Folge uns über twitter
RSS Feed: DVDmaniacs.de auf den Desktop oder auf eure Site
Science Fiction
Equilibrium
geschrieben von Aleks_A am 01. Okt 2003
Rasante Dystopie
Viel hatte ich schon in der Fachpresse über diesen Film gelesen. Überschwängliche Lobeshymnen ergießen sich über "Equilibrium", die Augen der Fans werden glasig, von "Matrix" ist die Rede, von "Gattaca" und von "1984". So war es keine Frage für mich, als Highlight uns anbot, den Film zu bekommen. Klar wollten wir wissen, was die Kollegen denn so ekstatisch macht. Was ist "Equilibrium" denn für ein Film?
Equilibrium USA, 2002
Veröffentlichung: September 2003
Regie: Kurt Wimmer
mit: Christian Bale, Taye Diggs, Emily Watson, Dominic Purcell, Sean Bean u.a.
"Nochmal"-Faktor: Mittel. Außer den Kommentaren und dem Film an sich gibt es keinen Grund
Extras: zwei Audiokommentare, Infos zum Team, "Blick hinter die Kulissen", Trailer
Equilibrium ist keiner der genannten Filme - und doch mehr. Und er hält den Vergleich stand. Von der Ruhe her, die den Film meist begleitet (und teilweise auch von den Farben her), ist es "Gattaca". Von der rasant gefilmten Action her, ist es "Matrix". Das Konzept wiederum erinnert an "Fahrenheit 451".
In einer zukünftigen Welt werden Gefühle verboten, sind sie doch für das Üble in der Welt verantwortlich. Die Bevölkerung von "Libria" - die letzten Überlebenden des dritten Weltkriegs - muss regelmässig die Droge "Prozium" zu sich nehmen, um jegliche Gefühlsregungen zu unterbinden. Wer sich dem entzieht und sich den eigenen Gefühlen ergibt, wird entweder erschossen oder darf in einer Zelle auf den baldigen Tod durch Verbrennung warten.
Diese Gesetzesbrecher (und die Untergrundbewegung, die diese Menschen unterstützt) werden von den "Klerikern des Tetragrammaton" aufgespürt und bekämpft. Das sind körperlich durchtrainierte Ermittler, von denen die Besten durch Empathie die Gegner des Systems aufspüren.
Einer der absolut Besten ist der Kleriker John Preston (Christian Bale, den wir unter anderem als gefühllosen und mörderischen Yuppie in "American Psycho" geniessen durften). Er beherrscht die Gun Kata perfekt, den wissenschaftlich ermittelten Bewegungsablauf, der einem kämpfenden Kleriker erlaubt, ohne einen Kratzer den bewaffneten und unbewaffneten Kampf zu überleben, während die Zahl der Toten auf der Gegenseite maximiert wird.
Wir lernen diese Welt in dem Moment kennen, in dem John Preston erste Zweifel über das System heimsuchen. Er versucht, den Untergrund zu kontaktieren und die für ihn neue Welt der Gefühle zu erforschen. Und dabei darf er nicht erwischt werden. Wird er es schaffen, das System zu zerstören und der Welt die Gefühle zurückzugeben, die Menschen zu Menschen machen?
Bis wir die Antwort dazu erfahren, werden wir rasante, hervorragend inszenierte und genau richtig eingebrachte Action-Szenen durchleben, die Gefühlswelt von John Preston und einigen der Menschen um ihn kennen lernen und am Ende, blinzelnd, zurück in unsere Welt kommen. Für einen Film, dessen Welt so gefühlsarm ist, erweckt die Geschichte eine Menge Gefühle. Wow, what a ride!
Was diesen Film in meinen Augen besser macht als Matrix ist, dass der Hauptdarsteller ein Schauspieler ist. Wir erfahren dank Christian Bale wie jemand sich fühlt, der zum ersten Mal in seinem Leben Gefühle erlebt. Wie sein Herz und seine Seele beben, als er Beethoven hört und als er Farben erlebt (Die Welt von Libria lebt in schwarz, weiß und Grautönen). Auch die anderen Schauspieler (der für viele unbekannte, aber gute Taye Diggs, Sean Bean, die wunderbare Emily Watson und der Junge Matthew Harbour als Prestons Sohn unter vielen anderen) geben ihr Bestes, um uns in die Geschichte hinein zu ziehen.
Die Choreographien sind genau so gut wie bei Matrix (und der Regisseur schwört, er hat nirgendwo Cable-Fu benutzt), die Kamera und der Schnitt auch. Besonders das Finale ist rasant inszeniert und atemberaubend choreographiert. Mich verwundert sehr, dass dieser Film (zumindest meiner Kentniss nach) nie in unsere Kinos kam. Schade eigentlich. Dieser mit guten Filmen spärlich gesähte Sommer 2003 hätte Platz dafür gehabt.
Ok. Ok. Ihr wisst jetzt, dass wir mit den Kollegen in einer Reihe tanzen, was unsere Faszination für den Film angeht. Doch lohnt sich der Kauf der DVD? Bild und Ton sind hervorragend. Die Welt (und der Schock) der Farben bei den "Kriminellen" gegenüber der grauen Welt von Libria kommt deutlich rüber, die Details sind wunderbar skizziert. Die Tonmischung zieht einen mitten rein ins Geschehen und lässt weder in den lauten noch in den leisen Passagen nach. Ein Lob dafür, wie hier Surround eingesetzt wird, um die Atmosphäre rüber zu bringen.
Und die Kommentare (einmal von Regisseur Kurt Wimmer und einmal von Regisseur und Produzenten) sind interessant. Ich erfuhr, wieso es gut ist, dass die Darsteller in einem Action-Film tänzerische Ausbildung haben. Dass schwarzer Fußboden keine Freude macht (muss ich die Pläne für meine Wohnung eben ändern...) und habe das Geständnis des Regisseurs, sich von den oben genannten Filmen inspiriert zu haben und sogar von "Triumph des Willens".
Die Kommentare sind leider nicht untertitelt, aber das Englisch ist sauber und verständlich. Meines Erachtens kommt man mit Schulenglisch gut zurecht. Da in beiden Fällen der Regisseur mit von der Partie ist, wiederholen sich manche Informationen. Aber das hat nicht besonders gestört. Ich bekam genügend neue Details erzählt. Stören tun manchmal die Übersetzung in den Untertiteln und in der Synchronisation. Sie ist nicht vollkommen sauber, bleibt jedoch in der Regel halbwegs beim Thema. Die Sinnentstellungen halten sich im Rahmen und verändern die Geschichte nur minimal. Trotzdem sind sie nicht sauber.
Leider ist der "Blick hinter die Kulissen" eher ein verlängerter Video-Appetizer als ein "Making of" wie z.B. bei "Three Kings" und bringt kaum neue Erkentnisse. Es mag am knappen Budget liegen, dass man bei diesem Film nicht wie heute üblich eine "Making Of"-Crew mit am Set hatte. Schließlich ist dieser Film, was das Budget betrifft, eher ein B-Movie. Dass man es dem Film nicht ansieht, wertet die Arbeit der Beteiligten auf.
Also noch ein Mal die Frage: Lohnt der Kauf der DVD?
Ich werde mir den Film öfter antun, die Kommentare sind beim ersten Mal interessant, und wahrscheinlich auch noch das zweite Mal. Leider machen der Rest der Extras "den Kohl nicht fett", so dass ich hier schwanke. Wen der Film so beeindruckt, wie er mich beeindruckt hat, sollte sich tatsächlich die DVD kaufen. Der Film ist immer gut für ein schönen Videoabend und sollte, wie "Gattaca" oder "Matrix", immer wieder für Spaß und Unterhaltung sorgen.
Wer wiederum den Film nur als "nett" ansieht, der ist mit einem Mal bedient, wird ihn aber sicher in guter Erinnerung behalten. Aber das war's dann auch. Während die DVD also keine besonderen Maßstäbe setzt, so tut es der Film (inklusive der technischen Werte) allemal. (aks)
Wissenswertes:
Das Gedicht, das Partridge in der Kirche liest, stammt von William Butler Yeats