Dies wird mit sehr viel Charme und Einfühlungsvermögen von der niederländischen Regisseurin Marleen Gorris (Oscar für "Antonias Welt") erzählt.
Carolina USA - 2003
Veröffentlichung: 11.11.04
Regie: Marleen Gorris
mit: Julia Stiles, Shirley MacLaine, Alessandro Nivola u.a.
"Nochmal"-Faktor: Hoch
Unsere Wertung: Film 93% / DVD 75%
FSK: ab 6
Laufzeit: ca. 97 min
Sprachen und Tonformate:
Deutsch/Englisch Dolby Digital 2.0 u 5.1
Bildformat: 4:3, 16:9, 1.85:1
Untertitel: keine
Extras: keine
Carolinas bisheriges Leben wurde von der chaotischen Sippe der Mirabeaus und der darüber herrschenden Großmuter Shirley MacLaine ("Irma LaDouce", "Closing the Ring") sowie ihrer Schwestern Georgia und Maine bestimmt. Ihr nichtsnutziger Vater, Randy McQuaid ("Independence Day"), hatte nämlich die von verschiedenen Frauen stammenden Kinder nach denjenigen US-Bundesstaaten benannt, in denen er sich gerade befand, als die Mädchen geboren wurden. Dann hatte er die Töchter stets nach dem Tode der Mütter bzw. der Einlieferung in eine Irrenanstalt wie schmutzige Wäsche bei der resoluten Grandma abgeladen.
Die alleinerziehende Großmutter hat es geschafft, die Mädchen großzuziehen. Carolina arbeitet als Producerin bei der amerikanischen Version von "Herzblatt". Während sie selbst versucht, "The Perfect Date" zwischen eigentlich beziehungsunfähigen Soziopathen zu vermitteln, vermisst sie selbst die große, romantische Liebe.
Ihr einziger Freund Albert (Alessandro Nivola - "Jurassic Park III"), der dem geübten Publikum selbstverständlich sofort als fast schon zu vertraut erschaut, ist ein Buchautor von schwülstigen Liebesromanen, die er als Barbara-Cartland-Variante unter dem Pseudonym Daphne St. Claire erscheinen lässt.
Wer über die Liebe schreibt, kann offensichtlich einem nahen Menschen nicht seine Liebe gestehen - und so kommt natürlich der allzu perfekte Heath Pierson auf den Plan, in den sich Carolina alsbald verliebt. Heath ist ein reicher Engländer aus der Werbebranche, smart, gepflegt, aufmerksam... eben "Mr. Right".
Anläßlich des großen jährlichen Thanksgiving-Festes prallen zwei Welten aufeinander, "Mr. Right" scheint plötzlich gar nicht mehr der rechte Mann fürs Leben zu sein und durch mehrere Schicksalsschläge steht Carolina bald schon ohne Job, ohne Lover und ohne besten Freund dar. Da wir uns aber gottlob in einer Liebeskomödie befinden, kann sich fast jeder das Happy-End ausmalen.
Bis in die letzte Nebenrolle ist der Film wunderbar besetzt und hat eine Menge schöner und schräger Szenen parat, wie z.B. der Song der putzenden Weihnachts-Elfen. Auch Barbara Eden ("Bezaubernde Dschinny") hat einen Kurzauftritt als Gabor-Verschnitt und "Double" der Daphne St. Claire.
Julia Stiles stellt erneut ihre Vielseitigkeit unter Beweis und macht Hoffnung auf weitere gute Filme mit ihr. McLaine, die keine Probleme mit Großmutter-Rollen zu haben scheint, spielt meist alle anderen Akteure souverän an die Wand und wirbelt mit unverwüstlicher Dynamik durch den Film. Gerechterweise muss ich hinzufügen, dass dies auch ein Verdienst der deutschen Synchronisation ist, die wesentlich mehr Nuancen in ihren Ausdruck hineinbringt als im Original. Nivola, den ich aus Jurassic Park III kaum in Erinnerung behalten hatte, verspricht mehr für zukünftige Rollen.
Da der Film mir selbst so gut gefällt, wird sich der/die eine oder andere fragen, warum diese Story nicht besser in den Kinos präsentiert wurde?
In Hollywood gibt es den Ausdruck "silly money" für Produktionen mit ausländischem (meist deutschem) Geld. Es sind eher zweitklassige Filme, nach deren Erfolgsaussichten von den Investoren kaum gefragt wird. Hier war es die Bank Luxemburgs.
Ein weiterer Grund für das bisherige Nischendasein von "Carolina" liegt darin begründet, dass der Produzent die Dummheit besaß, Kathy Bates ("Misery") die Rolle der Grandma ohne Casting zu versprechen. Man entschied sich jedoch anders und schon hatte man einen kostspieligen Rechtsstreit am Hals, bei dem der Streitwert wie üblich an das Einspielergebnis gekoppelt war. Also durfte der Film im Kino noch nicht einmal die 15 Mio Dollar einspielen, die er kostete, um den Streitwert niedrig zu halten. Komplizierte und häßliche Situation - "that´s entertainment."
Technisch sieht man dem Film leider an, dass er schnell auf das Nebengleis "Video- und DVD-Vermarktung" geschoben wurde. Eine regelgerechte Abtastung von einer knackigen Ausgangskopie mit einem guten Ton hat man hier offenbar gescheut und eine 08/15-Nachbearbeitung abgezogen. Für eine DVD ist eine derartige Bildqualität gerade noch ausreichend. Die Synchro ist ohne Fehl und Tadel - doch leider fehlen wieder einmal die deutschen Untertitel.
Die Story hingegen ist ein wahres Muss für alle hoffnungsvollen Romantiker mit leichtem Touch zum schrägen Humor. Für Frauen ohnehin der rechte Film, um ihn mit der "besseren Hälfte" gemütlich daheim auf der Couch mit einem heißen Kakao und Amaretto zu genießen. (kh)
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