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Drama
Dem Himmel so fern
geschrieben von Aleks_A am 03. Dez 2003
Schöne, gute, alte Zeit?
Ja, es gab eine Zeit, in der Schwarze US-Bürger hinten im Bus fahren mussten. In denen es getrennte Klos für "Negros" und Weiße gab. Und in der es unmöglich für eine weiße Frau war, einem schwarzen Mann gegenüber freundlich zu sein. Sowas "tat man nicht".
Dem Himmel so fern USA, 2002
Veröffentlichung: 03.12.2003
Regie: Todd Haynes
mit: Julianne Moore, Dennis Quaid, Dennis Haysbert u.a.
"Nochmal"-Faktor: Niedrig bis mittel. Etwas fehlt in diesem Film, und ich bin mir nicht sicher, was es ist.
Unsere Wertung: 65%
FSK: ab 6. Manche Themen werden aber erst von Teenagern oder knapp jüngeren Zuschauern verstanden werden.
Extras: Trailer
B-Roll (ca. 10 Minuten Aufnahmen während des Filmens, lose und unkommentiert)
Filmographien ausgewählter Teammitglieder, meist mit Interviews
Produktionsnotizen - Texte zu Hintergründen des Films
Fotogalerie
In viele Clubs kam man nur rein, wenn man ein WASP war, eine "White Anglo Saxon Person", und meisten musste diese "Person" männlichen Geschlechts sein. Juden und auch Schwarze waren nicht gern gesehen. Und Herr McCarthy sorgte für ein sauberes Amerika.
Diese Zeit wird hier akribisch dargestellt und zugleich demaskiert.
Cathy Whitaker (Julianne Moore) ist das Musterbeispiel einer amerikanischen Frau. So sehr, dass sie als solche für die Werbung herhält, die ihr Mann Frank (Dennis Quaid: "The Day After Tomorrow") entwickelt, und so sehr, dass sie für das Lokalblatt interviewt wird. Ihr Pettycoat sitzt immer richtig, um die Kinder kümmert sie sich mustergültig, ihrem Mann steht sie treu zur Seite, ihre schwarze Köchin behandelt sie gut. "Negroes" gegenüber ist sie vielleicht etwas zu freundlich aber das ist ok. Sie ist ja schon im College aufgefallen, weil sie Juden gegenüber freundlich war. Naja, keiner ist perfekt, nicht wahr?
Doch das schöne Kartenhaus wird bald in sich zusammen fallen. Erste Anzeichen sind eine Anzeige gegen ihren Mann wegen Trunkenheit am Steuer. Als sie ihn dann im Büro trifft, amüsiert er sich gerade mit jemand anderm - einem Mann.
Frank begibt sich in medizinischer Behandlung, um "die Probleme" lösen zu können, und in mitten dieser auseinander fallenden Welt findet Cathy einen sympathischen und aufmerksamen Zuhörer in ihrem Gärtner Raymond Deagan (Dennis Haysbert), der - schluck - schwarz ist. Studiert und Witwer ist er auch noch. Bald jedoch wird die Gerüchteküche in ihrer Kleinstadt aus der Freundschaft zwischen Cathy und Raymond weitaus mehr machen. Und ob Franks "Behandlung" Fortschritte macht ist auch nicht ganz klar...
Regisseur Todd Haynes und sein Team haben die 1950er mit akribischer Energie in diesem Film wieder zum Leben erweckt. Sogar die Farben im Film erinnern stark an einem Technicolorfilm. Schnell wird uns durch die Objekte, die Werbung und das Verhalten der Akteure klar, wie weit diese Welt (kaum 45 Jahre her) von der unseren ist. Eine Welt, in der Homosexualität "behandelt" wird (wenn nötig mit Elektroschocks), schwarze und weiße auf Distanz zueinander bleiben, und die Hausfrauen überrascht kommentieren, dass ein Ehemann mehr als ein Mal in der Woche mit seiner Frau schläft.
Neben der detaillierten Produktion seien noch die hervorragenden Schauspieler erwähnt, die diesem Film viel seiner Energie geben. Julianne Moore ist hier zwar nicht so gut wie in "The Hours", aber sie ist immer noch sehr gut. Dennis Quaid muss sich mehr anstregen, aber auch er spielt seine Rolle des zwischen seinen Gefühlen und seinen Eheversprechen aufgerieben Ehemanns hervorragend. Und Dennis Haysbert hätte schlechtere Schauspieler mit seiner außerordentlich pointierten Rolle glatt gegen die Wand gespielt. Es ist eine Wonne, ihn und Julianne Moore das ungleiche Paar spielen zu sehen, das gegen den Strom die Freundschaft aufrecht hält.
Und doch fehlt dem Film irgend etwas. Die Farben sind etwas zu bunt und stören nach einiger Zeit, die Geschichte wirkt abgeschnitten. Und die Musik, so schön sie komponiert ist, steht der Geschichte und den Szenen mit übertriebener Melodramatik im Wege.
Mir ist klar, dass Haynes die Melodramen eines Douglas Sirks mit Rock Hudson zitiert, und dass sich der Film entsprechend wie eines dieser Melodramen anfühlen muss, weniger wäre aber wahrscheinlich in diesem Fall mehr gewesen. Und was für die Musik gilt, gilt auch für die Bearbeitung der Farben und es gilt auch für all die Details, die in diesem Film den Eindruck erwecken, als seien sie so platziert, dass man unbedingt und unweigerlich denken muss, dass der Film Detailverliebt ist.
Letztendlich gewinnt man den Eindruck, dass dieser Film als intellektuelle Fingerübung hergestellt wurde, damit man eben all das schreibt und sagt, was ich auch geschrieben habe. Er ist unfähig oder unwillig, den Zuschauer in dem Film einsinken zu lassen. Der Film ist wie diese Kinder, die auf sich aufmerksam machen wollen, indem sie 50 Mal dasselbe sagen (und die man entsprechend besser ignoriert, sonst hören sie mit dem Generve nie auf).
So bleibt am Ende ein perfekt inszenierter Film mit klarer Aussage, in dem man nicht einsinken kann. Doch schon wegen der schauspielerischen Leistungen lohnt ein Blick in diesen Film. Und vielleicht kommt ihr besser mit der Distanz dieses Filmes zu seinen Zuschauern. Im Übrigen lohnt es sich, die Originalversion zu hören. Hier kommen die Doppeldeutigkeiten und die erzwungenermaßen kodierte Sprache besser zu Geltung. (aks)
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