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Thriller
 Das Ende - Assault on Precinct 13
geschrieben von klaus_h am 17. Feb 2006

Umzingelt, verraten, verkauft.

assault_on_precinct-CoverNormalerweise sind Remakes eine Sache für sich. Blind behaupten viele, dass keine dieser Neuauflagen dem Original das Wasser reichen könnte. Doch bei diesem Action-Thriller-Remake eines 30 Jahre alten John-Carpenter-Klassikers sollte man tunlichst derartige Vorurteile über Bord werfen. Denn sowohl Regie, Set als auch eine hochkarätige Darstellerriege um die drei Hauptakteure Ethan Hawke ("Training Day", "Boston Streets"), Laurence Fishburne ("Matrix Reloaded", "Boyz 'n the Hood") und Gabriel Byrne ("Fräulein Smillas Gespür für Schnee") machen die alte Version schnell vergessen.

Das Ende - Assault on Precinct 13
USA, 2005
Veröffentlichung: 16.01.06
Regie: Jean-François Richet
Darsteller: Ethan Hawke, Laurence Fishburne, Gabriel Byrne, Maria Bello, Brian Dennehy, John Leguizamo u .a.
"Nochmal"-Faktor: hoch
Unsere Wertung: 94%
FSK: ab 16
Laufzeit: ca. 104 Min.
Sprachen und Tonformate: Deutsch/Englisch Dolby Digital 5.1 u. DTS
Bildformat: 16:9 (2.40:1)
Untertitel: Deutsch
Extras:
• Der Waffenausstatter (5 Min.)
• Der Produktionsdesigner (5 Min.)
• Der Stunt-Koordinator (4,5 Min.)
• Deleted Scenes (6 Min.)
• Hinter den Kulissen (12 Min.)
• Die Besetzung (Texttafeln)
• Das Team (5 Min.)
Der noch recht jungenhafte Sergeant Jake Roenick arbeitet neun Monate vor den eigentlichen Ereignissen als verdeckter Ermittler des Rauschgiftdezernats. In einer längeren Einstiegssequenz, die verblüffende Wendungen enthält, erleben wir, wie er täuschend echt als hysterischer Drogendealer mitsamt seinem verdeckten Team in eine Schießerei mit bosnischen Gangstern gerät. Zwei seiner Kollegen sterben, er selbst kann zwar schwer verletzt den letzten Gangster töten, hadert daraufhin aber mit seinem „Versagen“.

Wo sind die HeckenschützenAm Vorabend des titelgebenden Anschlags auf das Polizeirevier 13 im tief verschneiten Detroit - irgendwo in einem Industriegebiet - hockt er mit dem Polizeiveteran Jasper (Dennehey, "Gorki Park", "FX - Tödliche Tricks") und einer vampartigen Sekretärin (Drea de Matteo, "Die Sopranos", "Desperate Housewives", "New York, I Love You") in der völlig veralteten Wache, die ohnehin im neuen Jahr abgerissen werden soll. In der Sylvesternacht möchte Hawke, der sich nach Meinung seiner Polizeipsychologin Dr. Sabian (Bello, "Das geheime Fenster", "A History of Violence") am Schreibtisch versteckt hält, möglichst Dienst nach Vorschrift schieben und auch Jasper verkündet seine baldige Pension.

Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Mitten in der Nacht kommt nicht nur Dr. Sabian zurück, sondern es wird aufgrund der chaotischen Straßenverhältnisse auch ein Gefängnistransport zu ihnen umgeleitet. Neben den üblichen Kleinkriminellen (darunter Leguizamo, "Land of the Dead", "The Happening", als hypernervöser Kiffer) enthält die menschliche Ladung auch den charismatischen afroamerikanischen Gangsterboss Marion Bishop (Fishburne), der scheinbar zu allem Distanz wahren kann. Bishop wurde am Vortag verhaftet, da er einen Polizisten, der mehr Schmiergeld haben wollte und ihn daraufhin erschießen wollte, seinerseits erstach.

Jasper in PartylauneKurz nach Mitternacht brechen vermummte Gestalten in den hinteren Zellenbereich ein, töten bzw. verletzen die beiden Wachmänner und können nur mit Mühe zurückgeschlagen werden. Bald stellt sich heraus, dass das Revier völlig von der Außenwelt abgeschnitten ist: Telefonleitungen gekappt, Handys per Störsender lahmgelegt und überall auf den Dächern scheinen Scharfschützen postiert zu sein. Kann eine derartig militärische Operation wirklich nur von Bishops Männern stammen oder steckt gar ein noch unerbittlicherer Gegner dahinter?

Sowohl dem Regisseur Richet ("Public Enemy") als auch dem Drehbuchautor James DeMonaco geht es bei dem Remake um mehr Realismus. Aufgrund eines präzisen Produktionsdesigns, bei dem man die komplette Wache nach zwei Originalvorbildern im Studio nachbauen ließ, und der Raumgebung für die persönliche Gestaltung der einzelnen Charaktere gelingt es dem Film wesentlich mehr innere Spannung aufzubauen als dem Film von 1976, bei dem es im Wesentlichen nur um mysteriöse Action ging.

EingesperrtSo ist das Psycho-Duell der Hauptakteure fast noch interessanter als das unvermeidliche Actionbleigewitter, das offenkundig versiert beraten worden ist. Zwar gibt es die unvermeidlichen Logikfehler, die jedoch in der Dynamik des Films rasch verschwinden. Hawke spielt sowohl den ambivalenten verdeckten Ermittler buchstäblich wie im Rausch als auch den nur scheinbar ausgebrannten Polizisten mit einer inneren Gelassenheit, die seine Klasse ausmacht. Fishburne hat eine dermaßen larmoyante Präsenz, dass man es fast knistern hört, wenn er auftritt. Hinzu kommt ein Spannungsbogen, der bis zum unvermeidlichen Showdown hält.

Die Filmmusik besitzt zum einen den unvermeidbaren Carpenter-Touch (der ja auch oft selbst das Grundthema lieferte wie bei "Das Ding"), zum anderen aber eine persönlichere Note. Der Dolby Surrond Sound ist volumig und die Filmabtastung vom Original knackig mit guten Kontrasten, was bei einem Film nicht gerade leicht ist, der hauptsächlich nachts spielt. Die Extras sind vorbildlich in ihrer Detailfreude wie auch in ihrem Umfang. Besonders hervorheben möchte ich den aufschlussreichen Bericht des Produktionsdesigners, durch den manche Szenen einen ganz neuen Stellenwert bekommten. Ein Audiokommentar wäre zwar noch ein schönes Gimmick gewesen, doch die meisten Fragen werden auch auf diese Weise beantwortet.

Maria BelloAllen Action- und Thriller-Freunden kann ich aufgrund der überzeugenden Darbietung aller beteiligten Filmschaffenden und der schlüssigen Regie zum Kauf oder dem Ausleihen dieser hochwertigen DVD raten, die in vielen Dingen Referenzwert hat. Und wer das Original all zu sehr in den glorifizierten Himmel hebt und den Verlust des Mysteriösen beklagt, sollte beide Filme noch einmal kritisch betrachten. Denn der Ansatz ist völlig unterschiedlich - das Remake hat nämlich echte Charaktere und eine Story. (kh)


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