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Horror
Kingdom Hospital
geschrieben von klaus_h am 31. Jan 2006
"ER on LSD"
antwortete Hauptdarsteller Jack Coleman auf die Frage, was sich hinter der Horror-Maxiserie Kingdom Hospital verberge - und damit hat er nicht einmal unrecht! Wenn Stephen King ("Das geheime Fenster") selbst sich die Vorlage Lars von Triers mit dessen ausdrücklicher Billigung vornimmt, um den Stoff umzumodellieren und der Geschichte einen amerikanischen Anstrich zu geben, dann kann man davon ausgehen, dass man eine unterhaltsame Mischung von "Twin Peaks" und Emergency Room bekommt.
Kingdom Hospital
USA - 2004
Veröffentlichung: 10.01.06
Regie: Craig R. Baxley
Drehbuch: Stephen King, Richard Dooling
Darsteller: Andrew McCarthy, Jack Coleman, Diane Ladd, Bruce Davison, Ed Begley Jr. u.a.
"Nochmal"-Faktor: ab in die Sammlung!
Unsere Wertung: 85 %
FSK: 16
Laufzeit: ca. 594 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch/Englisch Dolby Digital 5.1
Extras: • Audiokommentar zur Doppelfolge "Das Reich der Finsternis" durch King u. Baxley
• Making of (16 min)
• Patienten und Doktoren (Die Darsteller) (16 min)
• Ausführliches Feature zum Antibus-CGI-Design (15 min)
King kam auf die Idee, als er sich bei Dreharbeiten in Colorado im örtlichen Videoverleih von Triers "The Kingdom - Hospital der Geister" auslieh und sofort davon begeistert war. Seinen Produzenten konnte er gleich dazu bewegen, zwecks eines Projekts den dänischen Regisseur zu kontaktieren. Dieser entpuppte sich als großer Fan des wohl bekanntesten zeitgenössischen Horrorautoren und war angetan von der Vision einer amerikanischen Version seiner Grundidee. Dies alles - und noch viel mehr Interessantes - erfährt man durch pointierte Interviews mit den Filmemachern bei den Extras, was schon einmal für diese vier DVDs umfassende Edition spricht.
Doch den Drehbuchautoren (Dooling als Berater für medizinische Aspekte) ging es nicht einfach um ein Remake, sondern um eine amerikanische Perspektive, die völlig neue Storyaspekte entwickelt. Das so genannte Kingdom Hospital in Lewiston, Maine, erhebt sich über den Ruinen einer Färberei. Diese fertigte im Sezessionskrieg Uniformen der Nordstaaten, brannte in einem katastrophalen Feuer nieder, bei dem sich zwar alle Erwachsenen retten konnten, aber die dort arbeiteten Kinder ausnahmslos in dem Inferno getötet wurden. Eines dieser Mädchen, Mary, streicht als Geist ruhelos durch die Flure und Aufzugsschächte des heutigen Krankenhauses mit einer Glocke, die nun zur Totenglocke geworden ist.
Mutig führt King uns in die Geschichte durch sein Alter Ego Peter Rickman (Coleman: "Heroes"), einen prominenten Maler, ein. Dieser wird 1:1 wie King vor wenigen Jahren beim Joggen an der Landstraße von einem Redneck-Fahrer in einem klapprigen Van frontal angefahren, weil dieser sich mit seinem Hund auf dem Rücksitz um ein abgepacktes Steak stritt. All dies ist schon perfekt und grausig eingefangen, wenn Rickmans Unterbewusstsein zwar mit dem Fahrer spricht, erst denkt leicht gestreift worden zu sein und bei dessen Fahrerflucht merkt, dass ihm etwas Schwereres passiert sein muss.
Die nächsten vorbeikommenden Fahrzeuge übersehen Rickman, da er zu weit vom Straßenrand entfernt liegt. Doch dann kommt aus der Tiefe des Waldes ein unheimliches Wesen, dessen dunkle Augen schon zuvor auf ihn lauerte. Es ist "Antibus", ein Ameisenbär-ähnliches Wesen ("Anteater" im Engl., Anubis, der Gott der ägyptischen Unterwelt), dem Wächter der Unterwelt, der entschieden hat, dass Rickman dank seiner besonderen Aufgabe noch länger zu leben hat und ihn näher auf die Straße zieht, wo ihn ein Truckfahrer bemerkt und einen Krankenwagen ruft.
Was dann passiert, ist gleichermaßen eine Hommage an bekannte Serien wie "Third Watch" und das bereits erwähnte ER - doch in einer bewusst grotesken Umformulierung. Denn in diesem Hospital stimmt eigentlich überhaupt nichts und so wirkt die skurrile Häufung an neurotischen Typen nach spätestens 30 Minuten (die Serie umfasst immerhin 15 Stunden!) normal bis sympathisch. Von einer Krankenschwester namens Carrie Von Trier (!), die kein Blut sehen kann, aber auch wirklich sehenswert im Blutregen zu Boden geht, bis hin zum penetrant notorisch Optimismus verbreitenden Verwaltungschef (Ed Begley Jr.) ist so ziemlich alles vertreten.
Der heimliche Held unserer Story, Dr Hook (McCarthy, "Nichts als Ärger mit Bernie", "Kamikaze College", "Lipstick Jungle") ist ein smarter Neurochirug, der sich selbst zelebriert wie ein Opernstar und dabei in den Katakomben des ursprünglichen Hospitals teure Medikamente und Instrumente sowie Unterlagen über die Kunstfehler seiner Kollegen hortet. Dabei schläft er nachts nur von den Röntgenaufnahmen eines weiblichen Beckens beleuchtet.
Ständig legt er sich mit dem cholerischen Leiter der Neurochirugie Dr. Stegman (Davison, X-Men) an, der schizophrene Züge hat. Während dieser völlig gefühllos der Mutter eines durch seine Schuld auf den Stand eines Säuglings "zurück operierten" Teenagers von deren theoretischen Chancen "einfache Hausarbeiten" eines Tages zu verrichten, bekommen wir eine Ahnung davon, worum es King (wie so oft) auch geht: Der eigentliche Horror ist bereits im Krankenhaus-Alltag "begraben".
Doch im Krankenhaus tobt von den meisten unbemerkt ein Kampf zwischen guten und bösen Kräften, der erst vom hypochondrischen Medium Sally Druse (Diane Ladd, "Wild at Heart") entdeckt wird. Rickman scheint als Mittler zwischen den Welten eine positive Rolle zu haben, doch der dämonische Serienmörder Rolf, der nur aufgrund eines vorgetäuschten Selbstmordversuches dort liegt, wird gleich vom bösen "Paul", einem jungenhaften Neo-Vampir für seine Zwecke in Beschlag genommen. Wie mag es wohl ausgehen?
Wer bei Stephen-King-Serien an das völlig verunglückte Langoliers-Desaster denkt, bekommt hier ein grandioses und ironisches Comeback des Altmeisters geliefert. Straff durch einen einzigen Regisseur inszeniert, der einen sehr ökonomischen Drehplan (siehe Extras) organisierte, aufwändige Sets, kompetent bis großartige Schauspieler (Ladd, Davison, McCarthy) und ein in dieser Perfektion fürs TV per CGI noch nie konstruiertes Fabelwesen (Pelz!) haben eine Dekade nach Twin Peaks etwas geschaffen, was gut erzählten Horror auf unterhaltsame Weise mit Suchtfaktor ins Wohnzimmer transportiert. Missfallen haben mir neben ein paar Längen und Logikfehlern lediglich die Darstellung des koboldhaften mongoloiden Pärchens in der Küche, die in ihrer stilisierten Überzeichnung dieser Gruppe keinen Dienst erweist, wie man es noch in "Am achten Tag" gesehen hat (die waren aber bei Lars von Trier auch schon dabei - aks; Egal, hat mir bereits bei von Trier nicht gefallen.- kh).
Die Bild- und Tonqualität ist hochwertig, die Extras sind absolut hinreichend, um das Konzept gut zu beleuchten und lassen auch alle Beteiligten zu Wort kommen. Allein das CGI-Feature zu Antibus ist vorbildlich. Davon kann sich insbesondere Meister Bruckheimer eine Scheibe abschneiden. Der Titelsong "By-by Baby" von Ivy, die ohnehin eine meiner Lieblings-Independent-Bands ist, haben ebenso Kultstatus wie die zahlreichen Film- oder Buchzitate, die die Autoren eingestreut haben. Wenn so etwas dann von der üblichen bräsigen Kulturkritikerschickeria als billige Kopie abgetan wird, so handeln sie vorurteilsbeladen und berücksichtigen weder die ausdrückliche Billigung von Triers noch die augenscheinliche Eigenleistung der Autoren, des Regisseurs und der Darsteller. Mein Tipp: Kaufen und genießen, denn allein damit spart man sich rund 180 Minuten Werbung - und wann hat man schon einmal eine Serie, die in sich abgeschlossen ist? (kh)
Dieses vier DVDs umfassende Paket wurde uns freundlicher Weise von Gambu.de zur Verfügung gestellt.
Lawyer: If Jesus Christ lived in Chicago today, and he had come to me and he had five thousand dollars, let's just say things would have turned out differently. Chicago