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Thriller
Das Messer am Ufer
geschrieben von klaus_h am 05. Okt 2004
Twin Peaks schmutziger Bruder
Bei einem Film mit Keanu Reeves ("Matrix") und Dennis Hopper ("Blue Velvet") denken die meisten wohl direkt an "Speed". Das beide bereits 1986 in dem kleinen, aber feinen Vorläufer von "Twin Peaks", dessen Drehbuch durch einen wahren Kriminalfall inspiriert war, beachtliche Rollen ablieferten, ist weniger bekannt.
Ausgangspunkt des Films war ein reeller Fall von 1981, bei dem ein junger Mann eine Schulkameradin ermordet und mit dieser Tat seinen Klassenkameraden gegenüber geprahlt hatte. Er führte sie sogar zum Tatort, einer Schlucht, um die Leiche zu begaffen. Das verstörende Detail an diesem Fall war der Umstand, dass keiner der Schüler zur Polizei ging.
Das Messer am Ufer USA, 1986
Veröffentlichung: 05.10.2004
Regie: Tim Hunter
mit: Keanu Reeves, Dennis Hopper, Grispin Glover, Daniel Roebuck u.a.
"Nochmal"-Faktor: gut, pädagogisch wertvoll
Unsere Wertung: 78%, wg. mangelhaftem Ton
FSK: 16
Laufzeit: ca. 95 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Polnisch - alles Mono
Bildformat: 4:3
Untertitel: Dt, En., It., Es., Sv., Nl., Gr., Ru.
Extras: Keine
Warum schützen Teenager einen offensichtlichen Mörder, obwohl sowohl das Opfer als auch der Täter zu ihrem Freundeskreis gehören, und worin ist deren allgemeine Gleichgültigkeit über das Geschehen begründet?
Die Geschichte spielt sich hier im "White-Trash"-Milieu einer Highschool-Clique um die kiffenden Hauptfiguren Matt (K. Reeves: "Matrix Reloaded", "Thumbsucker"), Layne (Crispin Glover, "Zurück in die Zukunft", "Drei Engel für Charlie") und die Klassenschönheit Clarissa (Ione Skye) ab. Allesamt aus zerütteten Familienverhältnissen stammend reagieren sie merkwürdig gleichgültig gegenüber den Prahlereien des groben und stumpfsinnigen Samson (Daniel Roebuck, "Nash Bridges"), dass er ihre Mitschülerin Jamie am Fluß erwürgt habe, weil "sie nur Scheiße geredet hat...".
Erst als er eine Gruppe von Jugendlichen zur Leiche führt, glauben sie ihm die Tat. Einige sind sogar betroffen, aber da der völlig durchgedrehte Layne nun alles an sich reißt und den Fall vertuschen möchte, geht zunächst niemand zur Polizei.
Einzig der nachdenkliche Matt, den schon die kindliche Brutalität seines jüngeren Bruder schockiert hat, wendet sich gegen Layne und benachrichtigt die Polizei - doch es soll nicht der letzte Mord bleiben.
Auch wenn der Film in Kalifornien spielt, zeigt die Szenerie bei Sacramento nicht die üblichen "Schickimicki-die-Sonne-scheint-Klischees" Hollywoods. Der Sacramento River führt Hochwasser und macht das eisige Frühjahrswetter mit diffusem Licht zum guten Hintergrund für die Gefühlskälte der Story.
Reeves zeigt glaubhafte Ambitionen über seine damaligen Leistungen hinauszukommen (Schade, dass es bei den Ambitionen blieb - aks) und Dennis Hopper ist wie immer eine Klasse für sich. Daneben präsentiert uns der Regisseur eine meisterhaft abstoßende nackte Filmleiche, deren leerer Blick und Würgemale mich fast im Schlaf verfolgt haben. Ein Kompliment an den Maskenbildner und den Mut derartiges zu zeigen. Selbst CSI-Maßstäbe von heute werden dabei übertroffen. Einzig Glovers völlig überdrehten Möchtegern-Gangleader ging mir bereits nach wenigen Minuten dermaßen auf den Wecker, dass ich froh war, dass er erst mit "Nurse Betty" aus der Filmversenkung auferstanden ist.
Aus technischer Sicht bietet der im übrigen optisch durchaus befriedigend bearbeitete Film akustisch eine große Entäuschung. Zwar bietet er neben etlicher Sprachfassungen auch gut lesbare Untertitel in allen wesentlichen Sprachen Europas, aber leider nur in Monoqualität, zumal die häufigen Tongleichlaufschwankungen mir ebenfalls auf die Nerven gingen. Hier könnte MGM in Zukunft nachbessern.
Auch fast zwanzig Jahre nach der Entstehung des Films ist das Thema "Gewalt unter Schülern" aktueller denn je, und dass dieser Film nicht ganz den Tribut erhielt, den er verdient hat, liegt wohl in seinem Realismus begründet. Dort, wo David Lynch in "Twin Peaks" in Hochglanzoptik mystifizierte und letztlich ohne befriedigende Antworten blieb, bemüht sich dieses Werk glaubhaft um eine Erklärung.
Für Reeves- und Hopper-Fans ist der Film ohnehin sehenswert, aber auch alle anderen sollten sich den verstörenden Film einmal ungeschnitten auf DVD antun, da ihn die TV-Anstalten wahrscheinlich grauenhaft beschneiden werden. Mein Tipp an Lehrer betroffener Schulen: Gemeinsame Vorführungen auf dem Lehrplan, denn auch damit können Mißstände veranschaulicht und abgebaut werden. (kh)
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