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Romantisch
Reconstruction
geschrieben von klaus_h am 16. Nov 2004
"Wenn ich Dein Traum bin..."
dann bist Du meiner" sagt Alex (Nikolaj Lie Kaas, "Idioten", "Illuminati") zu der mysteriösen Schwedin Aimée (Maria Bonnevie, "Dina - Meine Geschichte"), die er zufällig in einer Bar trifft und gesteht ihr seine Liebe.
Ein preisgekrönter Liebesfilm des dänischen Regisseurs Boe, der den Betrachter mit traumhaft schönen Bildern erfreut und einer komplizierten Geschichte fordert, die ihresgleichen sucht.
Reconstruction Dänemark, 2003
Veröffentlichung:11.11.04
Regie: Christoffer Boe
mit: Maria Bonnevie, Nikolaj Lie Kaas, Krister Henriksson u.a.
"Nochmal"-Faktor: ein Festival der Sinne und des Verstandes
Unsere Wertung: 95 %
FSK: 6
Laufzeit: ca. 88 min
Sprachen und Tonformate:
Deutsch/Dänisch-Schwedisch Dolby Digital 2.0 u 5.1
Extras: Interviews mit den beiden Hauptdarstellern u. d. Regisseur, insg. ca. 22 min
Erst ist da Alex, ein junger Mann, einsam - nein, halt - noch ist er nicht allein, weil in diesem Moment hat er die atemberaubenden Aimée kennengelernt, ein Lächeln, ein paar Worte und schon sind es Liebende, so führt uns der Regisseur am Anfang seines Films bewusst in die Irre. Denn normale Liebesgeschichten interessieren ihn nicht.
Alex, scheinbar glücklich mit der hübschen, aber soliden Simone (ebenfalls Bonnevie), ist vernarrt in die Flüchtigkeit jedes Augenblicks, verliebt in die ersten Momente des Verliebtseins. Um ersteres festzuhalten, ist er Fotograf, letzteres soll sein Verhängnis werden in einem Kopenhagen, das in Boes Kamera elegant wie Paris wirkt und in dessen nächtlichen Straßen er sich kopfüber in die Liebe stürzt.
Denn Aimèe ist mit dem wesentlich älteren Schriftsteller August (Krister Henriksson) verheiratet und nur aufgrund einer Vortragsreihe in der Stadt. Sie hingegen sucht die Beständigkeit, das Gefühl sich auf etwas verlassen zu können, wobei sie sich von ihrem Mann vernachlässigt fühlt.
Viele Filme haben ähnliche Geschichten erzählt, doch Boe erfindet quasi das Genre neu, indem er einen surrealen Liebesfilm mit entsprechender Bildsprache entwickelt. In jenem Moment, als der Vertrauensbruch beider in einer dezenten, weil nur in Close-Ups gefilmten Liebesszene quasi vollzogen wird, stirbt gleichsam zu den Klängen von Barbers "Adagio" seine alte Liebe. Aber leider auch sein altes Leben.
Weder Simone, der beste Freund, noch sein Vater kennen ihn fortan - und dort, wo zuvor seine Mansardenwohnung eine Tür hatte, ist eine Mauer. Nun wird Alex klar, dass er in einem kafkaesken Albtraum von Liebe gefangen ist. Seine einzige Hoffnung ist die Liebe zu Aimée. Wenn diese in einer gemeinsamen Reise nach Rom die erste Erfüllung findet, wird er alle anderen Entäuschungen verkraften können. Aber wenn nicht, was ist dann?
Ich kenne nur wenige Filme, die mehr Interpretationsmöglichkeiten und Überraschungsmomente bieten, aber auch eine erhöhte Aufmerksamkeit fordern. So sollte man dieses Werk niemals allein sehen, da man in mehrfacher Hinsicht an den irritierend schönen Bildern und perfekt geschnittenen Szenen verzweifeln möchte. Anklänge an den klassischen "film noir" sind gewollt, der Soundtrack absolut stimmig und das Dekor klassisch: Bonnevie wirkt wie die Reinkarnation der jungen Deneuve, was durch das legendäre Kleid mit dem tiefen Rücken-Dekolletée aus "Belle de Jour" noch unterstrichen wird.
Technisch gesehen ist der Film ebenfalls eine wahre Freude mit kontrastreichen Bildern und sattem Ton. Das Bedienmenü der DVD ist etwas ungewöhnlich. Leider kann man die Untertitel nur über das Hauptmenü aktivieren, was jedoch aufgrund der aus zwei Blickwinkeln gefilmten Interviews, die sehr amüsant und aufschlussreich sind, zu verschmerzen ist.
Wenn ein Film die "Goldene Kamera" (Kamera: Manuel Alberto Claro) in Cannes gewinnt, kann man ihn eigentlich nur empfehlen, insbesondere dann, wenn es ein Debütfilm ist, den der Regisseur mit seinem eingespielten Team von der Filmhochschule nach einem eigenen Drehbuch mit begrenztem Budget gedreht hat.
"Reconstruction" schärft Auge und Ohr, ist Gift für das Kommerzkino und sicherlich ein Kunstwerk. Wie sagt der Erzähler mit der Stimme Augusts: "Es ist nur ein Film, die Rekonstruktion einer Liebe, nichts ist wahr - und dennoch tut es weh." (kh)
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