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Dokumentation
 Der Nil
geschrieben von klaus_h am 25. Apr 2005

Die faszinierende Reise zu den Quellen des Nils

CoverAlljährlich pilgern Hunderttausende von Touristen nach Ägypten, um zwischen Luxor und Assuan eine der beliebten Nilkreuzfahrten auf einem der rund 400 Schiffe zu unternehmen. Primäres Ziel sind die zahlreichen Ausgrabungsstätten: Angefangen vom Tal der Könige bis hin zu Abu Simbel.

Ägypten ist "in", doch der Fluss, der dieses Land zu einer der fazinierendsten Hochkulturen machte, verschwindet ein wenig hinter den steinernen Zeugen der Vergangenheit. Die vorliegende Dokumentation, eine Ko-Produktion der BBC, des Discovery Channels sowie des BR und des WDR führt uns auf eine Reise hin zu den historischen Auswirkungen sowie den geographischen und geologischen Ursprüngen des längsten Flusses unseres Planeten.

Der Nil
GB/USA/D, 2005
Veröffentlichung: 28.03.2005
Produzent: Michael Gunton
Sprecher:Simon MacCorkindale (engl.), Joachim Höppner u. Wolfgang Hess (dt.)
"Nochmal"-Faktor: wird in der Stadtbibliothek zu recht ständig ausgeliehen werden
Unsere Wertung: 84 %
FSK: k.E.
Laufzeit: 3 x ca. 45 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Dolby Digital 2.0
Bildformat: 16:9, 1:1,78
Untertitel: Fehlanzeige
Extras: Fehlanzeige


In der ersten Episode "Königreiche am Fluss" führt man uns 4.000 Jahre zurück zu den Ursprüngen der ägyptischen Kultur. Dabei veranschaulicht man geschickt die enge Verwebung des Alltags- und Kult(ur)lebens mit der auf dem natürlichen Kreislauf der Nilüberschwemmungen basierenden Mythologie. Eine Ausprägung, der alle vom Pharao bis hin zum kleinen Wasserhändler hin unterworfen waren.

BeispielSo fanden sämtliche Naturereignisse ihren Niederschlag in der Götterwelt. Der Nil war somit zur Basis einer Hochkultur geworden, deren eigentliche Ironie darin begründet lag, dass sie sich aufgrund ihres kultischen Überbaus niemals im klaren wurde, woher der Fluss kam und warum die Überschwemmungen manchmal mit verheerenden Folgen ausblieben.

Dieser Frage wird in der zweiten Episode "Die große Flut" geklärt, die ich persönlich für die beste halte, da sie dramaturgisch und ästhetisch am geschicktesten aufgebaut wurde. Ging es zuvor ausschließlich um das alte Ägypten, so sieht der Zuschauer nun in beeindruckenden Bildern von Khartoum aus über das fast undurchdringliche Sumpf-Dickicht des Sud bis hin zu den Quellen des Blauen Nils in den Ruwenzori-Bergen des äthopischen Hochlandes den wahren Ursprung des Flusses. Fauna und Flora des Umlandes werden dabei mit Leichtigkeit einbezogen.

BeispielIn "Auf der Suche nach der Quelle" versucht die Dokumentation den Entdeckungsreisen des 19. Jahrhunderts nachzugehen. Weitestgehend hat man sich dabei auf Bildmaterial der BBC aus den 80er-Jahren gestützt, was man den Bildern leider auch ansieht. Die Reisen eines Burton, Speke, Livingstone, Stanley oder des Ehepaars Baker werden dabei hin bis zum Pathos hochstilisiert. Lediglich Henry Morton Stanley, um den eine neue kleine Rahmenhandlung gestrickt wurde, bleibt einigermaßen nachvollziehbar. Die Motive der anderen Entdecker, derartige Strapazen bis zur Selbstaufgabe zu unternehmen, lässt diese Folge leider im Dunklen.

Wer dennoch bis zum Schluss durchgehalten hat, wird durch eine gute Computersimulation entschädigt. Sie veranschaulicht, wie vor gerade einmal 12.000 Jahren durch eine tektonische Verschiebung des afrikanischen Grabens das heutige äthopische Hochland anstieg und in immer größeren Becken Regenwasser auffing - die Entstehung der heutigen Albert-, Viktoria- und Tangajika-Seen. Erst 2.000 Jahre später schaffte sich der größte, also der Viktoriasee, einen "Abfluss", der quasi die Geburt des Nils und die Grundlage Ägyptens markierte.

BeispielWie bei allen Dokumentationen aus diesem Umfeld kann man diese Produktion fast (s.o.) uneingeschränkt empfehlen. Derjenige, der ausschließlich auf die Hochkultur Ägyptens fixiert ist, wird allein schon mit der ersten Folge zufrieden sein. Aber all jenen, die selbst schon einmal auf diesem gewaltigen Strom gefahren sind oder es demnächst vorhaben, kann ich diese DVD als kurzweilige Vor- oder Nachbereitung nur ans Herz legen. (kh)

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