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Horror
Die Herren Dracula
geschrieben von klaus_h am 18. Okt 2005
Bissiger Humor
In den 1970er-Jahren war die Blütezeit des Horrorfilms. 1972 stellte dieses Genre mit allein 189 Produktionen den Löwenanteil der Filmindustrie. Damit war allerdings auch schon der Zenit erreicht. So war es nur eine Frage der Zeit, dass wirkungsvolle Parodien auftauchten. Da Dracula immerhin die meistverfilmteste Horrorfigur war, wundert es nicht, dass der französische Komödienspezialist Edouard Molinaro ("Ein Käfig voller Narren") sich diesem Thema zuwandte. Als besonderen Coup konnte er Christopher Lee ("Der Herr der Ringe", "In einem Sattel mit dem Tod", "1941", "Palast der Winde") als Hauptdarsteller verpflichten, der zum damaligen Zeitpunkt als der beste Darsteller des blutleeren Herren aus Transsylvanien galt.
Die Herren Dracula
Frankreich, 1976
Veröffentlichung: 17.10.05
Regie: Edouard Molinaro
mit: Christopher Lee, Bernard Menez, Marie-Hélène Breillat, Catherine Breillat, Mustapha Dali, Albert Simono
"Nochmal"-Faktor: Alle paar Jahre
Unsere Wertung: 77 %
FSK: 14
Laufzeit: ca. 94 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch, Französich Dolby Digital 2.0
Bildformat: 4:3
Untertitel: Deutsch, Französisch
Extras: Fehlanzeige
"Ferdinand, man spielt nicht Kegeln mit der Urne seiner Mutter!", ermahnt Graf Dracula sein missratenes Söhnchen. Damit haben wir auch gleich die witzige Ausgangssituation des alleinerziehenden Grafen. Denn Armand hat zwar wohl alle teuflischen Ambitionen seiner Familie geerbt (der Fünfjährige findet nichts daran, das garstige Kindermädchen ins Sonnenlicht auszusperren). Aber gleichzeitig soll er sich als unfähig erweisen, irgendjemand zu beissen und hängt nach 150 Jahre als junger Mann immer noch am Kinderfläschchen.
Allein dies ist schon witzig eingefangen und spart auch nicht an Gruseleffekten, bei der man den schmalen Grat zwischen Horror und Witz mehrfach gut ausbalanciert. Als jedoch kommunistische Jungscharen im Swinging Rumänien ins gräfliche Schloss einfallen, erweisen sich selbst gekreuzte Hammer und Sicheln als ebenso gute Mordinstrumente gegen Vampire wie Kreuze. Ein Gag, der mir schon immer gut gefallen hatte. Bei der Flucht per Schiff werden Vater und Sohn getrennt.
Während Armand in Frankreich im untersten Milieu strandet und nur bei algerischen Fremdarbeitern eine menschliche Behandlung erfährt, während er sich mit diversen Nachtarbeiten als Nachtwächter, in einem Leichenschauhaus oder einem Schlachthof durchfristet, macht Papa mehr zufällig die große Filmkarriere als - na, was wohl! - Draculadarsteller. Wie passend, dass er dabei einige abgefahrene Starlets anzapfen darf, die seinem sexuellen Charisma verfallen sind.
Als beide in Frankreich bei Dreharbeiten zusammentreffen, ist die Wiedersehensfreude groß, doch durch die attraktive Zahnpasta-Kampagnenleiterin Nicole (Marie-Hélène Breillat), die den Vater an Armands Mutter (Catherine Breillat) erinnert und in die sich auch der Sohnemann (Ödipus-Komplex!) alsbald verliebt, entbrennt ein interessanter Vater-Sohn-Konflikt um die Gunst der Dame, in der alle Register des Genre gezogen werden.
Dank einer recht frühen Nachbearbeitung des ZDF war der Film seinerzeit schon in den 70er-Jahren im TV zu sehen gewesen, wo er mir bereits gefallen hatte. Die verstärkte Sozialkritik (nur die "Pieds noir" sind wahrhaft human, Ausbeutung von Randgruppen), das oberflächliche Gebahren der Film- und Werbebranche sowie der erotische Touch war mir damals noch entgangen, aber die Situationskomik um den eigentlichen Vampirstoff macht ihn allein schon sehenswert. Wobei auf Spezialeffekte bewusst verzichtet wurde. Auch die vielfachen erotischen Anspielungen und Ausformungen waren für die damalige Zeit etwas gewagt, fanden aber in der attraktiven Hauptdarstellerin, die sich später einen Namen als Drehbuchautorin erotischer Filme machen sollte, einen glaubhaften Hintergrund.
Einziges Manko des Films ist die Bildsprache, bei der bei allen "historischen" Szenen, die im 18. Jahrhundert spielen sollen, Molinario übermäßig Weichzeichner-Effekte eingesetzt hatte. Dies wirkt schon etwas aufgesetzt. Im Zusammenspiel mit den harten Bildbearbeitungsmethoden der 80er-Jahre hat sich aber dieser Effekt leider bis zur überzogenen Unschärfe verstärkt. Auch wirkt im Ton das Center-Doppelmono mit etwas grausligem Echo zum Teil übertrieben.
Alles in allem ist der Film eine wundervolle Parodie auf das Genre, witzig, ironisch und leicht verdorben, mit einem gut aufgelegten Lee, der wie in "1941 - Wo bitte geht's nach Hollywood" ohne Übertreibungen sehr komisch wirkt und fast im Alleingang den Film trägt. Der Ferdinand-Darsteller Menez wirkt im Vergleich dazu etwas blass. So glaubt man eigentlich nicht, dass die sehr anziehende Breillat ihn dem Vater vorziehen könnte. Neben dem überragenden "American Werewolf" ist der Film für mich die beste Horrorkomödie dieser Ära und bei weitem besser als alle schrecklich bemühten Scary-Movies der Jetztzeit, die im Vergleich zu beiden noch nicht einmal einen Erotikpunkt machen können. Besonderes Schmankerl ist auch die stimmige Filmmusik von Vladimir Cosma.
Wer also ein Fan von Horrorfilmen und Komödien ist, sollte sich die DVD auf jeden Fall ausleihen oder gar kaufen. Aufgrund der heutigen Senderpolitik wird er wahrscheinlich nur unter Verlust sämtlicher sexueller Anspielungen schrecklich geschnitten im Fernsehen auftauchen, nach dem er 30 Jahre in der Stille eines Archivs begraben war. (kh)
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Wie können sie nur so gut über Frauen schreiben? - Ich stelle mir einen Mann vor und subtrahiere Verstand und Zurechnungsfähigkeit. Besser geht's nicht