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Western
The Missing
geschrieben von stephan am 07. Aug 2004
Exzellenter Western
Einige der Kritiken, die zum Kinostart von "The Missing" erschienen, erweckten den Eindruck, dass es sich bei diesem Film um einen Grusel-Western mit Schockeffekten handeln würde. Dementsprechend wurde der eine oder andere Zuschauer, der Horrorfilme nicht leiden kann, vom Kinobesuch abgehalten. Ein grober Fehler! Denn erstens ist der Film zwar spannend, aber nicht gruselig und zweitens ist er verdammt gut.
The Missing USA 2003
Veröffentlichung: 10.08.2004
Regie: Ron Howard
mit: Cate Blanchet, Tommy Lee Jones, Aaron Eckhart, Rachel Evans Wood, Jenny Boyd, Eric Schweig, Val Kilmer u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch - toller Film
Unsere Wertung: 90%
FSK: ab 12
Laufzeit: ca. 131 Min.
Sprachen und Tonformate: Deutsch, Englisch & Polnisch (Dolby Digital 5.1)
Extras:
Entfallene Szenen
Outtakes
Alternatives Filmende (2 Versionen)
Ron Howard erzählt von ...
Ron Howards frühe Werke
Fotogalerie
Grund für diese etwas entstellenden Rezensionen ist wohl, dass der Bösewicht in diesem Western ein fieser indianischer Hexer ist. Deshalb findet man das eine oder andere übersinnliche Element in "The Missing", aber das macht noch keinen Horror aus. Sicher, es ist ungewöhnlich, so etwas in einem Western unterzubringen, aber wenn man sich darauf einlässt, funktioniert es sehr gut.
Zur Geschichte: Maggie Gilkeson (Cate Blanchett: "The Good German", "Die Journalistin") betreibt eine Farm in New Mexico. Es ist Winter 1885 und Maggie schlägt sich mit ihren zwei Töchtern Lily (Wood: "Down in the Valley", "King of California") und Dot mehr schlecht als recht durch. Dann passieren zwei Dinge rasch hintereinander. Zuerst taucht Maggies Vater (Tommy Lee Jones: "Three Burials", "No Country for Old Men", "In the Electric Mist") auf, der die Familie vor langer Zeit verlassen hatte um bei den Indianern zu leben. Doch Maggie hat ihm nie verziehen und schmeißt ihn wieder raus.
Kurz darauf wird Lily von dem schon erwähnten Schamanen und seiner Bande entführt. Doch niemand kann und will der verzweifelten Mutter bei der Jagd nach dem Täter helfen. Also wendet sie sich widerstrebend an ihren Vater und schließlich machen sich die beiden zusammen mit Tochter Dot auf die Jagd. Und die Zeit drängt, da Lily zusammen mit einigen anderen entführten Mädchen in Mexiko verkauft werden sollen.
Während der Verfolgung haben Maggie und ihr Vater Zeit, sich um die Aufarbeitung ihrer Familiengeschichte zu kümmern, doch die Annäherung passiert nur sehr langsam und zögerlich. Ob und wie sich die beiden am Ende wieder zusammenfinden, mag ich hier nicht verraten, aber ich fand das Ende sehr passend und schlüssig. Die beiden alternativen Enden, die in den Extras angeboten werden, haben beide interessante Elemente, aber der tatsächliche Schluss ist der beste.
Doch bis zum Schluss müssen noch einige schwierige Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Man findet noch ein paar Verbündete und langsam aber sicher nähern sich die Verfolger den Kidnappern. Dabei bleibt es ziemlich spannend und alles andere als langweilig.
Regisseur Ron Howard hat schon eine ganze Menge erfolgreicher Filme gedreht. Zu seinen Werken gehören Filme wie "Apollo 13", "A Beautiful Mind", "Kopfgeld", "Splash", "Cocoon", "Willow" und "Backdraft". Mit "The Missing" hat er wieder einen hervorragenden Film abgeliefert, der von vorne bis hinter zu überzeugen kann. Das liegt natürlich nicht nur an seinem Können, sondern auch an den sehr guten Schauspielern. Tommy Lee Jones ist gut wie immer, den konnte ich schon immer gut leiden und auch Cate Blanchett, vielen bekannt als die Oberelfin aus "Der Herr der Ringe", kann hier überzeugen. Von den weiteren Darstellern hat mir besonders Jenny Boyd als Dot gefallen.
Dazu kommen toll fotografierte Landschaften, ein zurückhaltender Soundtrack und ein gutes Drehbuch.
Bei den Extras findet sich diesmal etwas, das ein Highlight für viele zu scheint (wenn man anderen Rezensionen glauben darf): drei alte Super8-Filme, die Ron Howard in seiner Jugend mal verbrochen hat. Für Filmhistoriker mag das vielleicht ganz interessant sein, mich hat's gelangweilt.
Interessanter ist, was Ron Howard darüber zu sagen hat (5:52). Auch seine Kommentare über den Schneideraum (2:15), seine Liebe zu Western (1:50), Western-Konventionen (2:55)und über das Filmemachen im Allgemeinen (2:20) sind recht aufschlussreich. Einziger "Nachteil": Die Interviewausschnitte sind insgesamt leider ein wenig kurz geraten.
Aber das macht mir nichts, da ich sowieso nicht zu denen gehöre, die stundenlange Extras haben wollen, und ich mir eine DVD wegen des Films anschaffe, bin ich mit "The Missing" gut bedient. Ein sehr guter Western, den ich mir immer wieder anschauen kann. (svl)