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(Anti)Kriegsfilm
1941 - Wo bitte geht's nach Hollywood? - 2 Discs
geschrieben von klaus_h am 05. Feb 2010
Kriegshysterie-Satire
Es gibt nur wenige Filme, die Steven Spielberg ("Indiana Jones") als persönlichen Misserfolg empfinden sollte. "1941" war neben dem ambitionierten "Die Farbe Lila" wohl seine größte Enttäuschung. Im stockbornierten Reagan-Amerika wollte keiner über die tempo-, witz- und starreiche Satire auf die amerikanische Kriegshysterie angesichts des japanischen Angriffes auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 lachen. Die Kritik vernichtete ihn gnadenlos. Dabei steht der Film in der großen Tradition von Kriegs- und Gesellschaftssatiren und gilt heute als moderner Klassiker. 30 Jahre später bringt man den Film optisch leicht überarbeitet und mit einer umfangreichen Extra-DVD neu heraus.
1941 - Wo bitte geht's nach Hollywood? - Doppel-DVD
USA - 1979
Veröffentlichung: 04.02.09
Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Dan Aykroyd, Ned Beatty, John Belushi, Lorraine Gary, Christopher Lee, Tim Matheson, Toshirô Mifune, Warren Oates, Robert Stack, Treat Williams, Nancy Allen, Slim Pickens, John Candy, Bobby Di Cicco, Lionel Stander u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch - moderner Klassiker
Unsere Wertung: 88%
FSK: 12
Laufzeit: 114 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch Dolby Digital 2.0
Extras: alle auf der 2 Disc
• Die Entstehung von 1941 (102 min)
• Deleted Scenes (8 min)
• Bildergalerie "Produktionsfotos"
• Bildergalerie "Die Komik bei 1941"
• Bildergalerie "Der Vertrieb von 1941"
• Texttafelgalerie "Die Kritiken"
• 3 Original-Trailer
Dabei griff Spielberg im Verbund mit Filmkomponist John Williams sogar zu den schönsten Mitteln der Selbstparodie. Zwei Wochen nach dem japanischen "Überfall", der nach dem heutigen Stand der Forschung die USA keineswegs so unvorbereitet und vernichtend getroffen hat, wie man es uns noch im Pretext und weiteren Verlauf des Films glauben machen möchte, geht an einem frühen, nebeligen Morgen eine "Polarbär"-Schwimmerin (Susan Backlinie) nackt in die eisigen Fluten. Sie kommt uns nicht von ungefähr bekannt vor - wie auch die Szenerie.
Es ist dieselbe hübsche Blondine wie in "Der weiße Hai" - und tatsächlich ertönt auch plötzlich ein leicht abgwandeltes "Jaws"-Thema um das Unheit anzukünden. Das "Surfergirl" ist beunruhigt, plötzlich brodelt es um sie herum wie in einem gigantischen Whirlpool. Vor ihren weitaufgerissenen Augen durchstößt als gigantisches Phallussymbol das Periskop eines japanischen Uboots die Wasseroberfläche und zerrt die laut kreischende Blondine mit verschränkten Beinen an ihm empor. Alleine dieser Einstieg ist eine geniale Parodie auf seinen eigenen Horrorerfolg und die gesamte zeitgenössische Genrespielart. Außerdem nimmt es die Arbeitsweise sämtlicher Zucker & Zucker-Produktionen ("Die nackte Kanone", "Hot Shots") vorweg.
Die Besatzung jenes Uboots hat - wie auch alle anderen durchgedrehten Protagonisten dieses Film - ein gewaltiges Imageproblem! Während die glorreiche japanische Flotte einen siegreichen Schlag gegen die Amerikaner gelandet hat, kämpfen sie mit einem maroden Schiff und Navigationsproblemen, da ihr Kompass defekt ist. Irgendetwas Bedeutendes müsste man doch zerstören, um ehrenvoll nach Hause zurückkehren zu können, meint Kommandant Akiro Mitamura (Toshirô Mifune, "Die 7 Samurai", "Shogun"), der sich zu allem Übel noch mit dem besserwisscherischen Nazi-Offizier von Kleinschmidt (Christopher Lee, "Die Herren Dracula", "In einem Sattel mit dem Tod", "Palast der Winde") herumschlagen muss. Hollywood wäre doch ein lohnendes Ziel, um für möglichst viel Wirbel zu sorgen.
Alle logischen Einwände - schließlich liegt die Filmstadt landeinwärts - und auch einige andere Entwicklungen fielen, wie die entfallenen Szenen enthüllen, leider dem letztlich chaotischen Schnitt zum Opfer, der einige Timingfehler verschuldet. Tatsächlich kommt man auch an Hollywood. Nur ist es leider der bärbeißige Weihnachtsbaumfarmer Holis Wood (Slim Pickens, "Dr. Seltsam - oder wie ich lernte die Bombe zu lieben"), den die Japaner kidnappen, der sich aber hartnäckig weigert ihnen die entscheidenen Informationen zu liefern und gar den "rettenden" Gimmick-Kompass aus seinen Snacks verschluckt.
Man merkt es schon; eine verzwickte Handlung, bei der das satirische Chaos regiert und eine Vielzahl von Personen agieren. Das eigentliche verbindende Element sollte ursprünglich der Zivilist Wally (Bobby Di Cicco) sein, der den Krieg verachtet und nur auf "seine" Betty (Dianne Kay) und das Jitterbug-Turnier fixiert ist. Diese herrliche Tanzturnier, das treffend der Swing-Ära huldigt und später in einer der größten Massenschlägereien der Filmgeschichte ausartet, ist der einzige Überrest von Spielbergs Konzeption ein Musical als Satire zu drehen. Nur hätte er leider den Mut dafür damals nicht gehabt, obwohl ihn John Williams vollkommen unterstützt habe, bekundet er bei den Extras.
Kommen wir einfach einmal summarisch auf alle Figuren mit ihren Macken zu sprechen: da wäre der versoffene und irre US-Force Captain 'Wild Bill' Kelso (John Belushi), der auf seinem Irrflug überall japanische Flugzeuge sehen möchte und nur Schutt & Asche hinterlässt; der lakonische und eigentlich einzig normale Mensch (bis auf seine "Dumbo-Fixierung"), General Stilwell (Robert Stack, "Die Unbestechlichen"), der als Chef der kalifornischen Heimatverteidigung nur von Verrückten umgeben scheint; ein aufrechter Familienvater Ward Douglas (Ned Beatty, "Der Schutzengel", "Der Tiger hetzt die Meute", "In the Electric Mist"), der angesichts eines japanischen Uboots sogar gewillt ist, mit einem Geschütz durch sein eigenes Haus zu schießen; die dümmste Panzerbesatzung der Welt (Dan Aykroyd, "War Inc."; John Candy; Mickey Rourke) u.v.a.m.
Meine Lieblingsfiguren sind jedoch die "heiße" Journalistin Donna Stratton (Nancy Allen, "JAG") mit ihrem Flugzeugfetisch und der Aufreißer-US-Army-Captain Loomis Birkhead (Tim Matheson), der sich dies bei der Widerspenstigen eines ums andere Mal zunutze machen möchte, obwohl er damals in der Fliegerschule herausgeflogen ist. Jene Szene, in der er ihr am Boden an Bord einer B17 an die Wäsche geht, ist eine der gewagesten dreideutigsten Sequenzen der 70er Jahre. Da haut es selbst die Mechaniker von den Tragflächen - und dies gerade nicht im bildlichen Sinn.
In vielen Punkten erinnert der Film an den unvergessenen "Eine total verrückte Welt". Jagt dort ebenfalls ein Starensemble in den 60er Jahren einem vermeintlichen Schatz völlig hirn- und skrupellos hinterher, scheinen hier im Kampf gegen den vermeintlich im Vorgarten stehenden Feind jegliche Hemmungen zu fallen. In der englischsprachigen Fassung tritt dies auch wesentlich deutlicher zutage. Die deutschsprachige Synchronisation hat hier einiges "geglättet" ("Kameltreiber" statt "Hunnen", Entfernung vieler Anspielungen auf Deutschland) und anderes unnötig aufgehübscht. Bestes Beispiel sind die von Arne Eltzholtz (Standard-"Tom Hanks"-Sprecher) aufgepimpten Monologe Dan Akroyds, der bei ihm oft wie ein Schwachsinniger "auf Witz komm' raus, du bist umzingelt" faselt.
Überhaupt ist die deutsche Tonfassung die mit Abstand schlechteste (insb. im Vergleich zur spanischen), da sie hörbar demonstriert wie brutal und ungeschickt der Tonpegel hochgekitzelt wurde. Das Tonzischen in den Sprachpassagen ist doppelt peinlich und heute leider nicht mehr zu beheben. Die Farben wirken jedoch vom Farbwert her befriedigend hergegeben, aufgrund des Filmalters liegt die Bildqualität trotz vereinzeltem Rauschens und z.T. niedrigen Mittenwerten leicht über dem Durchschnitt 30 Jahre alter Kinofilme. An die begnadete Qualität der "Flashdance" - Neuauflage reicht er jedoch überhaupt nicht heran.
Bei den Extras sind die entfallenen Szenen aufschlussreich, da sie dokumentieren, dass die Entführungssequenz ausgreifender war und ein logischer Bruch (warum sollte Holis Wood ein Röhrenradio im Pickup spazieren fahren?) ursprünglich nicht vorhanden war. Leider liegt bei einigen der 8 min kein Ton mehr vor. Dafür ist das 102 min lange Feature "Über die Produktion", in dem Robert Zemeckis ("Zurück in die Zukunft", "The Frighteners"), Spielberg ("Krieg der Welten", "München"), John Milius ("Apocalypse Now", "Der Wind und der Löwe") und Williams zu ausgewählten Passagen dieses und vergleichbarer Film über den Produktionsprozess und den Dreh plaudern, umso besser geraten.
Viel passender auch als die nicht vorspulbaren und teilweise untertitelten "Dia-Shows" ohne Musik über den Dreh mancher Szenen, das Merchandising und - besonders selbstzerfleischend - Texttafeln der bösesten Kritiken. Diese sind bis zu 40 min lang und absolut nicht mehr zeitgemäß. Eigentlich fehlt der DVD noch ein regelrechter Beitrag über die Dreharbeiten und die Stunts sowie ein Audiokommentar, zu dem Spielberg selbst sicherlich in der Lage wäre.
Fazit:
Ein im Original wirklich komischer, aber leider verkannter moderner Klassiker der Satire, der selbst heute trefflich in Humor, Tempo und Action unterhalten kann, wird hier - mit Abstrichen - würdig auf dieser Doppel-DVD verewigt.
Wissenswertes: Spielberg wagt selbst eine Parodie von "Das Duell". Jene Tankstelle, die Kelso beim "Nachtanken" zerstört, ist identisch mit der in seinem Debütfilm und Lucille Benson, damals die Besitzerin der angegliederten Schlangenfarm, spielt hier die Tankstellenbetreiberin. (kh)
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