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Drama
 Ausweitung der Kampfzone
geschrieben von phlip am 20. Jul 2004

Bitteres über einen Langweiler

CoverGut, dass gerade Juli ist und nicht November. Sonst hätte ich diese Kritik nicht mehr schreiben können, da ich mich nach dem Betrachten der DVD wegen Depressionen hätte einliefern lassen müssen. Klar, es gibt Auswüchse von Kapitalismus und Sexindustrie, die wirklich beklagenswert sind. Klar schauen wir normalerweise immer nur auf die Gewinner und ignorieren die Loser. Aber warum muss ich darüber einen langweiligen Film machen?

Ausweitung der Kampfzone
Frankreich 2000
Veröffentlichung: 20.7.2004
Regie: Philippe Harel
mit: Philippe Harel, Jose Garcia u.a.
"Nochmal"-Faktor: niedrig
Unsere Wertung: 20%
Leser Wertung:
FSK: ab 16
Laufzeit: ca. 115 Min.
Sprachen und Tonformate: Deutsch Dolby Digital 2.0 stereo, Französisch Dolby Digital 2.0 stereo und 5.1
Bildformat: 1,85:1 (16:9 anamorph) mit guter Qualität
Untertitel: deutsch
Extras: Audiokommentar des Regisseurs und des Autors, Trailer, alternative Cover
Die eigentliche Handlung des Films ist äußerst mager und beschränkt sich auf banale Ereignisse im banalen Alltag eines namenlosen "Helden" (gespielt vom Regisseur Philippe Harel selbst). Er ist ein langweiliger und gelangweilter Typ, irgendwie saftlos, raucht ständig. (Eigentlich hätte ich gleich merken können, dass der Film nichts ist, denn Leute, die ihre Zigarette zwischen dem 3. und 4. Finger halten, waren mit schon immer suspekt.) Mal hockt der Held im Büro und nörgelt innerlich über seinen Kollegen herum, mal quält er sich zuhause aus dem Ausklappbett oder wurschtelt in seiner versifften Küche rum. Echt spannend. Je connais la vie, ich kenne das Leben, behauptet er. Ist ja alles so langweilig hier.

Irgendwann wird er von seiner Firma - irgendwas mit IT-Weiterbildung - auf Geschäftsreise geschickt, in Begleitung seines Kollegen Raphael Tisserand (Jose Garcia, der mit seiner schauspielerischen Leistung dem Film zu seinen 20% verhilft). Wenn der Held schon ein Loser ist, dann ist Tisserand der Mega-Loser. Ständig glotzt er Frauen hinterher oder versucht gleich, sie anzumachen. Und mit absoluter Regelmäßigkeit scheitert er daran. Peinlich und bemitleidenswert. Der Held bei seiner LieblingsbeschäftigungIrgendwann wird der Held und damit der Film dann unerträglich bitter gegenüber dem unglücklichen Tisserand. Das geht natürlich nicht gut aus. Wirklich nichts für Feinfühlige und Depressive. Und nichts für November.

Das Ganze ist die Verfilmung des gleichnamigen Buches von Michel Houellebecq, der zusammen mit Regisseur Harel auch das Drehbuch des Films zu verantworten hat. Die Adaption ist gründlich misslungen. Die seitenlangen philosophischen Exkurse sind auf nervige, weil ständig plappernde Off-Kommentare des Helden oder eines Erzählers geschrumpft. Ein wirklich fauler Kompromiss, denn die Geschliffenheit der Argumentation im Buch geht verloren, der Film wird aber zugequatscht mit einer Dosis Schopenhauer und der "Logik des Supermarktes". Schuster, bleib bei deinen Leisten, kann man Houellebecq für die Zukunft nur raten.

Er sieht das Leben grundsätzlich als einen Kampf an. Wirtschaftsliberalismus und sexueller Liberalismus sind für ihn das Gleiche. Beide haben lediglich für die Ausweitung der Kampfzone gesorgt. Die Verlierer des Kampfes wie Tisserand und der Held vegetieren vereinsamt vor sich hin. Eigentlich wirklich keine uninteressante Analyse, nur hat das Depressive der Situation offensichtlich auch auf die Menschen hinter der Kamera Einfluss ausgeübt, die einen echt langweiligen Loser-Film produziert haben.

Tisserand im Saturday Night FeverDie wenigen humorvollen Momente im Film beschränken sich auf Szenen, in denen sich der Held seine verzopfte Kollegin Catherine sexy vorstellt, oder Tisserands ulkige Tanzeinlagen in der Disco an Heiligabend. Zu wenig, um wie der Filmvertrieb von einer "schwarzhumorigen Gesellschaftssatire" zu sprechen.

Die Extras sind äußerst mager. Für absolute Fans ist es vielleicht noch interessant, dem etwas gelangweilten Smalltalk von Harel und Houellebecq mit dem Ex-Werbefuzzi und ebenfalls erfolgreichen Buchautor Frederic Beigbeder zuzuhören. Nur schade, dass die deutschen Untertitel dazu alles andere als vollständig sind. Und ansonsten gibt es nur einen französischen Trailer und 4 alternative Cover. Bild- und Tonqualität sind o.k., aber auch nichts, was mich vom Hocker reißen könnte.

Alles in allem wirklich nur etwas für eingefleischte Fans verfilmter französischer Literatur oder schwer depressiver Filme. Die anderen lesen lieber das Buch, das ist wenigstens sprachlich aufregend. (pk)

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