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Romantisch
Darf ich bitten?
geschrieben von klaus_h am 17. Mar 2005
Shall we dance, Mr. Clark?
Romantische Tanzfilme hatten ihre Blütezeit in den 1940er- und eine zwischenzeitlich Renaissance in den 80er-Jahren, als man gerne zeigte, wie man mit dem Tanzen dem grauen Alltag entfliehen konnte.
Wenn Miramax nun versucht, dass Genre mit einer Starbesetzung wiederzubeleben, fragen sich viele, ob dieses Ziel erreicht wurde. Meiner Meinung nach ist es dieser Produktion gelungen.
Darf ich bitten?
USA, 2004
Veröffentlichung: 17.03.05
Regie: Peter Chelsom
mit: Richard Gere, Jennifer Lopez, Susan Sarandon, Stanley Tucci, u.a.
"Nochmal"-Faktor: jederzeit!
Unsere Wertung: 95 %
FSK: ohne Altersbeschränkung
Laufzeit: ca. 102 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch , Englisch, Spanisch Dolby Digital 5.1
Extras:
• Audiokommentar des Regisseurs
• Tanzsaal für Anfänger
• Hinter den Kulisssen
• Die Musik zum Film
• Musikvideo "Sway"
• Deleted Scenes:
• Alternativer Anfang
• Dr. Dance - XL-Hiphop-Version
• Link und Bobbie bei der Rumba
• Paulina trainiert mit John
• Der Wettbewerb
• Paulina tanzt mit den Kindern
Der Nachlassanwalt John Clark (Richard Gere, "Ein Offizier und Gentleman", "Chicago", "Hunting Party", "Der große Bluff - Das Howard Hughes Komplott") sollte eigentlich mit seiner Familie und seinem Leben zufrieden sein. Weil jedoch innerhalb der Familie alles sehr dynamisch zugeht, kaum einer Zeit für den anderen hat, ist seine emotionale Bindung erstarrt. Abends fährt er mit der Hochbahn Chicagos nach Hause und sieht eines Tages eine schöne Frau an dem Fenster einer Tanzschule stehen, die genau jene emotionale Verlorenheit verkörpert, die er selbst fühlt.
Spontan steigt er aus, um diese "Seelenverwandte" kennen zu lernen. Doch ehe er sich versieht, wird er von Paulina (Jennifer Lopez, "Out of Sight") in einem Tanzkurs für Anfänger eingeschrieben. Zu seiner Überraschung überwiegt bald der Spaß beim Tanzen und die Freude über neue Bekannte, von denen jeder sein eigenes Geheimnis hat.
Paulina leidet an ihrer Niederlage im Tanzsport-Mekka Blackpool und versteckt sich gewissermaßen in der nicht mehr ganz so gut besuchten Schule. Die resolute und vollschlanke Bobbie (Lisa Ann Walter, "Bruce Allmächtig") arbeitet von 5 bis 5 in einem Diner, um sich den Traum für ihre ausgefallenen Kostüme zu erlauben, der dicke Farbige Vern möchte Pfunde abtrainieren und tanzen lernen, um endlich seine Traumfrau ansprechen zu können und der Pseudo-Macho Chic (Bobby Carnavale, "Third Watch", "Fast Food Nation") wartet eigentlich nur auf sein Coming Out. Clarks Arbeitskollege Link (Stanley Tucci, "Wiege der Angst", "Lucky # Slevin") hofft, sich eines Tages endlich zu seiner Tanzleidenschaft bekennen zu dürfen: "Denn niemand ist einsamer als ein paillettentragender Hetero, der gerne tanzt."
Währenddessen bemerkt Clarks Familie, dass er im Unterschied zu sonst zwar jeden Mittwoch später, aber gut gelaunt von der Arbeit nach Hause kommt und als seine Tochter meint: "Dad sieht in letzter Zeit irgendwie glücklicher aus", schöpft seine Frau (Susan Sarandon, "Thelma und Louise", "Verwünscht") Verdacht und beauftragt den schrägen Privatdetektiv Devine (Richard Jenkins, "Six Feet Under") mit Nachforschungen.
Im Gegensatz zum japanischen Original von 1996 kann dieser Film nicht die kulturelle Gebrochenheit einer Gesellschaft zu seinem Thema machen. Doch es ist Regisseur Chelsom ("Funny Bones") viel wichtiger zu zeigen, dass es in einer Partnerschaft keine Schande sein kann, sich zu seinem Unglücklichsein zu bekennen. Zur Tragik wird es erst, wenn Paare nicht mehr miteinander darüber reden können. Darüber hinaus war es dem selbst passionierten Tänzer Chelsom einfach wichtig, einen Tanzfilm mit einer regelrechten Story zu machen.
Meiner Meinung nach hat der Film dieses Ziel mit schön choreographierten Tanzszenen, viel Komik und gut aufgelegten Schauspielern in jedem Fall erreicht. Wenn Gere zu Anfang des Films ausgelaugt nach Hause fährt, glaubt man den Womanizer nicht zu erkennen. Manche Kritiker bemängelten La Lopez maskenhaftes Spiel. Nur vergaßen sie dabei, dass sie ja gerade diese gefühlsmäßige Erstarrung rüberbringen musste. Wenn man bedenkt, dass alle Akteure mit dem klassischen Gesellschaftstanz zuvor nichts zu tun hatten, so sind die Tanzergebnisse insbesondere bei Carnavale und Lopez äußerst sehenswert. Die komischen Highlights setzen meist Walter und Tucci, der dabei einige Latino-Tanzszenen gibt, die einen an "Strictly Ballroom" oder Peter Sellers denken lassen.
Die Extras bei dieser DVD sind umfassend, zumal alle optional mit dem Kommentar des Regisseurs möglich sind. So sind zwei der besten Choreographien der Schere zum Opfer gefallen, aber zumindest beim Alternativ-Anfang muss man Chelsom zustimmen, dass man dann einen anderen Film erwartet hätte. "It´s a shame - but that´s why DVDs are for". Bei "Hinter den Kulissen" kann man sich gut davon überzeugen, wieviel Spaß die Akteure beim Tanztraining hatten. Einziges Manko der DVD ist der deutlich unterpegelte Ton, den ich an meinem Gerät bis zur Maximalstellung aufdrehen musste. Dementsprechend verrauscht sind dann die wenigen leiseren Stellen.
Allen Romantikern, Tanz- und Richard-Gere-Fans kann ich diesen Film also nur empfehlen, der einfach ein gutes Gefühl beim Sehen hinterlässt und völlig zu unrecht aufgrund einer blasierten Kritikerszene an den Kinokassen eingegangen ist. (kh)
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