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Komödie
Rosen für den Staatsanwalt
geschrieben von Aleks_A am 14. Mai 2005
Eines der beschämendsten Kapitel des "Deutschen Wirtschaftswunders" ist die Leichtigkeit, mit der manche Mächtigen den sogenannten "Persilschein" bekamen. Plötzlich waren alle von Anfang an gegen das Dritte Reich gewesen und alle Opfer.
Unter denjenigen, die vielleicht nicht mächtig, aber auf jeden Fall notwendig waren, befanden sich Juristen, über deren Handeln unter Hitlers Regierung hinweg gesehen wurde, weil sie für das Funktionieren des neuen Systems (und gegen die "Roten") benötigt wurden. Zum Beispiel so mancher Staatsanwalt.
Rosen für den Staatsanwalt BRD 1959
Veröffentlichung: 22.03.05
Regie: Wolfgang Staudte
mit: Martin Held, Walter Giller, Ingrid van Bergen, Inge Meysel u.a.
1945: Wegen ein bisschen Schokolade soll Rudi hingerichtet werden. Schliesslich ist sein Verhalten wehrzersetzend und verhindert auf jeden Fall den Endsieg. So zumindest der Kriegsgerichtsrat (eine Art Staatsanwalt des Militärs) Schramm. Nur gut, dass kurz vor der Vollstreckung des Urteils ein feindliches Flugzeug mit seinem Angriff für genügend Verwirrung sorgt, dass Rudi unversehrt fliehen kann.
1959: Schramm ist jetzt Oberstaatsanwalt, und während er den Demokraten mimt, ist seine Gesinnung dieselbe wie damals - nur trägt er sie nicht offen zur Schau. Wie der typische Spießer der deutschen Wunderzeit ist er zu Hause herrschsüchtig, wettert gegen die "Negermusik" im Radio und terrorisiert seine Familie.
Währenddessen gewinnt Rudi Wetten mit der Tatsache, dass er offiziell tot ist - schliesslich unterschrieb Schramm seine Hinrichtungsbestätigung, bevor er vor dem Flugzeug floh - hat aber nicht viel Leben vorzuweisen. Er tingelt von Stadt zu Stadt und schlägt sich mehr schlecht als recht durch.
So kommt er in Hamburg an, wo Schramm aktiv ist. Der wiederum wittert Schwierigkeiten, sobald er Rudi sieht - holt ihn doch seine rechtsextreme Vergangenheit ein - und scheucht das System auf Rudi. Erst da wird Rudi jedoch auf Schramm überhaupt erst aufmerksam und bringt das ins Rollen, was der "neue Demokrat" Schramm vermeiden wollte. Doch wird der Kampf David gegen Goliath mit einem erneuten Sieg des Kleinen enden?
Witzig. Das ist der Film. Die Dialoge sind zwar teilweise spröde und klischeehaft - zumindest für uns heute - aber wenn man sich dieser Tatsache bewusst ist und damit leben kann, so entfaltet sich eine Posse, die sich mit guter Schauspielkunst auszeichnet, und die insgesamt interessant aufgestellt ist.
Charaktere wie Schramm gab's damals zuhauf, denn "Wendehälse" gab's zu jeder Zeit, und es wäre schön gewesen, wenn sie allesamt das Schicksal Schramms hätten erleiden müssen. Doch "unter den Talaren" roch es noch lange muffig, und wie "Das Urteil von Nürnberg" schön zeigt wurden nicht ein Mal alle hohen Juristen des Dritten Reiches belangt.
Der Ton auf der DVD ist erwartungsgemäss grell und stark mittig, der Film weist aber sonst ein äusserst sauberes Bild auf, wenn auch teilweise kortrastarm. Technisch gesehen ist diese DVD hervorragend aufgestellt. Als Extras gibt es leider nur Bildtafeln mit den Biographien.
Mir hat der Film gefallen, sobald ich mich an den für ihre Zeit typischen Dialog- und Schauspiel-Stil gewohnt hatte. Wenn euch Filme der 50er und 60er gefallen, die keine reine Klamotten sind, so solltet ihr euch diese Rosen antun. Der Duft ist noch nicht ganz verwelkt. (aks)
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