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Western
Weites Land
geschrieben von klaus_h am 16. Mar 2005
Big Country
Diesen Monumental-Western nannte ein Kritiker zu recht die "symphonische Einheit von Filmmusik und Handlung". Folgerichtig war der eingängige Score des Komponisten Jerome Moross oscarnominiert. Übertroffen wurde er innerhalb des Films nur von der einzigartigen Besetzung, einer shakespearehaften Story und einem Regisseur William Wyler, der dieses Werk unbewusst zur Generalprobe seines bekanntesten Filmes "Ben Hur" machte.
Weites Land
USA, 1958
Veröffentlichung: 08.03.05
Regie:William Wyler
mit: Gregory Peck, Jean Simmons, Carroll Baker, Charlton Heston, Burt Ives, Charles Bickford, Chuck Connors u.a.
"Nochmal"-Faktor: einmal im Jahr!
Unsere Wertung: 80 %
FSK: 16
Laufzeit: ca. 165 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Bildformat: 1.66:1 (16:9)
Untertitel: deutsch, englisch
Extras: Fehlanzeige
Der Schiffskapitän und Reederei-Erbe James McKay (Peck) reist mit seiner Verlobten Patricia Terrill (Baker), die er in Baltimore kennen gelernt hatte, in ihre Heimat, das "weite Land" - womit quasi der "wilde" Südwesten der USA gemeint ist. Ihr Vater, Major Terrill (Bickford), ist ein verhärteter Rinderbaron, der mit seinem Nachbarn Rufus Hannassey (Ives) in einer alten Fehde um wichtige Wasserrechte liegt.
Ausgerechnet in diesen Konflikt gerät das vermeintliche Greenhorn McKay, der Gewalt als Lösungsmöglichkeit ablehnt. In einem Land, wo nur das Faustrecht zählt, gilt er bald nicht nur für den zukünftigen Schwiegervater, sondern auch für seine Braut als Feigling. Da ist es nicht hilfreich, dass Leach (Heston), der impulsive Vormann der Ranch, schon seit Jahren ein Auge auf die Tochter seines Chefs geworfen hat und den Rivalen daher mit "Mutproben" bloßstellen möchte.
Der Mann aus dem Osten muss keinem anderen Mann etwas beweisen, allenfalls sich selbst. Und so war es für Wyler die interessante Frage, ob das Publikum ihm einen Helden abkaufen würde, der für Ausgleich und gegen Konfrontation stand. Als McKay quasi das vermittelnde Züglein an der Waage spielen möchte und die brachliegende Farm "Big Muddy" der ihm sehr sympathischen Lehrerin Julie Maragon (Simmons) kauft, um beiden Parteien in Trockenzeiten das Tränken der Rinder zu erlauben, hat sich die Fehde verselbständigt.
Peck, der den Film mitproduzierte, spielt somit meines Wissens nach den einzigen Westernhelden, der am Ende triumphiert, ohne einen einzigen Gegner ernsthaft zu verletzen oder gar zu töten. Nicht umsonst hat man den Film als eine Parabel auf den Kalten Krieg verstanden. Auf jeden Fall hebt er sich angenehm von der Masse der Filme jener Ära ab, indem er bewusst den Gewaltverzicht in den Vordergrund schiebt.
Ungeachtet einiger logischer Löcher (warum wird ausgerechnet die einzige stets wasserführende Ranch von Maragon nicht bewirtschaftet und warum sollte sich jemand in einem verkarsteten Canyon niederlassen?) ist der Film mit seiner epischen Breite und Bildsprache, die dank diverser Actionszenen dennoch keine Längen entstehen lässt, in meinen Augen einer der zehn besten Western aller Zeiten.
Peck spielt gewohnt souverän und humorvoll, wenn er z.B. einem Gast, der ihm gegenüber betont, dass er wohl niemals derartige Weite gesehen habe, lakonisch antwortet: "Doch, der Ozean!" Heston, dessen Agent ursprünglich von der Rolle abriet, benutzte die Rolle gleichsam als Warm-up für seine Rolle als Juda ben Hur, während zwei Nebendarsteller die Rollen ihres Lebens ablieferten:
Burt Ives, dem das Drehbuch schon geniale Dialoge und Monologe in den Mund gelegt hatte, bekam zu recht einen Oscar als bester Nebendarsteller, da er in gemeinsamen Szenen alle anderen Akteure an die Wand spielt. Der ehemalige Baseball-Pitcher und spätere Seriendarsteller ("Santa Fe") Chuck Connors spielt den Maulhelden und eigentlichen Feigling derart gut, dass ich ihm ebenfalls diesen Preis gegönnt hätte.
Bei einem so herausragenden Film war ich zwar mit der Tonqualität und ausnahmsweise auch mit der Synchronisation zufrieden, hapern tut es leider bei der Bildqualität, die unverständlichweise keine Spuren einer Nachbearbeitung zeigt. Auf der ersten Rolle stören starken Laufschrammen, während in einigen Szenen mäßig bis starkes Farbpumpen auftritt. Mit wenigen Mitteln hätte sich hier für eine DVD-Veröffentlichung mehr erreichen lassen. Die diversen und oft monierten Anschnittfehler sind jedoch authentisch. Wyler war bereits mit dem Dreh von Ben Hur beschäftigt, als man den Endschnitt von "Weites Land" in Eile abschloss.
Auch wenn dieser Film zum ständigen Wiederholungsrepertoire der dritten Programme gehört (zehn Ausstrahlungen seit 2002), kann ich die DVD allen Fans von Western und klassischen Filmen sehr empfehlen, die selbst den Zeitpunkt bestimmen möchten, zu dem sie den Film anschauen. Immerhin gibt sie einem die Möglichkeit die Handschrift Wylers besser analysieren zu können. Nur reicht die Qualität und Ausstattung leider nicht an die Klasse dieses Werkes heran. (kh)
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