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Krimi
George Gently 2 - Der Unbestechliche
geschrieben von klaus_h am 17. Jun 2011
Crime in the Swingin' Sixties
Nicht nur der Retrolook scheint auf der britischen Insel stets "in" zu sein, auch Krimgeschichten in nostalgischer Erzählweise ("Inspector Barnaby") oder verzwickter Zeitreisenflashback in die späten 70er Jahre ("Life on Mars") haben dort seit Jahren Erfolg. Im vorliegenden Fall ist es der inzwischen in die Jahre gekommene Martin Shaw ("Ray Doyle" aus "Die Profis"), der als Inspector der London Metropolitan Police in den 60er Jahren Kapitalverbrechen mithilfe seines aufsässigen und undisziplinierten Assistenten Detective Sergeant John Bacchus (Lee Ingleby, "Master & Commander") im unverwechselbaren Stil aufklärt. Und so ganz nebenbei lernen wir noch ein nahezu authentisches Sittenporträt jener Ära kennen.
George Gently 2 - Der Unbestechliche
GB - 2009
Veröffentlichung: 20.05.11
Regie: Daniel O' Hara, Ciaran Donelly
Darsteller: Martin Shaw, Lee Ingleby, Brendan Coyle, Mark Williams, Tracey Wilkinson, Matthew McNulty, Simon Hubbard, Andrew Lee Potts u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch, aufgrund der Ausstattung, des Zeitkolorits & der Charaktere
Unsere Wertung: 85 %
FSK: 12
Laufzeit: 270 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Englisch Dolby Digital 2.0
Bildformat: 16:9
Untertitel: Fehlanzeige
Extras: Fehlanzeige
Zur Veranschaulichung inwieweit die Geschichten bei der Skizzierung der damaligen sozialen und politischen Umwälzungen gehen, eignet sich die zweite Episode dieser aus drei 90-minütigen Teilen bestehenden Box recht gut. Dabei ist der deutsche Titel, "Tödliche Mission" ("Gently in the Night") wie so oft irreführend, erinnert er doch mehr an einen Agententhriller. Die Leiche von Audrey Chadwick (Sian Breckin, "Donkey Punch") wird aufgebahrt auf einem Kirchenaltar gefunden. Bacchus erkennt in ihr die Animierdame des "Rakes", eines ebenso erfolgreichen wie berüchtigten Nachtclubs wieder.
Dessen Besitzer, der aalglatte Amerikaner Patrick Donovan (Brendan Coyle, "The Jacket") lässt seine Mädchen a la Hugh Heffner nicht etwa als "Bunnys" verkleidet agieren, sondern geschickterweise als Füchsinnen, die stilvoll die männliche Kundschaft zu umgarnen hat. Doch meidet er beflissentlich den Eindruck sein Etablissment biete die "käufliche Liebe" an. Dennoch war Audrey eine seiner erfolgreichsten Füchsinnen, die Freund und Eltern glauben ließ, als Krankenschwester zu arbeiten. Nach der Autopsie und ersten Befragungen stellt sich heraus, dass Audrey nach einer Vergewaltigung eine Abtreibung vornehmen ließ.
Da man in ihrer Wohnung eine leere Dreimonatspackung Verhütungspillen findet, fragt sich Gently, warum Audrey überhaupt schwanger werden konnten. Und viel entscheidender: Im England von 1961durften Ärzte die Pille nur verheirateten Frauen verschreiben! Von der Abtreibung ganz zu schweigen, die vielen Moralisten selbst unter diesen Umständen als Mord erscheint. In den Fokus gerät daraufhin mit Margaret Bishop (Tracey Wilkinson) eine fanatische Moralaktivistin und Abtreibungsgegnerin, die sowohl eine Klinik als auch den Nachtclub observierte, da deren Mann, der Rechtsanwalt Joe Bishop (Mark Williams, "Arthur Weasley" aus "Harry Potter und der Feuerkelch"), ein Verhältnis zu Audrey unterhielt.
Doch Gently wäre nicht er selbst, wenn er dabei nicht auch die anderen Verdächtigen fest im Auge behalten würde: den Ex-Freund, den Vater (Bill Fellows) und vor allen Dingen den Rechtsanwalt, der allzu schnell bereit ist den Verdacht auf seine Frau zu lenken. Außerdem bereitet ihm sein Assistent vermehrt Sorgen, da der in seiner Ehe unglückliche Hitzkopf sich wohl mit Fawn (Nichola Burley), einer Kollegin Audreys, eingelassen hat und nach derem spurlosen Verschwinden umso unbeherrschter in dem Fall vorgeht.
Garniert mit etlichen Informationen zu der damaligen Rechtslage bietet diese Folge wie auch die übrigen (# 1 "Vergeltung" (Gently with the Innocents)", # 3 "Böses Blut" (Gently in the Blood)") Unterhaltung auf hohem Niveau mit verzwickten Fällen, guten Gastdarstellern, wie z.B. Mark Williams oder Andrew Lew Potts ("Primeval", "alice im wunderland"), und überzeugenden Hauptfiguren bei guter Bild- und Tonqualität. Da fällt der hektische Vorspann, der so überhaupt nicht zu dem Zeitgeist jener Ära passen möchte, gering ins Gewicht.
Fazit:"George Gently" verfolgt geschickt das Prinzip von "Life on Mars" ohne dessen Abgedrehtheit, aber auch ohne dessen schrägen Humor. Dafür sind sowohl die Hauptfigur als auch die Fälle zu sehr um Ernsthaftigkeit bemüht. Angesichts des überzeugenden Ergebnisses ist dies kein Manko. Jedoch zuckt man unweigerlich zusammen, wenn am Ende der Folge der Schuldige die Schlinge um den Hals gelegt bekommt. Schließlich gab es im Vereinigten Königreich damals noch die Todesstrafe... Untertitel und wie auch immer geartete Extras hat man uns leider nicht beschert - ebenso wie die 4. Episode der 2. Staffel, "Gently Through the Mill", die das ZDF ohne Erklärung erneut unter den Tisch fallen ließ. Wahrscheinlich rührt es daher, dass die 1. Staffel lediglich drei Episoden hatte, die 3. Season sogar nur zwei Einzelfolgen.
(kh)