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Komödie
Gott des Gemetzels - BluRay Edition
geschrieben von maqz am 31. Mai 2012
Elternschlacht im Wohnzimmer
Roman Polanskis Verfilmung des Theaterstücks von Yasmina Reza spielt nicht wie das Ursprungsstück in Paris, sondern in Brooklyn, New York. Doch Polanski verlegte aufgrund eines amerikanischen Haftbefehls gegen ihn die Dreharbeiten nach Paris. Doch nicht nur die Kulissen sind nicht immer das, was sie vorzugeben scheinen, sondern auch die Moralvorstellungen der Protagonisten. Polanskis Sittengemälde der amerikanischen oberen Mittelschicht und ihrer politischen Korrektheit ist dabei unbedingt sehenswert
Gott des Gemetzels (Blu Ray) Frankreich, Deutschland, Polen 2011
Veröffentlichung: 10.05.2012
Regie: Roman Polanski
mit : Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz, John C. Reilly u.a.
Der Titel dieses Film lässt natürlich einiges an schicken Überschriften und Labeln zu: "Gesellschaftliches Schlachtfest", "Weltproblem Blutrachekino" oder einfach nur "Gesellschaftssatire mit Traumbesetzung". Der Hollywoodaspekt (ohne Hollywood) macht diesen Film nochmal interessant. Jodie Foster, Kate Winslet ("Vergiss mein nicht!") und Christopher Walz zeigen ihr schauspielerisches Können und es ist eine Wonne dem beizuwohnen. Ich persönlich hielt und halte wenig vom für mich fehlbesetzten John C. Reilly ("Chicago", "Ricky Bobby", "Mitternachtszirkus"), der jedoch den positiven Gesamteindruck des gesamten "Gemetzel"-Films nicht schmälerte. Doch von Anfang an:
Der Handlungsort: eine bessere Gegend in Brooklyn. Die beteiligten Personen: Die Cowans (Sie: Investementbankerin, Er: Rechtsanwalt für einen Pharmakonzern) gegen die Longstreets (Sie: Buchhändlerin und Co-Autorin eines Buchs über Afrika, Er: Haushaltswarenhändler). Grund für ihr Aufeinandertreffen: Ihre beiden elfjärigen Söhne haben sich geprügelt, bzw. Cowans Sprössling hat dem kleinen Longstreet mit einem Stock Zähne ausgeschlagen. Die Erzeuger kommen zusammen, um den Vorfall wie "vernünftige Menschen" zu klären. Und was wie ein friedliches Gespräch über Gewalt und Verantwortung beginnt, endet... na ja im titelgebenden "Gemetzel", wobei dem noch nicht Besitzer der BluRay oder DVD überlassen bleiben soll, wie schrecklich die Auseinandersetzung sich entwickelt.
So viel sei jedoch jetzt schon verraten: Gebildete ZuschauerInnen anspruchsvoller Tragikomödien kommen dabei voll auf ihre Kosten.
Und wer sich jetzt partout nicht vorstellen kann, wie dieses Stück (dass fast ausschließlich im Wohnzimmer spielt) den Zuschauer rund 70 Minuten lang atemlos vor dem Bildschirm fesselt, der kann und muss sich diese Scheibe wenigstens einmal ausleihen.
Jodie Foster ("Familienfest und andere Schwierigkeiten", "Die Insel der Abenteuer", "Inside Man") als rechthaberischer, penetranter Gutmensch, Kate Winslet als verklemmte Businessfrau, die unter Alkoholeinfluss ihr wahres Gesicht zeigt, John C. Reilly ("Gangs of New York") als hemdsärmeliger Möchtegern-Prolet, der es zu etwas gebracht hat und sich für ehrlicher hält als die Schicht, in der er sich befindet und schließlich Christoph Waltz ("Die Drei Musketiere") als lässiger Advocatus Diaboli, der ohne sein Handy nicht leben kann und bei dessen Verlust zu einem wimmernden Etwas wird. Die fast schon unvermeidliche Wandlung der beiden streitenden Eltern zu Beginn aufgebaute Fassade der gutbürgerlichen Political Correctness hin zu egoistischer, vorturteilsbehafteter Anbetung des "Gott des Gemetzels", löst bei vielen am Ende des Films doch ein (vielleicht gerechtfertigtes) unschmeichelhaftes Selbsturteil aus.
Die BluRay wartet mit guter Bild- und Tonqualität auf, wobei der Mangel an (üblichen) Action-Szenen keinen großen Bedarf an knackigem Surroundsound-Donnern notwendig macht. Die beigelegten Darstellerinterviews tendieren zu den gewöhnlichen Lobhudeleien auf den Regisseur. Wobei ich die von den Darstellern beschriebene Besonderheit bemerkenswert fand, dass der gesamte Text auswendig gelernt wurde und "Der Gott des Gemetzels" auch von ihnen im Theater hätte gespielt werden können. Traurig für die Ausstattungsqualität ist auch die Abwesenheit eines Interviews mit dem Regisseur. Wenn ich mir noch etwas wünschen würde, wäre dies ein Statement der Autorin Yasmina Reza über die Polanskische Variante und als Sahnehäubchen ein Szene aus dem Original-Bühnenstück.
Insgesamt kann man "Der Gott des Gemetzels" als einen gelungenen Polanski-Film ansehen, der ganz ohne Auto-Verfolgungsjagd, Kung-Fu-Einlage oder Roboter-Action die Qualität eines anspruchsvollen Blockbusters erfüllen kann, wenn auch die angesprochene Zuschauerschaft zahlenmäßig doch eher als gering einzuschätzen ist. Schade eigentlich!
Fazit
Ein nachhaltig bös unterhaltsamer Film, der noch lange im Gedächtnis bleibt bzw. zu hämischen Kicheranfällen führen kann. (mg)
Der Gott des Gemetzels kann man auch bei amazon.de kaufen? Einfach nur auf den Link klicken! Die Filmmusik gibt's übrigens von Alexandre+Desplat, nur nicht hier! Beitrag per E-Mail versenden druckerfreundliche Ansicht