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Krimi
CSI: Miami - Season 2.1
geschrieben von klaus_h am 15. Okt 2005
Miami Twice
Was waren die meisten Zuschauer nicht alle in den späten 80er-Jahren von "Miami Vice" begeistert: Dank Michael Manns cooler Optik, rasanter Action und fremdartigem Flair neben einnehmenden Hauptdarstellern bescherte sowohl Don Johnson einen Karrierekick, den selbst er nicht erwartet hätte, als auch den Produzenten Traumquoten. Als man bei den CSI-Machern des Originals nach einem neuen Schauplatz suchte, fiel die Wahl wohl nicht umsonst auf die schillernde Metropole Floridas. Doch erreicht diese Serie das hohe Niveau des Teams aus Las Vegas?
CSI: Miami - 2.1
USA 2003/2004
Veröffentlichung: 10.10.05
Regie: Diverse
mit: David Caruso, Emily Procter, Khandi Alexander, Rory Cochrane, Adam Rodriguez u.a.
"Nochmal"-Faktor: Originale zählen mehr
Unsere Wertung: 55 %
FSK: ab 16
Laufzeit: ca. 516 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Englisch Dolby Digital 2.0 und 5.1
Bildformat: 16:9, 1:85,1
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: • Audiokommentar zu 5 Episoden
• Hinter den Kulissen: Erklärung der technischen Ausstattung durch die forensische Betreuerin der Serie
Als Hauptdarsteller wählte man nicht ungeschickt David Caruso als Horatio Caine aus, der in NYPD beste Kritikernoten bekommen hatte, aber im Filmbusiness trotz ansprechender Leistungen in z.B. "Kiss of Death" und weniger guter in "Jade" ein glatte Bauchlandung hingelegt hatte. Bisher glaubte ich, dass Caruso einfach nur dem Fluch unterliegen würde, dass Hollywood nach James Cagney und Red Skelton einfach keine blassen, rothaarigen Schauspieler mehr haben möchte. Doch in CSI - Miami erkenne ich den guten Serienschauspieler von einst kaum wieder - ohne besondere Qualitäten aufzuzeigen, verströmt er eine anmaßende Kotzbrocken-Arroganz, die jegliche Selbstironie und Charisma eines William L. Petersen vermissen lässt.
Ironischerweise hat man ausgerechnet ihm mit Klaus Jepsen einen der versiertesten deutschen Synchronsprecher verordnet, der damals schon dem Inspektor Tubbs in Miami Vice seine Stimme lieht. Bleiben wir bei den Stimmen. Das blonde Waffen-Fetischismus-Ermittlerchen, Emily Procter als Calleigh, darf man sich hingegen nicht im Original antun: Ein derartiges Piepstimmchen habe ich schon lange nicht mehr gehört.
Überhaupt ist die gesamte Crew saft- (Cochrane als Speedle) und kraftlos. Die Pathologin Woods, gespielt von der Afroamerikanerin Khandi Alexander, die schon in ER die Schwester Dr. Bentons gab, nervt neben den oft bemängelten Dialogen mit den Toten auch hier mit Schlafzimmerblick und traniger Darstellungsweise, was besonders aufgesetzt wirkt, wenn sie ausnahmsweise wie in der Episode "Grand Prix" einem smarten Rennfahrer hinterherhechelt. Auch hier vermisse ich jeglichen treffenden Humor oder das geringste Anzeichen von Privatleben und menschlichen Regungen.
Bei den Ermittlungen wird ein erstaunliches Maß an Unprofessionalität gezeigt. So z.B. wenn Verdächtige, bei denen die Beweise noch nicht einmal sicher feststehen, im Vieraugengespräch als schuldig beschimpft werden - etwas, was Grissom jedem aus dem eigenen Team verbieten und selbst nur in philosophischen Anspielungen bringen würde. In Las Vegas lügen die Beweise nicht, hier in Miame trügen wohl die scheinbaren Gefühle nicht.
Bei den Stories gibt es erschreckende Logikfehler und konstruierte Zusammenhänge sowie reihenweise Filmfehler. In "Blutsbrüder" konstruiert man eine diplomatische Immunität für die Söhne eines obskuren Potentaten aus dem vorderen Orient namens Barucco unter deren Schutz beide einen Mord begangen haben. Jener diplomatische Schutzwall hätte man nur gewährt, da der Vater der beiden Foltercamps für Iraner und Afghanen im Dienste der USA betreiben würde. HALLO? Wie schlecht war denn der Stoff, den dieser Drehbuchautor bei der Arbeit geraucht hat?
Die anschließende Auflösung des Falls strotzt auch vor Fehlern. Niemals würde selbst eine befreundete Macht wie die Bahamas einem amerikanischen Angehörigen der Exekutive gestatten, bei einer Verhaftung auf hoher See anwesend zu sein. Da müssten die Drehbuchautoren von CSI Miami noch einmal das Völkerrecht studieren. Als "schönsten" Filmfehler sah ich dann, da hier Hochseeangeln der Verdächtigen suggeriert werden sollte, das Fehlen des Bootsmannstuhls, der passenden Angelutensilien, eines falschen Bootstyps und das gute Erkennen weiterer Schiffe und einer Landzunge im Bildhintergrund an. Diese Episode war aus meiner Sicht ziemlich baden gegangen.
Selbst die optisch ansprechende Folge "Grand Prix" um das Machtgerangel innerhalb eines Cartrennstalls, dem ein Mechaniker im Methanolfeuer grausam zum Opfer fiel, wird leider durch einen fatalen Konstruktionsfehler des Drehbuchs geschwächt. Seit wann sind denn erfolglose Rennställe attraktive Werbepartner für große Sponsoren? Außerdem würden derart plumpe Manipulationen an den Turbobegrenzern schon bei den technischen Behörden auffallen.
Generell scheint es die Optik zu sein, auf die sowohl die Macher der Serie als auch das Fanpublikum abfahren. "CSI - New York" ist den meisten zu düster und grausam. "CSI - Las Vegas" war für diejenigen, die den Trend zu spät erfassten, in der Entwicklung der Charaktere schon zu weit fortgeschritten. Aber für mich hat "CSI - Miami" weder Esprit, Charme, noch Humor und vor allen Dingen keinen Charakter, der die Serie trägt. Schade, denn die Optik ist dank der guten Kameraleute, Setdesigner, Special-Effects und Regisseure gewohnt ansprechend.
Als Extras winken immerhin fünf Audiokommentare, die allerdings zum Teil derart lustlos durchgeführt werden und sich im Aufsagen von Allgemeinplätzen ergehen, dass einem die Lust zum Zuhören vergeht. Denn teilweise sind sie an der Grenze des Unverständlichen dahingenuschelt. Die Exkurse der Forensikerin sind leider in viele kleine Unterkapitel (z.B. Enhanced Video) von rund 40 Sekunden aufgesplittet und erschöpfen sich mehr in einer Auflistung, denn in einer ansatzweisen Erklärung.
In meinen Augen besticht nur das Original - warum sollte ich mich mit einer mittelmäßigen Kopie zufrieden geben, die keine guten Inhalte zu liefern hat? (kh)
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