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Thriller
Trespass
geschrieben von klaus_h am 13. Mar 2012
Hausfriedensbruch in Hollywood
Hinter dem mysteriös klingenden Namen dieses Films verbirgt sich das karsche aber bezeichnende deutsche Wort, das wohl kein Eigentümer von Hab und Gut am eigenen Leib erfahren möchte. „Mein Heim ist meine Burg“, wird jeder denken und sichert sich ab. Gerade deswegen ist der mögliche Einbruch Terror und Horror zugleich sowie letztlich oft im Film packend dargestellt worden. Mit Joel Schumacher ("Nicht auflegen!") als Regisseur und den Darsteller-Zugpferde Nicolas Cage ("The Weather Man", "Das Vermächtnis der Tempelritter") und Nicole Kidman ("Moulin Rouge") kann doch eigentlich nichts schieflaufen...
Trespass
USA - 2011
Veröffentlichung: 28.02.2012
Regie: Joel Schumacher
Darsteller: Nicolas Cage, Nicole Kidman, Ben Mendelsohn, Cam Gigandet, Liana Liberato, Jordana Spiro, Dash Mihok u.a.
"Nochmal"-Faktor: der Film ist zu ambivalent geraten, ein schlechtes Drehbuch retten auch keine bemühten Darsteller und ein arroganter Regisseur
Unsere Wertung: 65 %
FSK: 16
Laufzeit: 87 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch DTS u. Dolby Digital 5.1 / Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9, 2,35:1
Untertitel: Deutsch
Extras:
• Making of
• Interviews
• B-Roll
• Trailershow
• Original-Trailer
An einem Nachmittag fährt der Juwelier Kyle Miller (Nicolas Cage) mit seinem Porschecabrio telefonierend von seinem "Arbeitsausflug" zurück zu seinem Traumhaus, seiner Traumfrau (Nicole Kidman, "Verliebt in eine Hexe", "The Hours", "Der menschliche Makel") und der entsprechenden Tochter (Liana Liberato, "Trust"). Eher albtraumhaft ist das, was wir aus dem Gesprochenen, seiner Mimik und seinen Gesten erfahren. Cage ist zwar der geborene, wortreiche Verkäufer, aber eben auch ein Emporkömmling, der sich in der Zeit bei Immobiliengeschäften verzockt hat und dem nun das Wasser bis zum Hals steht. Aber den schönen Schein wahrt er selbst gegenüber der Familie.
Wer also in den ersten zwei Filmminuten nicht genau hinhört oder hinschaut, wird vielleicht von dem ein oder anderen Twist der Geschichte später überrascht werden, weil der sich im Interview und auf der B-Roll überzogen eitel und selbstsicher gebenden Regieroutinier Joel Schumacher schlampig auf die schlechte Konzentrationsgabe des durchschnittlichen Kinogängers meint verlassen zu können und dem Drehbuch (Karl Cajuseck, lediglich ein paar Episoden für "Dead like me") allzu sehr vertraut, obwohl die folgende Geschichte mehr als häufig verfilmt worden ist.
Also zurück zur Geschichte: Miller kommt zuhause an, wir merken, die Ehe ist erstarrte und angespannte Routine, weil der Worcaholic allzu oft unterwegs ist, die hübsche Teenagertochter lässt sie beide das spüren und flieht lieber unerlaubterweise mit einer älteren Freundin abends auf eine große Party. Kurz danach klingelt es an der Türe. Obwohl die Villa hermetisch abgeriegelt ist, zeigt die Überwachungskamera am Zaun nur die Polizeiuniform von der Brust abwärts (wie glaubhaft ist das denn!) und Kyle lässt die vermeintlichen Freunde und Helfer ins Haus, womit er quasi des Teufels Brut eingeladen hat.
Denn die vier "Einbrecher" haben es auf seine Diamanten abgesehen und halten beide Ehepartner brutal in Schach, damit Miller für sie den Tresor öffnet. Doch dieser weigert sich standhaft, da sie beide nach dem Öffnen ohnehin umbringen würden. So weit, so gut – und auch noch einigermaßen nachvollziehbar. Was machen Gangster im Film normalerweise? Wenn sie nicht irgendeinen High-Tech-Freak rekrutiert haben, der damit seine Drogen- oder Spielsucht finanzieren möchte, greifen sie zu dem klassischen Mittel: Gewalt!
Doch was machen unsere lange Zeit gesichtlos und blassen Möchtegern-Juwelenräuber? Anstatt das Ehepaar zu terrorisieren, enervieren sie das Filmpublikum mit zickigen und lauten Kompetenzstreitereien zwischen dem Anführer (Ben Mendelsohn, "Killer Elite") und seinem Bruder (Cam Gigandet, "Priest"), während einzig der "Dicke" (Dash Mihok, "Kiss Kiss Bang Bang") berechtigt auf die verrinnende Zeit und das damit verbundene Risiko hinweist. Zu allem Übel meint die drogensüchtige Stripperfreundin des Anführers, das es unheimlich toll wäre, die Kleider der Herrin des Hauses anzuprobieren und dummerweise das Töchterlein doch wieder nach Hause zu kommen.
Um dem Ganzen noch den Gipfel auszusetzen, erweist sich die Überwachungsfirma als derart inkompetent, dass sie trotz eines Alarms nicht die Polizei vorbeischickt, obwohl sich jemand Fremdes am Telefon meldet! Zu diesem Zeitpunkt hat man als Zuschauer beinahe mit dem Film abgeschlossen. Die dann einsetzenden Rückblenden lassen vieles zwar in einem etwas schlüssigeren Licht erscheinen, aber auch hier ist vieles von plakativen Effekten und erschreckenden Anschlussfehlern überlagert, die einem die beabsichtigte Hochglanzproduktion ziemlich verleiden. Zwar kommt noch Spannung auf, aber letztlich ist keine der Figuren sympathisch oder glaubhaft.
Was ist aus der coolen Socke Nicolas Cage geworden, der man noch die Emotionen abkaufen konnte? Wie konnte sich Nicole Kidman nur einen einzigen Gesichtsausdrucks ins Gesicht spritzen lassen? Warum glaubt ein Regisseur nur, dass er keinen einzigen Film in den Sand setzen kann, obwohl bereits seine Batman-Filme entsetzlich aufgehübschte Banalitäten waren! Und wieso glaubt jeder Hollywood-Drehbuchautor, dass man ihm jeden Twist abkauft? Die Nebendarsteller mühen sich redlich, dem Starensemble merkt man selbst im Interview seine Verzweiflung über einen schrecklich arroganten Regisseur an und die glasklare Optik des Films hat den Makel, das man überhaupt keine Zeichnung mehr im Schwarz hat.
Fazit:
''Trespass'' ist die Variante eines alten Filmthemas ("Funny Games", "Hostage", "The Strangers", "Kidnapped"), das Schumacher selbst bereits vor Jahren mit "Nicht auflegen!" weitaus besser und spannender auf die Leinwand gebracht hat. Das ständige Klagen aller Beteiligten in den Interviews über die ach so böse Rezession, unter der alle – besonders das Filmgeschäft – zu leiden hätten und man daher auch die Filmfiguren verstehen könne, ist Jammern auf verdammt hohem Niveau und wirkt oberflächlich wie verlogen. Als nächstes Filmprojekt aus Hollywood wünscht man sich da beinahe boshaft einen Film, in dem ein heruntergekommener Filmstar zum Serienkiller an seinen Produzenten und Regisseuren wird... Das Positivste an dem Film ist die schauspielerische Leistung von Newcomerin Liana Liberato und der Umfang der Extras.
(kh)
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