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Science Fiction
Misfits - Staffel 1
geschrieben von DvB am 17. Mar 2012
Superheld sein? Nein, danke!
Vor einigen Jahren kamen die Superhelden ganz groß in der amerikanischen Film- und TV-Landschaft auf. Aber nicht Batman und Co. sind gemeint, sondern eher die unfreiwilligen Helden, Menschen mit einer Gabe, die mehr ein Fluch ist. Ob die TV-Serie "Heroes" oder Filme wie „Scott Pilgrim“, die Macht des Heldentums traf immer Menschen wie Du und ich. In Großbritannien setzten sie noch eins drauf und schufen die Serie „Misfits“. Und hier haben die Protagonisten teilweise überhaupt keinen Bock auf ihre Gabe und reagieren die meiste Zeit politisch höchst unkorrekt.
Misfits - Staffel 1 GB 2009
Veröffentlichung: 24.02.12
Regie: Tom Green & Tom Harper
mit: Iwan Rheon, Robert Sheehan, Lauren Socha, Nathan Stewart-Jarrett, Antonia Thomas u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch, wegen der Komplexität
Unsere Wertung: 89%
FSK: 18
Laufzeit: ca. 270 Minuten
Sprachen und Tonformate: Deutsch Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0, Englisch Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0
Bildformat: 16:9 /1,78:1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras:
Behind the scenes
Simon's Film
The Making of Misfits
Eine erzieherische Strafarbeit ist schon schlimm genug, aber wenn sich dann auch noch ein Gewitter ankündigt, dann hat der englische Jugendliche, der gerade im unsozialen Sinne straffällig geworden ist, gar keine Lust mehr, seine Strafe abzubüßen. Im Falle von „Misfits“ sind das Curtis, Kelly, Alisha, Simon und Nathan. Sie werden vom Blitz getroffen und schon haben sie übernatürliche Kräfte, die sie nach und nach zu ihrem eigenen Erstaunen entdecken. Und damit nicht gerade glücklich sind. Vor allem Alisha ist alles andere als zufrieden, denn jeder Mann, den sie berührt, ist sofort im höchsten Maße sexuell erregt und will die Jugendliche gleich begatten. Sie ist höchst verärgert, denn Männer zu berühren kann sie ab sofort vergessen.
Kelly dagegen hört die Gedanken anderer Menschen – und Tiere. Das Mädchen ist ziemlich verstört darüber. Curtis kann an der Uhr drehen, er hat die Zeit im Griff und kann die Vergangenheit zur Gegenwart machen. Und Simon ist nach dem Blitzschlag in der Lage, sich unsichtbar zu machen. Nur Nathan scheint keine Kraft abbekommen zu haben. Oder er merkt es einfach nicht, was er plötzlich alles kann. Sozialarbeiter Gary wurde übrigens auch vom Blitz getroffen, er ist darauf hin höchst gewalttätig und will alle Jugendlichen töten. Doch die kommen ihm zuvor und bringen ihn zur Strecke. Aber wohin mit der Leiche?
Soweit die Geschehnisse der ersten Folge von Misfits, einer britischen Serie, die die Jugend als perspektivlos, unsozial, schmutzig und gewalttätig darstellt. Vorbilder sind das sicher nicht, was da als Superheld über den Bildschirm flimmert. Liebenswert sind sie auch nicht, dennoch ist die Serie faszinierend. Denn hier wir keine unterschwellige Message rüber gebracht, wie es oft bei US-TV-Produktionen der Fall ist. Hier geht es um Jugendprobleme wie Sexualität, Gruppenzwang, Freundschaft und Alltag. Und dabei wird nichts beschönigt. Die Jugendlichen können sich untereinander nicht leiden, oder sich können sich viel zu gut leiden, so sicher ist das nicht. Die Sprache ist derbe, ein rauer Umgangston herrscht bei den Misfits.
Genauso rau ist die Farbgebung der sechs Folgen der ersten Staffel. Die Atmosphäre ist düster. Zu Anfang stechen nur die orangenen Sträflingsanzüge der Jugendlichen farblich heraus. Das Bild wirkt bei aller Tristheit überbelichtet und grell, das macht das Schauen umso interessanter. Denn jeden Moment erwartet der Zuschauer den Farbflash. Oder zumindest irgendeine andere spannende Bildgebung. Und diese Erwartung wird erfüllt. Sei es durch umherfliegende Jugendliche im schwarzen Raum oder durch urplötzlich dargestellte Heile Welt-Atmosphäre, die dann doch wieder durch irgendetwas aufgebrochen wird.
Auch wenn man nicht Freund der Originalversion ist, so sollte Misfits in englisch geschaut werden. Es können ja die Untertitel eingeschaltet werden. Alle Darsteller sind durchaus gut zu verstehen. Alle, bis auf Lauren Socha als Kelly Bailey. Aber das ist Methode. Denn Kelly soll aus einem Ort in Großbritannien stammen, in dem ein derart genuschelter Slang gesprochen wird, den selbst die anderen Jugendlichen kaum verstehen. In der Synchronisation erinnert der bemühte Slang eher an den Gossen-Neusprech, den junge Menschen in Deutschland fatalerweise immer mehr pflegen. Da werden Worte wie „Alter“ und „Isch“ eingebaut, was irgendwie peinlich klingt.
Extras bietet die erste Staffel von Misfits ebenfalls. Mehr als Standardprogramm ist das aber nicht. Dinge wie Behind the Scenes und Making of wirken immer so, als würden sie nur in die DVD Box gepackt, weil keine anderen Ideen da waren. Da kommt die Mini-Sequenz „Simons Welt“ wenigstens noch etwas originell daher. Dafür ist der Soundtrack wunderbar, wenn man auf Indie- und Alternative Sounds steht.
Fazit
Eine neue Hochglanz-Superheldenserie ist Misfits sicherlich nicht, das will sie auch gar nicht sein. Sie wirkt eher wie "Skins" mit Superkräften. Die Ideen und Skripte der einzelnen Episoden sind sehr originell. Manche Szenen wecken Erinnerungen an Filme wie "28 Days later". Es geht brutal und blutig zu bei den Misfits, auch der Humor ist gewöhnungsbedürftig, weil oft unter der Gürtellinie. Die FSK 18-Einstufung ist sicherlich sinnvoll, wenn auch vielleicht etwas zu fürsorglich gegenüber noch nicht Volljährigen. Und an dieser Stelle fällt dem Autor dieser Rezension auf, dass er noch gar nicht viele Worte der Wertung über die Serie verloren hat. Das soll nun nachgeholt werden: Misfits ist toll, originell, spannend und sehenswert.
(DvB)