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Thriller
 House of Cards Die komplette erste Mini-Serie
geschrieben von klaus_h am 31. Mar 2014

Ein Kartenhaus

Umschlag-Cover In den 80er Jahren lehrte dem deutschsprachigen Publikum die ARD-Vorabendserie "Yes, Minister!" die Besonderheiten der schwarzhumorigen britischen Polit-Comedy zu schtzen. Als indirekter Ableger darf dann die wesentlich bittere wie brilliantere Miniserie "Das Kartenhaus" von 1990 gelten, in der Francis Urquhart (Ian Richardson, "Dark City") als Fraktionsfhrer der Konservativen ein absolut humoriges Intrigenspiel inszeniert, da er sich bei der Postenvergabe bergangen fhlt. Da nun von den identischen Drehbuchautoren betreut rund 24 Jahre spter Kevin Spacey ("Beyond the Sea") mit dem Remake allenthalben Erfolg feiert, ist es zu recht an der Zeit das Original wieder auf DVD und Blu-ray herauszubringen!

House of Cards Teil 1
UK - 1990
Veröffentlichung: 25.03.14
Regie: Paul Seed
Darsteller: Ian Richardson, Susannah Harker, David Lyon, Miles Anderson, Alphonsia Emmanuel, Diane Fletcher, Colin Jeavons, Damien Thomas, James Villiers, Nicholas Selby, Malcolm Tierney u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch
Unsere Wertung: 91 %
FSK: 12
Laufzeit: 224 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch Dolby Digital 2.0 / Englisch Dolby Digital 2.0
Bildformat: 4:3
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: • Audiokommentar
• Original-Trailer
• Trailer
Die mit dem Primetime Emmy und dem BAFTA preisgekrnte BBC-Produktion verfilmte 1990 die gleichnamigen Bestseller von Michael Dobbs, der selbst im Stab von Margret Thatcher gearbeitet hat. Die Mini-Serien dienten zudem als Vorbild fr die aktuelle US-Version von "House of Cards". Der erfahrene Co-Autor Andrew Davies ("Bridget Jones", "Die drei Musketiere") ist auch dort am Werke, was sich zum Teil in der 1:1 bernahme der Dialoge und Konstellationen ausdrckt. Also dann doch lieber der Griff zum Original, solange die US-Serie, die ebenfalls ihre Qualitten hat, noch nicht auf Datentrger verfgbar ist.

Ian Richardson als Francis Urquhart Jede groe Regierung geht einmal zuende, erzhlt uns Francis Urquhart (Ian Richardson, "Hogfather") und verweist auf ein Foto von Margaret Thatcher, die - wie die Geste suggeriert - abgedankt hat. Nun mssen die Konservativen als Regierungspartei einen neuen Premierminister auswhlen. Direkt an den Zuschauer gewandt, den der damit geschickt zu seinem Mitwisser macht, zhlt Urquhart die mglichen Kandidaten, ihre Strken und Schwchen auf: der alternde Parteichef Lord Billsborough (Nicholas Selby, "King George - Ein Knigreich fr mehr Verstand"), der jedoch aufgrund der Vielzahl seiner kleinen Parteispendenskandale kaum mehr in Frage kommt. Der gutaussehende, aalglatte jdische Emporkmmling Michael Samuels (Damien Thomas, "Shogun"), der ihm etwas zu schlau daherkommt.

Der schroffe Spitzenpolitiker Patrick Woolton (Malcolm Tierney, "Braveheart"), der beim Publikum nicht ankommt und zu guter Letzt der bei den Whlern allseits beliebte, aber nicht sonderlich begabte Henry Collingridge (David Lyon, "Inspector Lynley"), den er fr den wahrscheinlichsten Kandidaten hlt. Auf die vermeintliche Frage, ob er sich selbst nicht fr die beste Wahl hlt, wiegelt der intelligente Mann aus der Upperclass scheinbar amsiert ab: Er doch nicht, schlielich sei er seit ber 20 Jahren, der Chief Whip (zu Deutsch: "Einpeitscher"), der Fraktionsfhrer der Konservativen, ein verlsslicher Parteisoldat, der hchstens hinter den Kulissen diene.

Das Kabinett Aber sein Machtanspruch bleibt unausgesprochen deutlich, zu sehr zeigt er dem Zuschauer seine berlegene Intelligenz im Stil eines Machiavelli, Richelieus, Talleyrands oder hnlichen Politikern, die lieber als graue Eminenz die eigentliche Macht in Hnden hielten. Denn nach all den Jahren treuer und verlsslicher Arbeit mit den Abgeordneten erwartet Francis nach einer Bemerkung Collingridges ber die zuknftige Zusammensetzung des Kabinetts nach der bevorstehenden Neuwahl insgeheim den Innenministerposten als Belohnung.

Doch nach der knapp gewonnenen Besttigung erwartet ihn eine bse berraschung. Auf Betreiben Lord Billsboroughs lehnt Collingridge die ihm zu radikal erscheinende Umbesetzungsliste im Kabinett als Zeichen der Schwche" und Erinnerung an MacMillians Nacht der langen Messer ebenso schroff ab, wie Francis' Hoffnungen auf einen Ministerposten. Als Fraktionschef wre er viel wichtiger und effizienter fr die Partei, aber vielleicht knnte man ihn ja in einer zweiten Amtsperiode mit einem Ministeramt entlohnen.

Susannah Harker als Mattie Storin Dem sonst stets extrem kontrolliert erscheinenden Urquhart entgleisen fast die Gesichtszge, aber vermeintlich schluckt er die bittere Pille. Angestachelt von seiner ehrgeizigen Frau Elizabeth (Diane Fletcher, "A.I. - Knstliche Intelligenz"), die in ihm den besten Mann fr den Posten sieht, spinnt er von nun an sein Netz der Intrigen, um Collingridge zu diskreditieren und womglich selbst an die Macht zu kommen. Als erstes spannt er dafr die junge, intelligente Journalistin Mattie Storin (Susannah Harker, "Intimacy", "Inspector Barnaby - Volume 17, "Morden ist auch eine Kunst" (The black Book) # 68 (2008)"), die zwar fr den konservativen "Chronicle" arbeitet, aber mit Insiderinformationen ihre Karriere vorantreiben mchte.

Diese Informationen verpackt er stets derart ambivalent, dass er sie zu Spekulationen zwingt, ohne etwas Konkretes auszusagen: Sie drfen denken, was sie wollen. Aber ich werde es nicht kommentieren!, uert Francis dazu stets ironisch lchelnd. Fortan wird der Premierminister stets mit unangenehmen Vorabinformationen aus der eigentlich regierungsnahen Presse konfrontiert. Auch geht Urquhart so weit, aufstrebende Oppositionspolitiker mit unangenehmen Fragen fr den Minister in Parlamentsdebatten zu bestcken, Zwietracht zwischen dem Parteivorsitzenden und dem Premierminister zu streuen, da Ersterer angeblich bereits Samuels als Nachfolger aufzubauen und sogar einen groen Parteispendenskandal anzuzetteln, dem er dem Bruder des Premiers, dem trunkschtiger Ex-Minister Charles Collingridge (James Villiers, "King Ralph", "Fr Knig und Vaterland") anhngt.

Im Parlament So versichert er sich der Dienste strauchelnder Abgeordneter oder des kokainschtigen Pressereferenten Pressereferent Roger O'Neill (Miles Anderson, "Doctors") und dessen attraktiver, farbigen Assistentin "Tits & Teeth" Penny Guy (Alphonsia Emmanuel), um seine Intrigen voranzutreiben. Alsbald zeigt der Premierminister Nerven und fr manche der Beteiligten wird es ein bses Ende nehmen ... "House of Cards" glnzt durch die hohe Gte der Darstellerleistungen und der spitzfindigen Dialoge. In einer kleinen Nebenrolle als trkischer Bankier entdeckt man sogar den heute bekannten Nadim Sawalha, "Captain Abu Raed", "The Hour").

Fr eine Serie, die fast 25 Jahre auf dem Buckel hat, ist sie von der Aufmachung sehr modern und sogar sehr straff inszeniert. Dass die US-Version beim Inszenierungsstil extrem abkupfert, aber letztendlich langsamer im Tempo ist, sagt sehr viel ber die unterschiedliche Gewichtung aus. Laut Angaben des Vertriebs Pandastorm wurde die DVD remastered. Einzelne Kompressionsartefakte (s. 8:53 Eps #1) sind gerade noch im ertrglichen Ma in hoher Auflsung sichtbar, aber nun einmal ein Tribut an der Zeit. Da sind andere Serien deutlicher schlechter in der Prsentation. Die Synchronisation ist annehmbar, aber nicht berzeugend, zumal der deutsche Ton ein hrbares Rauschen beinhaltet.

Fazit:
"House of Cards" ist ein moderner Klassiker der hochwertigen Polit-Satire und Politthrillers mit hochkartigen Darstellern, einem Ian Richardson mit der Rolle seines Lebens, und wunderbar doppelbdigen Dialogen, die man sich besser im Original anhren sollte, um den ganzen Witz zu erfassen. Auch als straffe Mini-Serie ein Meilenstein, der in jede bessere DVD-Sammlung gehrt. Fr die Fans der US-Serie, die das Original nicht kennen, ist der Vergleich lohnend, da man dann die Unterschiede im Zeitgeist herauslesen kann. Folgerichtig dreht man drei Jahre spter die Fortsetzung "House of Cards Um Kopf und Krone". Heutige Serien oder Filme wie "State of Play", "The Hour", "King's Game" oder "Ides of March" wren ohne diese TV-Pionierleistung heute kaum denkbar ... (kh)

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