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Sportfilm
Secretariat - Ein Pferd wird zur Legende
geschrieben von klaus_h am 27. Sep 2011
Big Red
Biopics und Sportfilme sind von jeher ein sicheres Fundament des so genannten Familienfilms gewesen. Disney hat mit der hier vorliegenden Produktion, die zumindest vom Thema her an "Seabiscuit" erinnert, mit Hilfe der Geschichte über ein legendäres Superpferd der 1970er Jahre in Verbindung mit der Emanzipationsgeschichte seiner Eigentümerin gleich zwei Dinge geschafft: familientaugliche Unterhaltung und zeitgerechte Darstellung.
Secretariat - Ein Pferd wird zur Legende
USA - 2010
Veröffentlichung: 22.09.2011
Regie: Randall Wallace
Darsteller: Diane Lane, John Malkovich, Dylan Walsh, Margo Martindale, Otto Thorwarth, Fred Dalton Thompson, James Cromwell, Scott Glenn, Nestor Serrano u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch
Unsere Wertung: 91 %
FSK: 0
Laufzeit: 118 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch, Englisch, Türkisch, Italienisch Dolby Digital 5.1 5.1
Extras:
• "Das Herz eines Champions" (ca. 16 min)
• Entfallene Szenen
• Musikvideo "It's who you are" von AJ Michalka
Als ihr Vater Chris Chenery (Scott Glenn, "Journey to the End of the Night") nach dem Tod ihrer Mutter aufgrund seiner Alzheimererkrankung das Gestüt nicht mehr halten kann, reist die vierfache Mutter und Frau eines Juristen, Penny Tweedy (Diane Lane, "Der Sturm", "Frau mit Hund sucht... Mann mit Herz", "Indian Summer") ins heimische Virginia, um dort womöglich die Abwicklung zu gewährleisten. Aber von ihrem Vater hatte sie seit Kindesbeinen den Pferdeverstand eingeimpft bekommen und so will sie mit Hilfe der resoluten Sekretärin Miss Ham (Margo Martindale, "Dexter", "Paris je t'aime") die Farm gegen den Widerstand ihres Bruder und ihres Mannes retten.
Denn Penny sieht Potenzial in dem Betrieb. Ihr Vater hatte im Gegensatz zu vielen anderen Züchtern mehr Wert auf die Vererbungsqualitäten der Stuten gelegt und somit erreicht, dass eine inzwischen schon 17-jährige Stute, deren Großvater durch überragende Ausdauer geglänzt hatte, nun von einem Vererber gedeckt worden war, der zwar gut auf der kurzen Distanz, aber auf den klassischen Strecken eher mäßig gewesen war. Beim "Münzwurf" mit dem Eigentümer des Deckhengstes, Ogden Phipps (James Cromwell, "Die Queen") sichert sie sich das noch ungeborene Füllen, von dem sie sich durch die Vereinigung beider Eigenschaften so viel erhofft.
Ein anderer Züchter und Freund ihres Vaters, Bull Hancock (Fred Dalton Thompson), vermittelt ihr den exzentrischen frankokanadischen Pferdetrainer Lucien Laurin (John Malkovich, "Art School Confidential", "Per Anhalter durch die Galaxis", "Burn After Reading", "Rounders"), der ebenfalls dank der Zuchtbücher die Chance wittert. Als das große Fuchshengstfüllen "Big Red" geboren wird, entwickelt es sich verheißungsvoll zu einem Bild von einem Rassepferd. Allerdings auch zu "500 kg Babyspeck, der sich in der Startbox entspann zurücklehnt und in die Sonne blinzelt", wie es Laurin sarkastisch ausdrückt.
Der erste Start des Zweijährigen wird durch einen unerfahrenen Jockey verbockt, der die Eigenart des Pferdes nicht einzuschätzen weiß. Denn "Secretariat", wie er inzwischen dank der ungnädigen Zuchtbehörde genannt werden muss, gestaltet seine Rennen am liebsten von hinten, um mit unbebändigem Speed während der letzten Kurve an allen anderen vorbeizusausen. Nachdem man mit dem hitzköpfigen Jockey Ronnie Turcotte (der echte Jockey Otto Thorwarth) den geeigneten Reiter gefunden hat, beginnt die beeindruckende Siegesserie des Pferdes.
Fortan gilt er als großer Favorit auf das Kentucky Derby, vielleicht auch auf das "Triple Crown" (Kentucky Derby, Preakness Stakes und Belmont Stakes), das seit 25 Jahren kein Rennpferd mehr für sich gewinnen konnte, und ist der große Publikumsliebling. Als jedoch Chris Chenery stirbt, bedroht die zu erwartende Erbschaftssteuer das Gestüt. Während ihr Bruder und ihr Eheman Jack (Dylan Walsh, "Nip/Tuck - Schönheit hat ihren Preis") nun am liebsten den kostbaren Hengst "verscheuern" möchten und damit Penny, die nicht umsonst von ihrer Umgebung mehr mit ihrem Mädchennamen Chenery angesprochen wird, ihrer neuen Unabhängigkeit berauben möchten, glaubt diese fest an ihren Traum.
Jahrzehnte vor Paul Schockemühle entwickelt sie die Idee einer erfolgsgebundenen Besitzerbeteiligung, die allerdings an eine historische Bedingung gebunden ist: "Secretariat" muss wirklich alle drei klassischen Rennen gewinnen - sonst gehört das Pferd, das bereits 11 Millionen US-Dollar wert ist, allein dem Konsortium. Ausgerechnet bei der Generalprobe für das Derby versagt jedoch der Rotfuchs gegen seinen Erzrivalen, den Rappen "Sham" des großspurigen Trainers Pancho Martin (Nestor Serrano, "The Day After Tomorrow").
Ein "Pferdeflüsterer" findet die Ursache, dass der Vielfraß sein Futter verweigert und die Leistung nicht mehr bringt: ein Abzess im Maul, der ihm das Fressen und Atmen zur Qual macht. Wird also unser Held und seine Besitzerin am Ende siegreich sein? Eine rhetorische Frage, handelt es sich hier doch um eines der erfolgreichsten Rennpferde aller Zeiten und seine durchsetzungsfreudige Besitzerin. Wenn ein Film von Disney gemacht wird, kann er nur in einem glücklichen Ende münden. Aber ist das verkehrt? Nein, denn wir wollen allzu gerne an den positiven Emotionen anderer teilhaben.
Dabei spielt Diane Lane ihre Rolle wirklich überzeugend, Malkovich gefällt sich wieder einmal als harmloser Soziopath mit der lächerlichsten Kleidung der Filmgeschichte und Margo Martindale ist im Moment wohl die beste ältere Nebendarstellerin. Die Ausstattung ist authentisch, die Rennszenen mitreissend und die Inszenierung schlüssig. Über die eingestreuten moralischen Binsenweisheiten tröstet jedoch hinweg, dass hier gleich zweimal eine Emanzipation gewürdigt wird: diejenige der amerikanischen Geschäftsfrau in einer Männerdomäne und diejenige ihrer Kinder, wenn diese wie im Film offen mit dem sozialistischen Regime Allendes in Chile sympathisieren. So etwas traute sich vor 20 Jahren allenfalls Gavras.
Darüber hinaus gefällt der Film mit aussagekräftigen Extras, die Interviews mit der echten Penny Tweedy, Secetariats Pflegern und Trainingsreitern sowie einige Originalaufnahmen der Rennen beinhalten, die verdeutlichen, dass dieses Wunderpferd tatsächlich einmal überlegen mit 31 Längen Vorsprung gewonnen hat. Selbst 40 Jahre danach hält der Hengst etliche Rekorde. Die Blu-ray-Ausgabe enthält darüber hinaus noch die Featurebeiträge "Wie wurde der Regisseur inspiriert: Gespräch mit der echten Penny Chenery" und "Choreographie der Rennen".
Fazit:
Familientauglicher Sport/Tierfilm mit starkem biographischen Akzent. Dank der emanzipatorischen Kritik und der handwerklich soliden Inszenierung (Randall Wallace, "Braveheart", "Wir waren Helden") durchaus vorbildlich und zeitlos. Wer "Das größte Spiel seines Lebens" oder "Das Comeback" mochte, wird auch diesen Film lieben.
(kh)
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Copyright aller Abbildungen: Disney
Weitere Informationen: www.disney.de