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Drama
Eureka
geschrieben von phlip am 05. Aug 2004
Fleisch oder Gold
Gold finden, richtig viel Gold. Und dann der reichste Mann der Welt sein. Das wäre was, oder? Davon träumen wir doch alle. Dann kaufen wir uns eine eigene Insel in der Karibik. Und eine treusorgende Ehefrau
und eine hübsche Tochter haben wir natürlich auch. Zu dumm nur, dass die hübsche Tochter diesen Franzosen, diesen Charmeur aus Fleisch und Blut liebt.
Was mache ich da nur mit all meinem Gold?
Sprachen und Tonformate: Deutsch und Englisch Stereo
Bildformat: 1,85:1 (16:9 anamorph) mit
guter Qualität
Untertitel: Englisch für Hörgeschädigte, Niederländisch, Schwedisch, Finnisch, Rumänisch
Extras: keine
Um Gold geht es hier, um viel Gold, und um Jack McCann (Gene Hackman, seit French Connection einer der größten). Wer kann, der kann, und Jack kann sich quälen und allein in der Schneewüste
nach dem Edelmetall suchen. Der Film beginnt mit einem Kampf zwischen zwei Männern, fast auf Leben und Tod. Eine Frau wirft sich verzweifelt zwischen die Fighter. Jack geht allein seinen Weg weiter, er habe noch nie einem Mann irgendetwas gestohlen.
Er kommt in eine verfallene Goldgräberstadt. Vor dem Claims Office jagt sich gerade ein Verzweifelter eine Kugel durch den Kopf. Irgendwie unwirklich wirkt das alles. Bald ist Jack wieder draußen im Schnee, selber halb erfroren. Die Wölfe sammeln sich um ihn, werden aber durch ein wundersam auftretendes Feuer vertrieben.
Jack kommt zum Haus von Frieda (Helena Kallianiotes), einer schwarzhaarigen Hellseherin, die gerade mitten im Schnee eine ausgelassene Party gibt. Es ist Mitternacht. "Das ist Johnny. Er ist heimgekommen." sagen sie über Jack. Der hatte wohl mal was mit Frieda, sie spricht über vergangene Liebe, Sex. Er jedoch hält es nicht lange aus, geht wieder allein raus in die Weite, stürzt durch eine Gletscherspalte in eine Höhle. Jack hackt in den Berg, Frieda spürt es, die Goldader platzt, alles wird überflutet, doch
Jack überlebt, von Gold bedeckt. Eureka! Bei Frieda ist die Party vorbei. Sie stirbt. Jack jedoch ist jetzt der reichste Mann der Welt.
Er hat diese ganze Vorgeschichte seiner Tochter Tracy (Theresa Russell: "Bad Timing", "Kafka", "Wild Things", Ehefrau von Regisseur Nicolas Roeg, eine der aufregendsten Frauen der Menschheitsgeschichte in einer Ihrer besten Rollen) erzählt. Die ist verliebt in den Franzosen Claude Maillot Van Horn (Rutger Hauer, Türkische Früchte, Blade Runner, Hitcher, der Highway Killer usw.) mit seinem Segelboot. Der zweite Weltkrieg tobt weit entfernt. Jack jedoch hat Probleme mit Mr. Mayakowski (DER Scorsese-Italiener Joe Pesci, Raging Bull, Once Upon a Time in America, Goodfellas) aus Miami, der seine karibische Insel Luna Bay inklusive seines Landsitzes Eureka unbedingt kaufen will, um darauf ein Kasino zu errichten. Mayakowski zählt unter anderem Aurelio D'Amato (Mickey Rourke, den kennt jeder) zu seinen schleimigen Gehilfen, und er hat noch viel mit Jack vor. Jack glaubt an nichts außer sich selbst. Das wird sein Schicksal - und das seiner Familie.
Der Film wird bereichert durch eine ungewöhnliche, ja verrückte Bildsprache. Bilder der Exstase warten auf den Betrachter, außergewöhnliche Cuts: Jack verbrennt sich die Finger an einer Kerze, doch nicht er schreit auf, nein, Tracy stöhnt beim Liebesspiel mit Claude. Und Rosebud lässt grüßen.
Regisseur Roeg hat wie bei ihm üblich den Film mit Anspielungen auf die Filmgeschichte vollgepackt, passend zum Thema besonders viel Cititzen Kane, am Ende aber auch Casablanca. Nicht zuletzt ist der Film ein absolutes actor's movie: Hackman, Hauer, Russell und Rourke sind in Hochform. Es geht um die zwei, drei Gegensätze, die unsere menschliche Existenz für gewöhnlich dominieren: Leben oder Sterben, Emotion oder Ratio, Leidenschaft oder Geld, Karibik oder Alaska, Fleisch oder Gold (Tee oder Kaffee? - aks). Ein Moment des Triumphes war für Jack gefolgt von Jahrzehnten der Verzweiflung. Die Ewigkeit ist wie eine Schneewüste in der Nacht.
Dass die DVD nicht noch besser abschneidet, verhindert zunächst mal das Drehbuch, das zwar zu bemerkenswert dramatisch getexteten Monologen fähig ist, an vielen Stellen aber doch zu wirr und willkürlich daher kommt. Und zum anderen gibt es null Extras, wobei das vielleicht auch an meiner Vorversion gelegen haben mag. Zusammen genommen ist Eureka auch nach 20 Jahren immer noch ein sehenswerter Film mit aufregenden Schauspielern und einer abgedrehten Bildsprache, der eine ordentliche Edition auf DVD verdient hätte. (pk)
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