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Thriller
Killer stellen sich nicht vor
geschrieben von klaus_h am 15. Feb 2005
Monsieur Cinema
Ja, Anfang der 1980er-Jahre konnte man noch selbstbewusst ins Kino gehen und sich einen Thriller mit Alain Delon ("Der Eiskalte Engel") anschauen. Angesichts der eleganten Dramatik und realistischen Brutalität fiel mir damals die Beschränktheit des deutschen Films jener Zeit erschreckend auf. Wollte man spannend unterhalten werden, gab es sonst nur tumbe US-Produktionen. Aber Delon hatte dagegen etwas besonderes an sich.
Killer stellen sich nicht vor
Frankreich, 1980
Veröffentlichung:14.02.05
Regie:Jacques Deray
mit: Alain Delon, Pierre Dux, Dalila Di Lazzaro, Michel Auclair, u.a.
"Nochmal"-Faktor: ab in die Sammlung
Unsere Wertung: 82 %
FSK: 16
Laufzeit: ca. 93 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Französisch Mono
Bildformat: 1:1,85
Untertitel: deutsch
Extras: Fehlanzeige
Damals war Delon in Frankreich neben Jean-Paul Belmondo der einzige männliche Superstar und galt auch im deutschen Sprachraum durch seine vergangene Liason mit Romy Schneider als "in".
Als "Eiskalter Engel" ohne sichtbare Emotionen, dabei immer einen lockeren, zynischen Spruch auf den Lippen hatte er längst eine minimalistische, doch effektive Darstellungskunst kultiviert, die in "Trois hommes à abattre" (O-Titel) besonders rein demonstriert wird.
Michel Gerfaut ist Profi-Zocker. Auf einer nächtlichen Fahrt zu einem Spiel liest er ein schwerverletztes, vermeintliches Unfallopfer auf. In Hektik übersieht er die Bauchschüsse des Mannes, liefert ihn ein und wacht erst aus seiner Teilnahmslosigkeit auf, als ihn zwei Männer am Strand von Trouville ertränken wollen.
Hilfe suchend wendet er sich an einen befreundeten Polizisten, der jedoch bald selbst Opfer der Killer wird. Diese arbeiten für den eiskalten französischen Rüstungsindustriellen Emmerich (Eckart Dux, "Z") und seinen aalglatten "Thronfolger" Leprince (Michel Auclair, "Der Schakal"). Aus Angst, dass Mitarbeiter Details fehlerhafter Lenkraketen ausplaudern könnten, hatten sie bereits das "Unfallopfer" zwei weiter Angestellte beseitigt.
Doch nun dreht der passionierte Spieler Gerfaut den Spieß um - die Jäger werden selbst zu Gejagten eines Besessenen, der sich zu wehren versteht.
Halzbrecherische Autojagden auf dem Pariser Ring, explodierende Tankstellen, erschreckend realistische Gewalt, ein guter Score (Claude Bolling) und intelligente Wendungen mixen einen Cocktail, der seinerzeit bestechende Eleganz hatte und heute vielleicht ein wenig veraltet wirkt. Aber die Art und Weise wie Spannung, Motiv und überraschende Auflösung konstruiert wird, kann man auch bei John Frankenheimer in "Ronin" beobachten.
Ungeachtet der kleinen eitlen Selbstinszenierung, die sich Delon (Drehbuch!) dabei leistet, kann ich den Film all jenen empfehlen, die wie ich nostalgisch amüsiert an ein Actionkino ohne Computertricks, aber mit leibhaftigen "Kaskadeuren" und Helden, die ungestraft weiße Socken tragen durften, erinnert werden möchten. (kh)
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