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Drama
King George
geschrieben von stephan am 12. Apr 2005
Königliche Unterhaltung
Ist der König verrückt geworden? Im Jahre 1788 gibt es plötzlich Zweifel, ob King George III. noch regierungsfähig ist, denn immer wieder sorgt er durch seltsame Eskapaden für Aufsehen und Skandale. Und so sieht sein Sohn, der Prince of Wales, plötzlich seine Chance den Thron frühzeitig zu besteigen. Eine preisgekrönte Tragikkomödie über einen König, der erst die Kolonien verlor und dann beinahe seinen Thron.
King George - Ein Königreich für mehr Verstand Großbritannien 1994
Veröffentlichung: 06.04.2005
Regie: Nicholas Hytner
mit: Nigel Hawthorne, Helen Mirren, Ian Holm, Rupert Graves, Amanda Donahoe, Rupert Everett u.a.
Einen Oscar gab es 1995 für die beste Ausstattung; außerdem war der hervorragende Nigel Hawthorne als Bester Schauspieler nominiert. Ebenfalls nominiert waren Helen Mirren als Beste Nebendarstellerin ("Die Queen", "Kalender Girls") und die Adapation des Drehbuches. Dazu gab's in Cannes eine Goldene Palme für den Film und eine Auszeichnung für Helen Mirren als Beste Schauspielerin. Und dann gab's noch jede Menge weitere Preise und Nominierungen für diesen sehr guten Film.
Fast dreißig Jahre lang hatte Georg sein Land regiert. Er sorgte für Stabilität und man hatte Vertrauen in ihn, er war streng, aber auch gerecht. Doch plötzlich entwickelt er immer neue exzentrische Verhaltensweisen, die sich niemand erklären kann. So rennt er, nur mit seinem Nachthemd bekleidet, mitten in der Nacht über die Wiesen rings um sein Schloss und vor den Augen seiner Königin macht er sich an ihre Zofe ran.
Weil keine Besserung in Sicht ist und die Handlungen von George immer wilder, skandalöser und obszöner werden, sind sich alle am Hof darin einig, dass man etwas unternehmen muss. Während der Prince Of Wales damit beginnt, eine Intrige gegen seinen Vater zu spinnen, die dafür sorgen soll, dass man den König für unmündig erklärt, versuchen andere, dem König zu helfen.
Als die königlichen Ärzte nicht mehr weiter wissen, holt man Dr. Willis, der für seine unkonventionellen Heilmethoden bekannt ist. Mit stengem Regiment sorgt er dafür, dass sich George III. langsam wieder an Regeln halten kann. Die dabei stattfindenden "Duelle" zwischen König und Arzt sind besonders faszinierend. Tatsächlich scheint sich der Zustand nach und nach zu verbessern. Aber reicht es dafür, um in der entscheidenen Verhandlung aller Welt zu demonstrieren, dass George immer noch dazu in der Lage ist, sein Volk zu führen?
Der leider schon verstorbene Nigle Hawthorne ist sehr überzeugend als verwirrter König und spielt wirklich brilliant. Das liegt zum einen natürlich an seinem Talent und seiner Schauspielkunst, aber wohl auch daran, dass er diese Rolle rund zweieinhalb jahre lang auf der Bühne verkörpert hat. Und nicht nur er hatte vor den Dreharbeiten viel Zeit, sich in seine Rolle zu versetzen, denn sehr viele Darsteller aus der Bühnenversion findet man nun in der filmischen Umsetzung wieder.
Das liegt vor allem daran, dass mit Nicholas Hytner der Regisseur des Theaterstücks auch hinter der Kamera das Sagen hatte und als es an die Besetzung ging logischerweise erst einmal an sein Bühnenteam dachte. Ebenfalls mit dabei ist Alan Bennett, der Autor des Stücks, der seine eigene Vorlage für den Film adaptierte.
Doch trotz der langjährigen Theaterarbeit, die dem Film vorausging, merkt man dies "King George" eigentlich kaum an. Es gibt nichts Statisches; die Schauplätze wechseln, die Kamera ist viel in Bewegung. Überhaupt gefällt mir die Kamerarbeit von Andrew Dunn sehr gut: Tolle Farben, wunderschöne Landschaftsaufnahmen und gelungene CloseUps. Ergänzend dazu gibt es wirklich tolle Sets mit einer großen Liebe zum Detail und sehr schöne Kostüme. Einzig die Frisuren sind zum Teil etwas seltsam, so dass Figuren wie der Prince Of Wales für unsere Augen ein wenig wie Clowns wirken. Aber ich schätze mal, dass man damals tatsächlich so rumlief.
Aber das alles wäre nichts wert, wenn die Darsteller nicht allesamt klasse wäre. Mir persönlich hat Helen Mirren am Besten gefallen, aber diese tolle Schauspielerin mag ich sowieso sehr gerne.
"King George" ist ein authentisches und glaubwürdiges Historiendrama, dass von Anfang bis Schluss gelungen ist. Lustig, bewegend, traurig und ergreifend. Ein Film, den man sich immer wieder anschauen kann, der einfach richtig gut ist.
Ich frage mich nur, warum man einen so blöden Untertitel für die deutsche Version ausgewählt hat. "Ein Königreich für mehr Verstand" ist meines Erachtens völlig unpassend. Aber diese seltsame Eigenart der deutschen Filmverleihe kennen wir ja schon länger. (svl)
PS: Noch eine amüsante Randnotiz: Ursprünglich sollte der Titel im Original "The Madness of King George III." heißen. Doch man hat sich dagegen entschieden, da man befürchtete, dass sich Zuschauer dann nicht dafür interessieren würden, weil sie Teil I und II nicht gesehen hatten. Keine Ahnung, ob das stimmt, aber vorstellbar wäre es schon.
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