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Drama
Ein Monster in Paris
geschrieben von klaus_h am 11. Jun 2012
Belle Epoque-Animation
Luc Besson ("Das fünfte Element") hat nach einer vielversprechenden Karriere als Regisseur es vorgezogen uns als Produzent fast ebenso interessante Filmperlen ("Die purpurne Flüsse", "Michel Vaillant") vorzulegen. Nachdem er sich bereits mit "Arthur und die Minimoys" im Trickgenre versucht hat, experimentiert hier mit Bibo Bergeron der Regisseur von "Große Haie - Kleine Fische" (der "Findet Nemo"-Klon) im 3D-Animationsbereich. Es wird auf alle Fälle bunt und turbulent.
Ein Monster in Paris
F - 2011
Veröffentlichung: 30.04.12
Regie: Bibo Bergeron
Sprecher/Sänger: Vanessa Paradis, Sean Lennon, Danny Huston, Adam Goldberg, Jay Harrington, Bob Balaban, Madeline Zima u.a.
"Nochmal"-Faktor: für Junggebliebene stets
Unsere Wertung: 80 %
FSK: 0
Laufzeit: 86 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9, 1,85:1
Untertitel: Deutsch lediglich bei den englischen Gesangstiteln
Extras: leider komplett ohne Untertitel, ergo französische Sprachfassung
• Drei Featurettes zu den Lieder, der Regie und der Komposition:
• Teaser
• Original-Trailer
Paris im Zeitalter der Belle Epoque um 1910. Die Seine ist über die Ufer getreten, die Behörden versprechen Besserung, die nicht eintritt. Der schüchterne Filmvorführer Emile hilft seinem Freund, dem etwas durchgeknallten Erfinder Raoul (Goldberg), der mit seinem Automobil Christine (!), das mit allerlei "Gadgets" (!) ausgerüstet ist, einen Lieferservice betreibt. Bei der Auslieferung in das Gewächshaus eines genialen Erfinders experimtiert Raoul entgegen aller Vernunft mit zwei Elixieren des Meisters herum, wodurch ein kleiner Floh des Affenfaktotums Carl (eine suberbe Erfindung!) zu einem 2,50 m großen Monstrum mit herrlich schöner Stimme gerät.
Der Floh flieht in 50 m Sprüngen und hält bald ganz Paris in Atem, das die eigentliche Bedrohung durch die Fluten vergisst. Der abgedrehte Polizeichef Maynott (Huston), der sich schon als der zukünftige Bürgermeister sieht, erblickt darin eine Chance zum heldenhaften Retter zu werden. Währenddessen findet der harmlose Floh Unterschlupf bei der schönen Varieté-Sängerin Lucille, der heimlichen Liebe Raouls, die die gesanglichen Stärken des Flohs erkennt, ihn samt Gitarre, Phantommaske und Schlapphut zu ihrem Meisterbegleiter kührt und das Publikum begeistert.
Doch sowohl Emilie und Raoul als auch der Polizeichef kommen den beiden dank seines akribischen Assistenten Pathé auf die Spur. Während die drei Guten in dem hektischen Verfolgungsspiel den Floh retten wollen, setzt Maynott alles auf eine Karte, um der nächste Bürgermeister zu werden. Und wieder erleben wir eine Verfolgungsjagd über den Dächern von Paris, erneut ein Luftschiff und selbstverständlich sind der Sacre Couer, Montmatre und der Eiffelturm in tragenden Rollen dabei...
"Ein Monster in Paris" hat liebevoll gezeichnete Akteure, eine charmante Grundidee und anständig visualisierte Hintergründe, die nur in wenigen Szenen zu glatt wirken. Insgesamt besitzt der Film eine sympathisch eigenständige Farbgebung, die sich mehr am klassischen europäischen Comic orientiert, wie auch die meisten Figuren durchaus von Franquin stammen könnten. Neben all dem französischen Flair schmeckt jedoch eine Sache merkwürdig amerikanisch. Das liegt noch nicht einmal daran, dass man uns hier die französische Originalfassung unterschlägt, die bei den Gesangsstücken klar besser ankommt.
Dies stellt man jedoch nur bei den Featurettes fest, die dummerweise ohne Untertitel vorliegen. Im Englischen ist das noch erträglich, aber wir Deutsche kranken nun einmal an unserern Französischsprachkenntnissen... Was Besson geritten hat, uns ausgerechnet franko-amerikanische Cajunklänge mit dem jaulenden Countertenor Sean Lennons vorzusetzen, lässt sich womöglich nur mit dem US-Markt erklären. Und gerade hier verliert der Film an Charme, will er doch auch musikalisch überzeugen.
Dabei bietet der Film eine Fülle von Filmzitaten und skurrilen Figuren, die allesamt Spaß machen: erklingt jedoch wieder das hohe Jaulen Lennons oder muss ich mir zum drölften Mal das allmählich enervierenden "La Seine" anhören, verliert der Film leider seinen Reiz.
Fazit:
Schöne, originelle Animation mit leider enervierender Filmmusik. Dabei habe ich nichts gegen Cajun-Musik. Sie passt nur nicht ins Paris von 1910.
(kh)
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