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(Anti)Kriegsfilm
The Battle - Vertrauter Feind
geschrieben von klaus_h am 01. Jun 2011
Psychodrama eines Bürgerkriegs
Schon seit einigen Jahren warte ich auf einen authentischen Antikriegsfilm zum Krieg auf den Balkan. Dabei gibt es ihn als internationale TV-Produktion der BBC bereits seit 1998, die jedoch erst jetzt auf DVD erscheint. Wie einst im legendären "Harrys Game" zum Irlandkonflikt, das damals von Clannad musikalisch untermalt wurde wie hier im Abspann durch Enya, versteht man es einen seriösen, pazifistischen Film wider den Krieg zu drehen, der nichts beschönigt und alles klarstellt.
The Battle - Vertrauter Feind
GB/CAN/UNG 1998
Veröffentlichung:
Regie: David Attwood
Darsteller: Linus Roache, Vincent Perez, Lothaire Bluteau, Lia Williams u.a.
"Nochmal"-Faktor: sehr hoch, differenzierter Antikriegsfilm hinter reißerischem Verleihtitel
Unsere Wertung: 91 %
FSK: 18
Laufzeit: 90 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch Englisch Dolby Digital 2.0
Bildformat: 16:9, 4:3
Untertitel: Fehlanzeige
Extras: Fehlanzeige
Der Bosnier Vlado (Linus Roach, "Batman Begins") und der Serbe Slavko (Vincent Perez) sind seit frühester Jugend engste Freunde und haben als Sportschützen das große gemeinsame Hobby. Der große Traum ist der Besuch der Olympischen Spiele in Barcelona 1992. Die Karten sind bereits gekauft, aber die Separatisten um Radovan Karadžić verändern die politische Landschaft, insbesondere Sarajevos, wo man alte Rechnungen gegenüber Bosniern und Muslims begleichen möchte.
Während der Kleinunternehmer Vlado noch naiv an eine Intervention der Amerikaner wie in Kuwait glaubt, lässt sich Slvako schon von den Milizen als Scharfschützenausbilder anwerben. Doch warnt er den Freund und will ihn mitsamt seiner Kinder außer Landes bringen. Dessen Familie weigert sich jedoch und muss schließlich mitansehen, wie Sarajevo durch die Artillerie aus den Bergen mehr in Schutt und Asche gelegt wird. Dabei terrorisieren serbische Scharfschützen die Bevölkerung beim Wasserholen ständig. Als diesem Terror vermehrt Frauen und Kinder zum Opfer fallen, schlägt der eigenlich unmilitärische Vlado zurück und macht seinerseits Jagd auf die serbischen Heckenschützen.
Als er eines Tages einen schier unglaublichen Schuss über 600 m durch mehrere Häuser hindurch erlebt, weiß er, dass dahinter direkt oder indirekt nur Slavko stecken kann und versucht diesen zu stellen. Mithilfe des Schwarzmarkthändlers Slavin (Bluteau "Jesus von Montreal", "The Healer") gelingt es ihm sogar im ersten Anlauf Slavko ins Visier zu holen - aber er bringt es nichts über's Herz ihn zu erschießen. Er muss erst mit ihm reden, versuchen ihn zum persönlichen Rückzug zu überreden...
Die Stärken diesen Antikriegsfilms liegen zum einen in der glaubhaften Entwicklung der Geschichte, ihrer Charaktere und zum anderen in der authentischen Darstellung Lebens miteinander vor und während des Bürgerkriegs. Wenn gezeigt wird, wie ein Kindersarg an der Straßenböschung verscharrt wird, weil sich niemand mehr auf den Friedhof traut, da dort ständig Trauernde erschossen werden, dann bekommt eine kleine Ahnung von den Schrecken in Sarajevo. Darüber hinaus ist der psychologischen Thrill zwischen den befreundeten Kontrahenten, dem Familien- und dem Emotionsmensch nachvollziehbar.
Vor allen Dingen ist dies ein ganz anderes Duell als der inhaltliche blutleere "Enemy at the Gates", bei dem es ebenfalls um ein Duell zweier Scharfschützen geht. Hier ist es nur ein schreckliches Nebenthema des jugoslawischen Bürgerkriegs, um die Kluft zwischen Freunden verdeutlichen zu können. Für die Authentizität bürgen die guten Darsteller wie auch die literarische Vorlage in Form einer Artikelserie mit dem Titel: "The Anti-Sniper. Shot throuth the heart" aus "Details". Umso überraschender, dass der Film hier weitgehend unbekannt blieb.
Fazit:
Ein rundum überzeugender Antikriegsfilm zum jugoslawischen Bürgerkrieg, der dennoch keine Partei ergreift und spannend das Drama eines heute fast vergessenen Krieges entwirft. Da passt es um so mehr, dass im Moment wieder einmal einige der abscheulichsten Kriegsverbrecher jener Zeit gefasst werden. Ärgerlich ist jedoch der plakative und auf die falsche Klientel schielende englische Verleihtitel.
(kh)