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Action
 King Arthur - The Director's Cut
geschrieben von klaus_h am 10. Jan 2005

Die Arthur-Variante

CoverDie wievielte Verfilmung der König-Artus-Legende dieser Streifen ist, möchte ich hier außer acht lassen. Denn dieser Film nähert sich dem Thema in einer ungewöhnlichen Interpretation und ist dabei eine typische Produktion Jerry Bruckheimers ("Pearl Harbor"). Mit Clive Owen ("Sin City", "The International") in der Titelrolle und Keira Knightley ("Fluch der Karibik", "Abbitte") als Guinevre ansehnlich besetzt, versucht der Film gleichermaßen den alten Ritterfilm mit dem Fantasygenre als guten Unterhaltungsstoff zu verschmelzen.

King Arthur - The Director`s Cut USA, 2004
Veröffentlichung: 13.01.05
Regie:Antoine Fuqua
mit: Clive Owen , Keira Knightley , Ion Grufford , Stellan Skarsgård , Til Schweiger, Ray Stevenson u.a.
"Nochmal"-Faktor: regelmäßig für Action-Fans
Unsere Wertung: 85 %
FSK: 16
Laufzeit: ca. 136 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Englisch Dolby Digital 5.1 und DTS 5.1
Bildformat: 16:9, 1:2,35
Untertitel: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Italienisch, Spanisch, Türkisch
Extras:
• Making of (17:00)
• Alternatives (ursprüngliches) Ende (4:10)
• Fotogalerie des Produzenten (21 Bilder)
Mit allen anderen Varianten dieser Geschichte hat der vorliegende Film eigentlich nur die Namen der Hauptakteure, die Grundkonstellation und den Handlungsort gemeinsam. Alles andere ist Fiktion.

Ausgehend von archäologischen Funden, die bereits einige Jahrzehnte zurückliegen und Grundlage für historische Romane bildeten, erzählt der afroamerikanische Regisseur Antoine Fuqua ("Training Day") nach einem Skript von David Franzoni ("Gladiator") die Story mit folgendem Ansatz:

BeispielDas von den Römern im 3. Jahrhundert unterjochte Reitervolk der Sarmaten dient bei der Verteidigung des Hadrianwalls gegen die Pikten und Sachsen. Angeführt von dem halbbritischen Arthur(ius) sind es zwar nur noch sieben (!) "Ritter", aber als schwere Kavallerie sozusagen die "Feuerwehr" Roms.

Anstatt nach 15 Jahren Militärdienst endlich in die endlosen Steppen Vorderasiens zurückkehren zu dürfen, bürdet man ihnen einen letzten aussichtslosen Auftrag auf, der ihnen die Augen über ihr eigentliches Schicksal öffnen wird.

Ob dieser Ansatz historisch korrekt ist, sollte man nicht diskutieren, da sich eine Legende ihrer Natur nach jeder Rekonstruktion entzieht. Somit werte ich die Story einfach nur als originellen Ansatz dem Thema neue Möglichkeiten abzugewinnen. Die Idee, dass der junge Artus das Schwert nicht aus dem Stein, sondern aus dem Grabhügel seines Vaters zieht, ist schon ein gutes Beispiel.

BeispielGuinevra ist hier nicht die blasse Prinzessin, der man die erotische Anziehungskraft auf Lancelot nicht abkaufen mag, sondern eine kesse, amazonenhafte Piktenbraut, deren Kampfkünste denen der Männer ebenbürtig ist. Bei ihrem Versuch, sowohl den zögernden Arthur als auch den "Frauenflüsterer" Lancelot für ihre "nationale" Sache zu gewinnen, macht sie bis zum Schluss beiden deutliche Avancen.

Merlin ist einmal nicht der edle Zauberer, an dem sich selbst Tolkien orientierte, sondern der Catweazlehafte Druidenanführer der Pikten, der Arthur auf seine Seite zu ziehen versucht. Mehr Überraschungen möchte ich nicht verraten.

Der komplett in Irland gedrehte Film wird von den perfekten Künsten der digitalen Zauberer ideal verfeinert: Die Schlacht auf dem Eissee oder der Hinterhalt im Wald gehört zu den Leckerbissen des modernen Actionkinos, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Manche der digitalen Leckereien spielen sich z.B. beim Schnee im sommerlichen Irland wie so oft im Versteckten ab.

Der Regisseur bedient die Liebhaber des opulenten Actionfilms mit fulminanten und gut choreographierten Kämpfen, wäre aber manchmal besser beraten gewesen einen zusätzlich Koordinator hinzuziehen, da sich bei der ebenfalls sehenswerten Endschlacht erschreckende Kontinuitätsfehler ergeben.

Die Schauspieler füllen bis auf wenige Ausnahmen (Til Schweiger, "Wo ist Fred?", "Der Bewegte Mann" als ziegenbärtiger Sachsenprinz) ihre Rollen gut aus. Mir persönlich hat die physische Präsenz des Lancelot-Darsteller Ion Grufford am besten gefallen, der die Rolle in seiner zynischen Todessehnsucht schön variiert. Owen empfiehlt sich erneut als zukünftiger James Bond, Knightley hat offenbar an ihrer blutrünstigen Rolle kindischen Spaß und macht ihre geringe Erfahrung seit "Kick it like Beckham" vergessen. Stellan Skarsgård ("Goyas Geister") als lakonisch-gelangweilter Sachsenkönig mit allzu üppigem Bartwuchs war für viele andere Kritiker eine Fehlbesetzung, hebt sich aber mit seiner Selbstironie wohltuhend vom chargierenden Spiel Schweigers ab.

BeispielDie größte Schwäche des Films ist sein Drehbuch, manche Dialoge und der Produzent. Die logischen Fehler (Welche Jahreszeit haben wir eigentlich im Film?) hatte ich schon angesprochen. Angesichts des von Fuqua kommentierten "alternativen" Endes bemerkt man den wahren Grund für die Verschlimmbesserungen Bruckheimers.

Das Publikum hatte bei Testvorführungen das eigentliche Ende für zu düster angesehen, sodass der Regisseur entgegen seinen ursprünglichen Vorstellungen eine allzu kitschige Hochzeitsszene nachdrehen musste, bei der mir fast das Weihnachtsessen hochkam. Der Gipfel sind die Pseudo-Stonehenge-Steine, die buchstäblich nach Styropor aussehen, und die Vernachlässigung des dramaturgischen Bogens.

Gerade der "billige" Nachdreh ist ausgesprochen schade, da sowohl Maskenbildner als auch Set-Designer im übrigen Verlauf hervorragende und stimmige Arbeit geleistet haben.

Die Filmmusik war für mich eine gelinde Enttäuschung. Hans Zimmer scheint seit "Gladiator" nicht Neues mehr einzufallen und erschöpft sich in durchschnittlichen Zitaten seiner eigenen Werke. Selbst die Hereinnahme der göttlichen Clannad-Sängerin rettet den Score nicht - keine einzige Melodie bleibt haften.

BeispielBild und Sound sind absolut hochwertig, wobei ein kleiner Bildversatzfehler bei der Wagentreckszene mich leicht irritiert hat. Doch schließlich haben wir es hier mit der ca. 14 Minuten längeren Fassung zu tun, die (Zitat aus dem Cover) alle "Kämpfe und Actionsequenzen von ihrer schonungslosen Seite" zeigt.

Hatten Kritiker der Kinofassung noch fehlende Realitätsnähe vorgeworfen, so wird hier auch der Liebhaber von "Blut-und-Schweiss-Hack-and-Slay" eindrucksvoll befriedigt werden.

Bei der technischen Ausstattung der DVD findet sich das Bruckheimer-typische Making of, dass hier jedoch durch die Selbstironie mancher Interviews etwas gemildert wird. Ganz kann es die vollmundigen Coverversprechungen nicht halten, aber in dieser Hinsicht habe ich schon schlimmeres gesehen. Das alternative Ende hatte ich bereits erwähnt.

BeispielPositiv hat mich die Fotogalerie des Produzenten überrascht: Findet man sonst hier die 08/15-Standfotos in mäßiger Bildqualität, so hat Jerry - wenn sie denn wirklich von ihm selbst sein sollten - ein wahres Talent als Fotograf, der schöne Momentaufnahmen vom Set machte, die selbst die Statisten zu Stars werden lässt. An die Ausstattungs-Orgie von "Fluch der Karibik" kommt die Scheibe leider jedoch nicht heran und einen Audiokommentar Fuquas dürfte man bei Blockbuster-Filmen erwarten.

Wer "Herr der Ringe", "Gladiator", "Fluch der Karibik" oder "Excalibur" mochte, wird auch mit diesem Film gute Unterhaltungskost inklusive akzeptierbarer Schönheitsfehler erhalten. Insgesamt lohnt sich für den echten Sammler ohnehin nur der Directors Cut. Allen anderen möchte ich den Kauf dennoch ans Herz legen, weil ich wahrscheinlich von der geglätteten (auf dem Cover findet sich tatsächlich das böse Wort "Zensur"!) Kinofassung enttäuscht gewesen wäre. (kh)

Bilder Copyright BUENA VISTA HOME ENTERTAINMENT.

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