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(Anti)Kriegsfilm
Saints and Soldiers
geschrieben von klaus_h am 19. Jan 2005
War-Movie made in Utahwood
Was für ein Kriegsfilm käme wohl dabei heraus, wenn man sich die Frage stellt, ob dieses Tun mit dem Glauben überhaupt vereinbar wäre? Der überaus talentierte Jungregisseur Ryan Little beantwortet dieses Frage in einem dennoch spannenden Werk, das bei bescheidenem finanziellen Einsatz großes Kino unter Beweis stellt.
Saints and Soldiers
USA, 2003
Veröffentlichung: 20.01.05
Regie: Ryan Little
mit: Corbin Allred, Peter Asle Holden, Alexander Polinsky, Larry Bagby, Kirby Heyborne u.a.
"Nochmal"-Faktor: mit Vergnügen
Unsere Wertung: 93 %
FSK: 12
Laufzeit: ca. 85 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Englisch Dolby Digital 2.1 und 5.1
Bildformat: 16:9, 1:2,35
Untertitel: Fehlanzeige
Extras: Behind the scenes (61:00)
Nach dem Massaker von Malmedy während der Ardennenoffensive des 2. Weltkriegs versuchen vier versprengte US-Soldaten hinter den deutschen Linien zu ihren eigenen Leuten zurückzugelangen.
In der rauen Winterlandschaft treffen sie auf einen abgestürzten britischen Piloten, der wichtige Informationen über den deutschen Aufmarsch besitzt. Also beschliesst Sergeant Gunderson (Peter Holden): "Lasst uns ein paar Kameraden retten, den Krieg gewinnen und endlich nach Hause gehen."
Das Himmelfahrtskommando von eigenen Gnaden kennzeichnet sich durch den Fatalismus seiner Akteure, die sich allesamt fragen, warum und wofür sie in einem fremden Land ihr Leben riskieren. Letztlich wohl nur, um möglichst sich selbst und den Mann neben sich heil in die Heimat zurückkehren zu lassen.
Oder wie es "Deacon" (Corbin Allred) ausspricht: "Wir könnten genau so gut in der Uniform der anderen stecken." Gerade Deacon, der weder raucht, noch Kaffee trinkt und unausgesprochen ein Mormone ist, steht für den Glauben und die humane Haltung, die Menschen einander selbst in Kriegszeiten schuldig sind.
Trotz des moralischen Überbaus ist der Film spannend und versiert gemacht. Bis ins kleinste Detail möglichst authentisch, merkt man ihm nicht an, dass er mit dem vergleichsweise lächerlichen Budget von 723.000 Dollar gedreht wurde. Wo Spielberg in "Saving Private Ryan" 100 Millionen verpulverte, reicht hier die akribische Arbeit eines jungen Teams, dass sich bereits mit allen "analogen" Tricks des Filmgeschäfts auskennt.
In den Staaten lief der Independent-Film an der Westküste sehr erfolgreich und errang diverse Publikumspreise. Daher fällt es extrem auf, wie der Film trotz eines uramerikanischen Themas (Glaube und Krieg) vornehmlich von den etablierten Kritikern der Ostküste kleingeredet wurde. Offenbar gefiel es insbesondere den New Yorkern nicht, dass der Film eine sich anbahnende Glaubenskonvertierung des jüdischen Sanitäters Gould (Alexander Niver) zum Schluss andeutete.
Überhaupt tritt der so penetrante US-Patriotismus, der mir bei den Blockbuster-Produktionen sauer aufstösst, hier wohltuhend zurück. Vielleicht auch ein Grund, warum das Hollywood-Establishment das Vorankommen dieses Werkes unterdrückte.
Da sowohl der Regisseur als auch die Drehbuchautoren und die beteiligten Produktionsfirmen mormonischen Glaubens sind, reichte eine Diffamierung als "Missionsfilm", um den weiteren Vertrieb zu unterbinden, obwohl der Film bis dato 15 Millionen eingespielt hatte.
Zumindest können wir uns freuen, einen unterhaltsamen und realistischen Kriegsfilm sehen zu dürfen, der ohne politisches Pathos ist und dafür eine humanistische Botschaft trägt, die bei einer sympathischen Charakterzeichung den Gegner nicht verteufelt.
Der gut fotografierte Film ist bild- und tontechnisch erste Güte. Die Behauptung eines amerikanischen "Journalisten", er wäre wohl komplett auf DV gedreht worden, zeugt von seiner technischen Unkenntnis und beweist, dass er die einstündigen "Behind the scenes" nicht gesehen hat.
Dort wird auf humorige Weise sehr gut veranschaulicht, wie handwerklich perfekt das Team in der Winterlandschaft Utahs die Ardennen hat entstehen lassen. Viele Tricks und Szenen werden erläutert, kurze Zwischeninterviews selbst der Techniker erklären das "How-done-it"."
Wenn ausgerechnet der Regisseur die Kartoffelpürreeflocken, die zuvor die aufgewirbelten Schneeflocken simulierten, als matschige Masse zusammenfegt und raunzt, "Klar wird das unser Mittagessen, wir sind schließlich eine Low-Budget-Produktion", dann hat man mit einem Lachen verstanden, dass hier wahrhaftig Filmbesessene am Werke waren. Alleine das "Behind the scenes" ist die DVD wert.
Empfehlen kann ich den Film all jenen, die einen überaus soliden und packenden (Anti)kriegsfilm sehen möchten, der auf hohles Pathos verzichtet und insgesamt ehrenwerten Charakter zeigt.
(kh)
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