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Dokumentation
 Die Entstehung Grosser Kulturen
geschrieben von klaus_h am 11. Apr 2012

Ingenieure des Empire

Umschlag-Cover Auf die deutschsprachige DVD-Umsetzung dieser umfangreichen Reihe des History Channels, die teilweise auf Phoenix und Servus TV zu sehen war, war ich seit letztem Jahr gespannt. Zweimal war der Erscheinungstermin verschoben worden, jetzt ist sie endlich da und sie stellt mich in vielen Dingen zufrieden. Befriedigende 3D-Animationen, Spielszenen und Expertenstatements stellen die technischen Grundlagen großer (Welt)-Reiche in der sechs Silberscheiben umfassenden soliden DVD-Box dar.

Die Entstehung großer Kulturen – Die komplette Serie
USA - 2006
Veröffentlichung: 30.03.12
Regie: Mark Cannon u.a.
Moderator/Experten: Peter Weller, Michael Caroll, Mary Boatwright (Duke University), Giorgi Croci (Univesität Rom), Michael Pedien (New York University), Scott Steedan (Beratender Ingenieur), Scott Schlingen (American Institute for Roman Culture), Carlo Noreña (Yale University), Anna Pasqualini (Tor Vergata Univesity), Kim Harswick (The George Washington University), Jan Gadyen (American University of Rome) u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch
Unsere Wertung: 85 %
FSK: 0
Laufzeit: 705 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Englisch Dolby Digital 2.0
Bildformat: 16:9, 1,78:1
Untertitel: Fehlanzeige
Extras: Fehlanzeige
Diese ursprünglich 14-teilige Reihe geht der Frage nach, wie sich die Kulturleistungen großer Reiche technisch und historisch erklären lassen, wie diese Leistungen mit den damaligen Mitteln möglich waren und welche revolutionären handwerklichen oder wissenschaftlichen Ideen dahintersteckten. Anhand ausgewählter Epochen werden schrittweise die politischen und technischen Grundlagen skizziert, die insgesamt das Bild einer großen Kultur prägten. Computeranimationen, Spielszenen und Expertenstatements vervollständigen das von Peter Weller ("RoboCop", "Buckaroo Banzai", "The Hard Easy") teilweise moderierte Porträt.

Beispiel Ausgewählt hat man uns folgende Epochen: Rom (Disc 1, 90 min), Ägypten (Disc 2, 90 min), Griechenland, Griechenland: Zeitalter Alexanders, Die Azeteken (Disc 3, jeweils 45 min), Karthago, China, Russland (Disc 4, jeweils 45 min), Großbritannien: Imperium aus Blut & Stahl, Die Perser, Die Maya: Untergegangene Zivilisation (Disc 5, jeweils 45 min), Napoleon: Revolution und Stahlkolosse, Die Byzantiner, Da Vincis Welt (Disc 6, jeweils 45 min).

Auch wenn man sicherlich in irgendeiner Form eine Beschränkung finden musste, vermisste ich in der Reihe doch gleich mehrere Hochkulturen: in erster Linie China, dass mit seinen technischen Meisterleistungen Europa zunächst in etlichen Bereichen Jahrhunderte voraus war, aber vor allen Dingen auch das Zweistromland mit den Numerern, Assyrern und Babyloniern und schließlich noch gerade für Südamerika (warum dann beide Hochkulturen Mittelamerikas?) das ingenieurtechnisch hochinteressante Reich der Inka!

Beispiel Aber das stets anglozentrierte Geschichtsbild der US-Amerikaner mag diese Auswahl beeinträchtigt haben. Dies sieht man allein daran, dass alleine drei Episoden sich mit dem Römischen Imperium beschäftigen, mit dem sich die Vereinigten Staaten traditionellen bevorzugt identifizieren. Hier ist der Aufmacher der ingenieurtechnisch interessante Brückenschlag Gaius Julius Caesars 55 v. Chr. über den Rhein als Machdemonstration gegen die Germanen. Doch dann schlägt man das Rad zurück zu den Anfängen Roms, die ohne die Trockenlegung der sumpfigen Niederung, die heute das Forum bilden, mittels der Cloaca Maxima nicht möglich gewesen wäre.

Die Via Appia, die seit 312 v. Chr. Rom mit dem 300 km entfernten Campania verbindet und die Grundlinie für das römische Straßennetz bildete, das mittels des Vermessungsinstruments des Chroma Infra- und Militärstruktur des römischen Weltreichs garantierte, war die nächste Grundlage. Die Herstellung der städtischen Infrastruktur unter Augustus, der hydraulische Kaltmörtel, der Bogen, die Aquädukte seit Claudius, das Tonnengewölbe Kaiser Neros Domos Aurea und das Colosseum unter Vespasian bilden die nächsten Darstellungspunkte. Insgesamt gut umgesetzt und kenntnisreich ohne den erhobenen Zeigefinger manch anderer History Channel-Dokumentationen präsentiert.

Beispiel Schaut man sich die wesentlich kürzeren Dokumentationen zum Beispiel zu den Azeteken oder den Grundlage des Britischen Weltreichs an, so wird man auch dort mit originellen Überraschungen der technischen Art rechnen können, auch wenn man vereinzelt, wie bei dem Bau der Kanalisation Londons, die der Cholera schließlich den Riegel vorsperrte, die erheblichen ingenieurtechnischen und politischen Hindernisse leider erheblich verkürzte. Aber zu diesem Thema gibt es ja auch eine adäquate Dokumentation der BBC.

Fazit:
Eine opulente Reise durch die technischen Grundlagen großer Kulturen, bei der man sich in einigen Fällen einen Umfang wie für Rom oder Ägypten gewünscht hätte. Manchen 3D-Animationen sieht man zwar an, dass man in den vergangenen sechs Jahren deutliche Fortschritte gemacht hat, aber die erläuternde Funktion reicht vollkommen aus. Leider fehlen erneut die Untertitel und ein kleines Booklet mit vergleichender Zeitleiste wäre für die Zielgruppe ebenfalls ein Vorteil gewesen. Dass man allerdings bei Peter Weller stets "Syracruse University" einblendet, ist eine kleine Eitelkeit. Ich selbst führe in meiner Signatur ja auch nicht stets Universität zu Köln und Universität Dortmund an, obwohl ich zwei Abschlüsse besitze... (kh)



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