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Drama
21 Gramm
geschrieben von phlip am 22. Sep 2004
Tod, Schuld, Liebe
21 Gramm soll sie wiegen, unsere Seele. Jedenfalls sagt "man", dass dies das Gewicht ist, das wir im Moment unseres Todes verlieren. Der Film vom Regisseur mit dem schönen Namen Alejandro González Iñárritu beschäftigt sich mit dem Sterben, mit Schuld, aber auch mit Liebe, Rache und Religiosität. Ein ungewöhnlicher Film über die Grundsatzfragen unserer Existenz.
21 Gramm
USA 2003
Veröffentlichung: 16.9.2004
Regie: Alejandro González Iñárritu
mit: Sean Penn, Benicio del Toro, Naomi Watts u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch
Unsere Wertung: 90%
FSK: ab 12
Laufzeit: ca. 120 Min.
Sprachen und Tonformate: Deutsch und Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 1,85:1 (16:9 anamorph) mit sehr guter Qualität
Untertitel: Deutsch und Englisch für Hörgeschädigte
Extras: Making of (nur englisch), Darsteller-Infos
Ganz ruhig geht es los, Paul (Sean Penn, Mystic River, Dead Man Walking) sitzt auf einem Bett und raucht, schaut auf die schlafende Cris (Naomi Watts, "The International"). Schnitt. Cris erzählt, wie es ist, fast zu sterben. Schnitt. Jack (Benicio del Toro aus Snatch, Traffic) versucht sich als religiöser Bewährungshelfer, wird aber viel zu schnell aggressiv, wenn etwas nicht nach seiner Vorstellung läuft. Schnitt. Was verbindet diese drei?
Wieso liegt Paul in der nächsten Szene im Krankenhaus, mit Schläuchen im Mund und Nadeln im Arm? Warum schnupft Cris Kokain, wo sie doch gerade noch vom Sterben
berichtet hat?
Ein bisschen depressiv macht einen die Story manchmal, aber Regisseur Iñárritu, der mit seinem bemerkenswerten Erstlingswerk Amores Perros im Jahr 2000 gleich die Tür nach Hollywood aufstoßen konnte, webt so geschickt ein immer dichteres Netz an Informationen, dass man hineingesogen wird in die Geschichte, mit leidet, mit liebt und an so etwas wie Langeweile gar keinen Gedanken verschwendet. Wir erfahren über Jack, dass er selbst schon im Knast gesessen hat, dass er als Golf-Caddie wegen eines Tattoos am Hals entlassen wurde, und dass er seine neu gefundene Ultra-Religiosität auch mal an seinem Sohn auslässt. Paul raucht, obwohl es ihn umbringt, er hat nur noch einen Monat zu leben. Seine Frau will vorher noch eine Samenprobe von ihm, damit etwas von ihm weiterlebt. Doch dann schaut er sich im Krankenhaus sein eigenes Herz an und sieht wieder frischer aus.
Cris erfährt, dass ihr Mann und ihre beiden Kinder einen Autounfall hatten. Jack hat etwas damit zu tun. Er kommt auf seine eigene Geburtstagsparty und gesteht seiner Frau, dass er gerade einen Mann und zwei Mädchen überfahren hat. Von Cris wird die Zustimmung zu einer Transplantation des Herzens ihres Mannes gewünscht. Und dann plötzlich eine Szene: Paul liegt blutend und halbtot am Boden, Cris schreit Jack an, im Original "Call the PIIIEP ambulance!" Was ist passiert? Irgendwie haben diese drei ein gemeinsames Schicksal.
Auf Dauer geht der Film wirklich an die Substanz. Aber es lohnt sich. Viel zu selten wird über die Ereignisse, die unser Leben am meisten prägen, in einem Film so nachgedacht, dass sich das Ansehen und Mitfühlen lohnt. Keine flache Gefühlsduselei, sondern erfahren, was Schuld, Sterben, Liebe bedeuten kann. Auch für Philosophiestudenten durchaus akzeptabel.
Iñárritu erzählt in wilden Zeitsprüngen, die wir erst mühsam, später immer leichter zusammensetzen müssen. Mit dem zunehmenden Verständnis der dramatischen Ereignisse findet der Film dann zu einem ruhigeren Rhythmus, bevor er schließlich zum Gänsehaut-Finale ansetzt.
Ohne seine Schauspieler wäre der Film allerdings nur die Hälfte wert. Ich gebe es ja zu, mit Penn, Watts und del Toro ist das eine Versammlung von Akteuren, die alle drei schon vorher zu meinen absoluten Lieblingen gehört haben. Da bleibt mir nur noch zu sagen, dass sie sich alle in diesem Film wieder einmal selbst übertreffen und in Summe das Beste abliefern, was ich von Schauspielern dieses Jahr gesehen habe.
Die Extras sind leider super mager ausgefallen. Das Making of (18 Min.) ist zwar interessant, aber nur auf Englisch. Und ansonsten gibt es außer ein paar Texttafeln zu den Schauspielern nichts. Das ist zu wenig, liebe Highlight Communications!
Außer für Action-Fans ist dieser Film trotzdem für jeden zu empfehlen, der seine 21 Gramm Seele noch in sich trägt.(pk)
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