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Drama
Dark Matter
geschrieben von klaus_h am 25. Nov 2011
Sinnhaftigkeit des Alls
Ein junger Mensch verliert die Orientierung, verschließt sich vor seiner Umwelt, erstickt in seiner Hilflosigkeit, plant die Rache an allen anderen...
Den Weg zum Amoklauf hat es bereits häufig in filmischer Umsetzung gegeben: mal als Satire wie in "Amok - He Was a Quiet Man"" oder als zynische Utopie wie in "Christie Malrys blutige Buchführung". Hier beruht der geschilderte Fall auf tatsächlichen Begebenheiten
Dark Matter
USA - 2009
Veröffentlichung: 19.11.11
Regie: Chen Shi-Zheng
Darsteller: Liu Ye, Aidan Quinn, Meryl Streep u.a.
"Nochmal"-Faktor: optisch gegeben, inhaltlich weniger
Unsere Wertung: 65 %
FSK: 12
Laufzeit: 85 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch Digital 5.1 / Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9, 1,78:1
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: Fehlanzeige
Ein talentierter und aus einfachen Verhältnissen stammender chinesischer Physikstudent Liu Xing (Liu Ye) beginnt begeistert sein Studium der Astrophysik in Salt Lake City. Doch als sein intriganter und neidischer Professor Reiser (Aidan Quinn, "Legenden der Leidenschaft", "Harry und June") seine Entwicklung unterdrückt, da dessen eigenes Denkmodell belegt anzweifelt, und ihm auch seine Förderin Mrs. Silver (Meryl Streep, "Julie & Julia", "Die durch die Hölle gehen", "Adaption") nicht helfen kann, reift in ihm ein Plan zum Amoklauf... Dabei beruht "Dark Matter" auf der wahren Geschichte: Am 1. November 1991 ging der Student Gang Lu in die Universität von Iowa - und erschoss sechs Menschen
Das grundsätzliche Problem derartiger Filme ist die Plausibilität. Wie kann man eine derartige Tat einigermaßen nachvollziehbar im Film erklären? Das Gefühl der Ohnmacht seiner Umwelt gegenüber haben die meisten von uns schon einmal kennengelernt. Doch werden wir deshalb gleich zum Amokläufer? Der Film gibt hier schon die passende Antwort. Denn der junge Mann ist mehrfach isoliert: als "billiger" chinesischer Austauschstudent, als junger Mann, der unbeholfen die Annäherung zu einer naiven Teeverkäuferin sucht und dabei abblitzt, als eloquenter Freigeist mit frischen Ideen, der den angepassten Konformisten aus seinem eigenen Umfeld im Wege steht.
Doch schließlich ist es die Negation seines Selbstverständnisses als Wissenschaftlers und seines Welt(all)bildes, das ihn in einer reichlich ästhetisch bis plakativen inszenierten Kurzschlusstat zur Ermordung seines Doktorvaters und weiterer Studenten im Hörsaal nach seiner Isolation bringt. Nachvollziehbar ist die Tat in gewisser Weise schon, aber ist sie auch zwingend ansehbar? Selbst wenn man sich hier gut bemüht hat, dass universitäre Zeitkolorit Anfang der 90er Jahre einzufangen, wird dem Publikum das Gezeigte aufgrund der langsamen und fahrigen Inszenierung bald ermüdend erscheinen.
Dabei kann man an der schauspielerischen Leistungen der beiden Kontrahenten kaum etwas aussetzen, wie auch die Optik des Films interessante, wenn auch tendenziöse Kameraeinstellungen bietet. So sind die Zwischenschnitte auf den Professor beim ersten unterwürfigen Zusammentreffen stets aus der Froschperspektive bzw. Untersicht gefilmt worden, obwohl der Doktorand die meiste Zeit im Stehen spricht. Doch während es heute selbst Komödien wie "The Big Bang Theory" dank kundiger Fachberatung gelingt, einen allgemeinverständlichen Zugang zur Astrophysik bzw. Kosmologie herzustellen, versagt dieser Film ziemlich.
Ohne physikalische Fortgeschrittenenkenntnisse fühlt man sich als Zuschauer im Stich gelassen, die recht ungehobelten Sitten seiner chinesischen Austauschkommilitonen wirken abstoßend bis enervierend, selbst Meryl Streep wirkt als gelangweilte Kunstmäzenin wie die x-beliebige Blaupause einer ihrer vielen Rollen. Die von mir sonst geschätzte Schauspielerin wirkt hier blass. Regisseur Chen Shi-Zheng ist hier offenkundig in die Falle getappt, auf dem Drahtseil zwischen den Kulturen ohne Netz gekonnt tanzen zu wollen, indem er es beiden Kulturkreisen recht machen versuchte. Dabei hat er sich am allzu schweren Thema mittelmäßig verhoben. Originell ist zwar der Ansatz in vielfältig arrangierten Variationen aus Dvoraks Symphonie "Aus der Neuen Welt" den Score zu generieren, aber manchmal landet man dabei im Kitsch.
Fazit:
"Dark Matter" ist allzu ambitionierter Film, der sich Mühe bei der Entwicklung seiner Hauptfiguren gibt, aber die zugrundeliegende innere Problematik seines tragischen Antihelden letztlich nur ermüdend und allzu komplex umsetzt. Die Bildsprache ist gekonnt, die schauspielerische Leistung der beiden männlichen Hauptakteure engagiert. Kein Film für die breite Masse und leider unter dem Strich zu schlecht beraten.
(kh)
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