanken McConaughey nur in Umrissen sieht. Nur Alexie Gilmore hat freie Sicht, was ihr sichtlich unangenehm ist. Eine sehr amüsante Szene.

Beispiel Der Film vermittelt eine schöne Strandatmosphäre, es gibt viele gut aussehende Menschen zu bestaunen. Und Legenden wie Willie Nelson oder Scott Glenn ("Journey to the End of the Night"). Allerdings baut der Regisseur nur sehr wenige Surfszenen ein. Und wenn was gezeigt wird, dann immer nur die selben Szenen. Naja, McConaughey wird nun mal kein Surf-Riese sein. Den Sport hat er erst bei den Dreharbeiten zu „Ein Schatz zum Verlieben“ kennen- und mögen gelernt. Ob man dann gleich einen Surf-Film drehen muss, sei mal dahin gestellt. Immerhin hat der Film „nur“ sechs Millionen Dollar gekostet. Die sind aber bestenfalls zufriedenstellend investiert worden.

„Surfer, Dude“ lebt von den Darstellern, die wirklich sehr gut gewählt sind. Woody Harrelson schaut man immer gerne zu. Und in der Interaktion mit Matthew McConaughey wirken die beiden wie eine Surf-Ausgabe von Clever und Smart. Allerdings ist bei der Synchronisation ein wenig zu dick aufgetragen worden. Beide lallen die ganze Zeit, als seien sie dauerbreit, auch wenn sie gar nichts geraucht haben. McConaughey ist sich nicht zu schade dafür, sich auch mal verkatert und besoffen zu zeigen, seine Veranda hochzukraxeln und Richtung Bett zu rollen. So sieht man ihn doch gerne – zumindest als männlicher Zuschauer.

Beispiel Bei den „Bösewichtern“ kann Jeffrey Nordling überzeugen. Er interpretiert den Eddie Zarno nicht zu hinterlistig, nicht zu böse, man denkt aber dauernd, dass er etwas ganz Schlimmes im Schilde führt. Und Ramon Rodriguez ("Transformers 2: Die Rache") gibt den arroganten Surfer Lupe. Er spielt ihn nicht übermäßig unsympathisch, ein Bier möchte man mit dem Typen aber auch nicht unbedingt trinken gehen. Noch ein Satz zu den Extras: Außer Filmtrailern sind keine vorhanden.

Fazit
Mit „Surfer, Dude“ hat Matthew McConaughey nicht gerade einen optimalen Start als Produzent erwischt. Das liegt aber vor allem an der falschen Wahl des Regisseurs. Ein anderer, erfahrenerer Mann hätte aus dem an sich interessanten Thema sicher mehr raus holen können. So ist „Surfer, Dude“ ein netter Film geworden, den man sich anschauen kann und der teilweise sogar richtig witzig ist. Für alle, die ihn nicht sehen, geht die Welt aber auch nicht unter. (DvB)

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