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Abenteuer
Der Graf von Monte Christo
geschrieben von klaus_h am 07. Dez 2005
Die Geschichte einer Rache
Es gibt Geschichten, die werden dutzende Male verfilmt, weil sie den Stoff für einen sehenswerten Film hergeben. Alexandre Dumas hat dies gleich mehrfach geschafft: Zum einen mit "Die drei Musketiere" zum anderen mit dieser spannenden Geschichte um den als Opfer einer Intrige im Gefängnis schmachtenden Edmond Dantès, der nach 17 Jahren ausbricht und Rache an seinen ehemaligen Freunden für ein verlorenes Leben nehmen möchte. Dabei ist die hier vorliegende Verfilmung mit Louis Jourdan ("Gigi") sicherlich eine der gelungensten Umsetzungen.
Der Graf von Monte Christo
Frankreich 1961
Veröffentlichung: 24.10.05
Regie: Claude Autant-Lara
Darsteller: Louis Jourdan, Pierre Mondy, Bernard Dhéran, Jean-Claude Michel, Yvonne Furneaux u.a.
"Nochmal"-Faktor: ein typischer Sonntag-Nachmittagfilm mit angenehmer Nostalgie
Unsere Wertung: 75 %
FSK: 12
Laufzeit: 137 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch, Französisch Dolby Digital 2.0
Bildformat: 16:9, 2.35:1
Untertitel: Deutsch, Französisch
Extras: Frz. Originaltrailer
Die zugrundeliegende Story wird den meisten Lesern zwar bekannt sein, aber dennoch für diejenigen, die sie noch nicht kannten:
Der junge Kapitän aus Marseille Edmond Dantès wird am Tag seiner Verlobung mit Mercédès (Furneaux) das Opfer einer beispiellosen Intrige. Wir schreiben das Jahr 1814, Napoleon ist auf der Insel Elba gefangen und in Frankreich geht der Kampf zwischen den nun zu verfolgenden Bonapartisten und Royalisten hinter den Kulissen weiter. Ausgerechnet Edmonds bauernschlauer Freund Caderousse (Mondy, Fisch oder Fleisch) steckt ihm im Komplott mit dem ebenfalls befreundeten Major Fernand de Morcerf (Michel) einen Brief zu, der an einen Bonapartisten adressiert ist.
Bei Caderousse ist es die Geldgier, bei de Morcerf der Wunsch seine alte Liebe Mercédès ganz für sich allein zu gewinnen. Der dritte der Verschwörer ist der Untersuchungsrichter Henri de Villefort (Dhéran), ohne den die Inhaftierung ohne Prozess gar nicht funktionieren kann. Denn der Brief ist ausgerechnet an dessen Vater adressiert, sodass Villefort ein brennendes Interesse daran hat, mit diesem Schriftstück nicht kompromittiert zu werden. Folglich landet der unschuldige Dantès klammheimlich auf der berüchtigten Gefängnisinsel des Chateau d'If und das Indiz im Feuer.
Für die folgenden 17 Jahre ist Edmond bald dem Wahnsinn nahe, bis es dem Abbé Faria gelingt, durch einen Fluchttunnel zu ihm zu stoßen. Als väterlicher Freund offenbart er Dantés vor seinem Tod das Vermächtnis des ungeheuren Schatzes von Monte Christo, den Edmond von nun als Mittel zum Zweck gegen seine ehemaligen Freunde sieht. Im Leichensack des Freundes gelingt ihm die Flucht - und fortan lebt dank seiner finanziellen Mittel dank gekauftem Adelsprädikat als Graf von Monte Christo nur für die ausgeklügelte Rache an seinen Peinigern. Denn de Morcerf hatte in der Zwischenzeit seine Braut geheiratet und Karriere gemacht.
Dumas der Ältere war seinerzeit durch einen Zeitungsartikel über einen ähnlichen Fall auf die Idee gekommen, eine sinnhafte, aber spannende Geschichte über Freundschaft, Gewissen, Rache und Vergebung zu verfassen, die von nun zum Synonym für Rache werden sollte. Ironischerweise war es dem reellen Vorbild des Edmond einst nicht gelungen, auch den letzten seiner Gegner zu töten, aber Dumas ging es schließlich mehr um den moralischen Konflikt und dessen Auflösung, in dem sich alle Beteiligten befinden.
Was mir an dieser Verfilmung sehr gut gefiel, war die Inszenierung, die sich ausreichend Zeit für die Entwicklung der Charaktere und ihrer Motive nahm und die farbenprächtige, historisch genaue Ausstattung des gesamten Werkes. Jourdan spielt sowohl den jungen, naiven wie auch den frühzeitig gealterten Dantès sehr glaubhaft, wie auch Bernard Dhéran als opportunistischer Richter geradezu aus einem Gemälde des frühen 19. Jahrhunderts entsprungen scheint. Pierre Mondy spielt den skrupellosen Gewaltmenschen Caderousse entgegen seinen üblichen meist komischen Rollen blendend, während die Mercédès-Darstellerin wie in allen übrigen Verfilmungen auch erschreckend blass daher kommt.
Doch das beste an diesem Film sind die herrlich pointierten Dialoge, die einen wunderbaren Zitatschatz abgeben. "Solange man ein Gewissen hat, sollte man ehrlich bleiben," ist nur eines dieser Beispiele, wo man fast zum Stift greift, um sich eine entsprechende Notiz zu machen. Die Bildqualität ist für einen Film dieses Alters sowohl von der Farbe als auch vom Filmschmutz her sehr ansprechend, wobei noch zusätzlich zu würdigen ist, dass damals die Blenden über weitaus mehr Frames gingen und somit Farbsprünge oft der Fall waren. Leider kommt insbesondere die deutsche Tonqualität damit nicht mit. Zwar war die damalige Synchronisation sehr treffsicher, aber die im Original gute Athmo wurde in der deutschsprachigen Fassung schrecklich unterdrückt, sodass man z.B. von der Brandung bei der Ringszene zwischen Edmond und Mercédès hier überhaupt nichts hört.
Insgesamt kann ich diesen schönen nostalgischen Film empfehlen, der sich sehr nah an die Vorlage hält und für alle Freunde von Abenteuerfilmen die passenden Zutaten parat hält: Edle Helden, teuflische Schurken, schöne Segelschiffe, packende Duelle und hörenswerte Dialoge. Wenn dann das ein oder andere etwas veraltet daher kommt, so wird es zumindest durch den Charme einer Verfilmung aufgefangen, welcher die heutigen Mittel noch nicht zu Verfügung standen.
(kh)