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Action
Michel Vaillant
geschrieben von klaus_h am 13. Mai 2005
Vive Le Mans!
Über Vor- und Nachteile von Real-Comic-Adaptionen hatte ich schon anläßlich Blueberry und der Fluch der Dämonen gesprochen. Bei diesem Film handelt es sich ebenfalls um eine gleichnamige Comic-Vorlage, die in den 1970er-Jahren entstand und dem deutschsprachigen Publikum durch das Magazin "ZACK" bekannt wurde.
Michel Vaillant
Frankreich, 2003
Veröffentlichung: 14.03.05
Regie: Louis-Pascal Couvelaire
mit: Sagamore Stévenin, Peter Youngblood Hills, Diane Kruger, Jean-Pierre Cassel, Lisa Barbuscia u.a.
"Nochmal"-Faktor: 1A-Actionsequenzen-Popcornkino
Unsere Wertung: 74 %
FSK: ab 12
Laufzeit: ca. 103 Min.
Sprachen und Tonformate: Deutsch & Französisch (Dolby Digital 5.1)
Bildformat: 16:9 (2,35:1)
Untertitel: Deutsch, Dt. zur Erklärung des Audiokommentars, Frz.
Extras:
• Audiokommentar von Louis-Pascal Couvelaire, Frz. m. dt. Ut.
• Making Of
• Im Cockpit (2 Rennrunden in Le Mans)
• Deleted Scenes
• Storyboardvergleich
• Musikclip
In "Michel Vaillant" durfte die Grande Nation die ganz großen Rennerfolge feiern, die ihr damals trotz einzelner Siege eines Beltoise, Arnoux oder Laffite noch versagt blieben. Die damaligen Comics waren, obwohl sie relativ steril und von der Ästhetik eines Arno Brekers geprägt waren, bald Kult, da man geschickt die real existierenden Rennfahrer jener Zeit einband. Doch wie sieht es mit der Realverfilmung aus?
Die Story der mit viel Aufwand gedrehten Fassung, bei der sogar Luc Besson ("Das fünfte Element") als großer Rennsportfan für das Drehbuch verantwortlich zeichnete, lehnt sich an den Grundstrang der klassischen Comics an und befördert ihn in die heutige Zeit.
Seit Jahrzehnten beherrschte der Zweikampf des französischen Familienclans der Vaillants, einst angeführt durch Vater Henri (Jean-Pierre Cassel, "Die Purpurnen Flüsse"), gegen das schurkische Team Leader des Hongkong-Chinesen Wong in der Rallye- und Sportwagenbranche die Motorsportszene. Doch nach dem Tode Wongs haben sich die Zeiten beruhigt.
Leider tritt nun dessen Tochter Ruth Wong (Barbuscia) auf den Plan, um bei dem prestigeträchtigen 24-Stunden-Rennen-von Le Mans Michel Vaillant (Stévenin) heraus zu fordern. Damit die Vaillants darauf eingehen, schreckt sie vor Sabotage, Mord und Kidnapping nicht zurück. Als Michels Freund und Kollege bei einem Sabotageunfall ums Leben kommt und Renault (Werbung Nr. 1) ihnen zwei brandneue Motoren zur Verfügung stellt, nimmt er mitsamt dessen Witwe Julie Watson (Kruger: "Hunting Party") den Kampf auf.
Was schon in der Vorgeschichte begonnen hat, wird bis zum packenden Finale konsequent durchgezogen: perfekte Autostunts und gestylte Bilder des Rennsports, bei denen man die Vergangenheit des Regisseurs als Werbefilmer der großen Autokonzerne Frankreichs in jeder Hinsicht bemerkt. Dabei wurde erstaunlicherweise weitestgehend auf die herkömmliche Computertechnik verzichtet, was um so mehr überrascht, da der Dreifachsalto eines Le-Mans-Prototypen, von denen man zwei verschiedene Modelle eigens dafür erworben hatte, in die Wipfel des Pinienwaldes kaum wiederholbar war.
Dahinter treten zwangsläufig die Schauspieler zurück. Der Hauptdarsteller sieht allerdings genauso spitzbübisch gallisch aus, wie man sich heute einen französischen Rennsportler vom Schlage eines Sarrazin oder Loeb vorstellen darf und entspricht auch seinem Comic-Vorbild. Die sonst eher schwache Diane Kruger ("Das Vermächtnis der Tempelritter") als Reinkarnation Julie Woods ist hier richtig besetzt und vermag den Stil der Vorlage zu treffen. Kein Wunder - auch Julie war damals eher die kühle Blonde vom fernen Stern.
Bild und Ton sind erstklassig. Wenn man aus der hochwertigen Kameraperspektive zwei komplette Le-Mans-Runden bei den Extras mitfahren darf, blickt man allein aufgrund des bärigen Sounds nur verächtlich auf die Onboard-Perspektiven bei Eurosport oder RTL herab. Im Juni 2002 erlaubten die Veranstalter eigens das Mitfahren der zwei "Kamerawagen" im Starterfeld, um eine möglichst authentische Atmosphäre zu erlauben.
Was einst Steve McQueen und Paul Newman in "Le Mans" gelang, ist auch hier angenehm zu sehen. Besser als "Driven" ist der Film in jedem Fall - und wenn er nicht die Güte eines "Grand Prix" erreicht, so liegt das nur daran, dass die Comic-Story einfach nicht mehr hergibt und alle Darsteller kaum die Klasse eines James Garner oder Yves Montaud haben können. Am ehesten vergleichen möchte ich den Film mit "Tage des Donners", wo das Rennspektakel um Tom Cruise auch nicht viel mit den richtigen Stockcarmotorsport zu tun hatte, aber ebenfalls leicht bekömmliche Kost ohne großen Anspruch bot.
Den komplett untertitelten Audiokommentar des Regisseurs sollte sich man sich in jedem Fall gönnen, da er mit vielen interessanten und amüsanten Details über den Dreh gespickt ist.
Meiner Meinung nach ist die komplett ausgestattete DVD vorzügliches Popcornkino für alle Rennsport- und Actionfans, die leichte Unterhaltung mit guten Stunts, mittelmäßigen Schauspielern, logischen Fehlern und Drehbuchschwächen akzeptieren können. Puristische Comicfans sollten ruhig einmal über ihren Schatten springen und den künstlerischen sowie inhaltlichen Wert der alten Michel-Vaillant-Serie ohne Nostalgie-Bonus unter die Lupe nehmen. (kh)
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