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Thriller
Fargo
geschrieben von klaus_h am 19. Jul 2005
Missglücktes Kidnapping in Minnesota
Es gibt Filme, deren Figuren und Geschichte man nie vergisst, und die man immer wieder gerne sieht. Viele Filme des Regisseur/Autoren/Regisseur bzw. Gebrüdergespanns Joel und Ethan Coen ("Arizona Junior", "No Country for Old Men", "Bad Santa") gehören dazu. Sowohl die Hauptdarstellerin als auch das Drehbuch dieses ungewöhnlichen Thrillers wurden mit einem Oskar sowie einer Goldenen Palme in Cannes für die beste Regie preisgekrönt. Jetzt ist es Zeit, diese Perle des Kinos in einer aufbereiteten DVD ins Archiv zu holen.
Fargo
USA, 1996
Veröffentlichung: 20.07.05
Regie: Joel und Ethan Coen
mit: Frances McDormand, William H. Macy, Steve Busemi, Peter Stormare, Harve Presnell, John Carroll Lynch
"Nochmal"-Faktor: immer wieder gerne
Unsere Wertung: 94 %
FSK: 16
Laufzeit: 96 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch, Englisch Dolby Digital/DTS 5.1
Bildformat: 16:9, 1.85:1
Untertitel:Englisch, Deutsch, farbige Untertitel für Gehörlose
Extras:
• Interviews mit den Coens u. d. Darstellern (alles ohne UT)
• Behind the Scenes (drei verschiedene Schlüsselszenen)
• Filmographien
• ausführliche Produktionsnotizen
• farbige Untertitel für Gehörlose
• CD-ROM Part
Vollkommenes Weiß. Plötzlich erkennt man in dem Schneegestöber der unendlichen leeren Ebene Minnesotas, die sonst nur von dem dünnen Grau des Horizonts und des Highways unterbrochen wird, einen einsamen Wagen, der auf einem Anhänger einen Neuwagen in das Provinznest Fargo im benachbarten North Dakota transportiert. Am Steuer ein verkrachter Autoverkäufer (Macy: "E.R.", "Born to be Wild", "Wool cap", "Amok - He Was a Quiet Man"), der in einer schäbigen Bar zwei skurrile Kriminelle für einen merkwürdigen Coup anheuert.
Da Jerry Lundegaard selbst in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist, seinerseits aber seinen reichen Schwiegervater (Presnell: "Pretender"), der zugleich sein Chef ist, nicht fragen möchte, sollen die nervöse Quasselstrippe Carl Showalter (Buscemi: "Reservoir Dogs") und der brutale Schweiger Gaear Grimsrud (Stormare: "Dancer in the Dark", "Prison Break", "Chocolat", "Horsemen") seine Frau entführen. Das Lösegeld soll an ihn selbst, der Neuwagen an die beiden Entführer gehen.
Das eigentliche Kidnapping gelingt auch - aber danach entwickelt sich ein Chaos, dass für fast alle Beteiligten in Tod oder Wahnsinn enden wird. Denn bei einer Polizeikontrolle erschiesst Grimsrud die argwöhnische Polizeistreife und zwei Augenzeugen. Am nächsten Morgen sind die maulfaulen Polizisten der ländlichen Umgebung angesichts des Massakers gründlich verstört - bis auf ihren sehr ungewöhnlichen Sheriff. Denn Marge Gunderson (McDormand) ist im siebten oder achten Monat schwanger, bauernschlau und höchstens durch ihre Fressattacken aus der Ruhe zu bringen. Schritt für Schritt, unbeirrbar bleibt sie den Tätern auf der Spur. Aber ist sie den Killern auch physisch gewachsen?
Vor bald zehn Jahren waren die Kritiker über diese ungewöhnlichste Wahl zur Verbrechensaufklärung begeistert. Dabei beruht der Fall auf wahren Begebenheiten. Für die Gebrüder Coen war es zudem eine Herzensangelegenheit, einmal einen Film in jener Gegend zu drehen, in der sie selbst aufgewachsen sind und die sonst nicht gerade in Filmen "besungen" wurde. Denn Minnesota gilt mit seinen endlosen Agrarflächen und Prärien in den Staaten als die Inkarnation der Langeweile und der Begriffsstutzigkeit. Somit setzten sie den lakonischen Redewendungen ihrer steiflippigen Landsleute ein filmisches Denkmal, das insbesondere im Originalton doppelt amüsant wird.
Alle Darsteller spielen in Höchstform, die Kameraeinstellung sind vielleicht nicht ganz so stilisiert wie in früheren oder späteren Werken, aber das Timing und vor allen Dingen die Dialoge selbst der Nebendarsteller (Zeugenaussage des Barmanns!) sind derart brilliant, dass Fargo zu meinen persönlichen Lieblingsfilmen gehört.
Bei den Extras fehlt vielleicht der Audiokommentar der Regisseure, aber ansonsten wird einem schon einiges geboten, wobei die verschiedenen Behind the Scenes-Einstellungen offenbaren, wie ökonomisch die Coens im reellen Winter (!) ihren Film abgedreht haben. Leider sind die Extras nicht untertitelt, dafür ist aber zu loben, dass es farbige und detailliertere Untertitel für Hörgeschädigte gibt. Eine Kleinigkeit irritierte mich dann doch: Während sonst die DVDs in 9 bis 12 Kapitel zur besseren Auffindung von Szenen aufgeteilt sind, findet man hier lediglich fünf Kapitel, was kein großer Beinbruch ist, aber mir nicht ganz so benutzerfreundlich scheint.
Wer schräge Filme oder spannende Thriller mit schwarzem, doppelbödigem Humor liebt, der sollte sich Fargo in dieser überarbeiteten Version in jedem Fall gönnen. Denn in Coens Filmen gibt es derart viele Details, dass man bei jedem Betrachten neue Hingucker erlebt. (kh)
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