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Abenteuer
Auf Achse - 2. Staffel, Folge 14-26
geschrieben von klaus_h am 21. Mar 2006
Deutsche Trucker-Saga
"Franz Meersdonk (Manfred Krug, "Liebling Kreuzberg") und Günter Willers (Rüdiger Kirschstein). Ihre Maschinen: Zwei 320 PS-LKW. Sie bringen Terminfracht in aller Herren Länder. Auf sie ist Verlass!"
Dies war der magische Einleitungstext der legendären Dauerbrennerserie der frühen 80er Jahre, die nun überarbeitet als DVD-Edition angeboten wird. Als Roadmovie und Abenteuerserie, die heute wohl nicht mehr zu realisieren wäre, ist das Ergebnis in vielerlei Hinsicht sehenswert.
Auf Achse - 2. Staffel, Folge 14-26
Deutschland - 1981ff.
Veröffentlichung: 08.12.05
Regie/Produktion: Hartmut Griesmayr u.a.
Darsteller: Manfred Krug, Rüdiger Kirschstein, u .a.
"Nochmal"-Faktor: hoher Nostalgiefaktor
Unsere Wertung: 80%
FSK: o.A.
Laufzeit: ca. 576 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch Dolby Digital 1.0
Bildformat: 4:3
Untertitel: Fehlanzeige
Extras: Fehlanzeige
Waren beide befreundete Trucker in der ersten Staffel mehr im Süden Europas bis hin zur Türkei unterwegs, so hat sie es nun nach Afrika verschlagen, wo sie überwiegend auf eigene Faust Terminfracht übernehmen, Land und Leute kennenlernen sowie auf ihre unnachahmliche Art Abenteuer erleben. Allerdings wissen Kenner der Serie stets, nach welch bewährtem Strickmuster die Geschichten meist ablaufen:
Über gefährliche Pisten und durch wildromantisch bis öde Landschaften geht die strapaziöse Tour, bei der Mensch und LKW gleichermaßen gefordert werden. Im Dienste der Völkerverständigung knüpft man mit Chuzpe, gesundem Menschenverstand, Bauernwitz und philosophischen Anflügen Kontakt mit den einfachen Leuten. Dann stellt man fest, dass etwas mit der Ladung oder den Frachtpapieren nicht in Ordnung ist, der Disponent, der Eigentümer oder gar der Empfänger ein krimineller Betrüger zu sein scheint. Beide kommen mit dem Gesetz in Konflikt, um am Ende dank ihres Improvisationstalents mit heiler Haut, aber seltener mit finanziellem Erfolg als moralischer Sieger aus dem Desaster aufzutauchen.
Somit ist die erste Episode dieser Zusammenstellung #14 Die Schlangengrube archetypisch für viele andere Folgen: Hier am Rande des Niger und des Tschad bekommen sie eine mysteriöse Ladung eines ehemaligen deutschstämmigen Söldners zugeschanzt. Schnell stellt sich heraus, dass dieser zwischen den momentanen Bürgerkriegsparteien alte Waffen und Munitionsbestände beiseite schaffen möchte - doch da haben sowohl die Revolutionäre, die Meersdonk und Willers um ihre LKWs bringen, als auch der jecke Altnazi die Rechnung ohne die Beiden gemacht.
Wenn man z.B sieht, wie der Jazz-Fan Krug nur mit Kaffeebechern den Takt einheimischer A-Capella-Klängen aufnimmt und mitjammt, dann hat das schon große Improvisationsklasse. Die wagemutige Seite beider Hauptakteure, die sich in vielen Szenen nicht haben doubeln lassen, bekommt man zu sehen, als sie mit selbstgemachten Stelzen durch die sie belagernden Schlangen des Söldners staksen. Bei den Dialogen hat man nie den Eindruck, dass das "Papier raschelt". Offenbar schauten die Autoren und Schauspieler dem Volk geradeweg "auf's Maul", was zur Realitätsnähe der Serie beitrug.
Allerdings verklärte man, wahrscheinlich um die Drehgenehmigung zu behalten, auch mehr oder minder romantisch die politisch-sozialen Zustände wie z.B. in #15 Hokuspokus, wo zwar das Elend eines Stammesdorfes in Namibia gezeigt wird, aber auf die der Apartheid nahestehenden Verhältnisse kaum eingegangen wird. Stattdessen hält man sich etwas zu sehr am bräsig-hochnäsigen Spiel des vermeintlichen "Buschdoktors" auf, einem Deutschen, der hier als Farmer austeigen wollte. Wie immer werden solche Zentralrollen von deutschsprachigen Gaststars übernommen.
Dabei fällt natürlich auf, dass alle anderen Darsteller nachsynchronisiert werden mussten. Der andere Raumklang ist dann manchmal recht unnatürlich. Nach den Rückschlägen auf dem schwarzen Kontinent schaffen sie nun im Verlauf der Staffel in die entgegengesetzte Himmelrichtung. Im fernen Finnland fährt man zu arktischen Temperaturen auf Sisu-LKWs jenseits von Inari tonnenweise Erbsen und Wodka umher, wo natürlich böse Buben insbesondere an das glasklare "Erfrischungsgetränk" kommen wollen. ("Eismeerstraße 6").
Die dabei gezeigten Stunts (bei hoher Geschwindigkeit kreiselnder Lada oder der abstürzende Sisu) zeigen gute Klasse und große finanzielle Risikobereitschaft. Leider erfährt man auf der DVD aufgrund mangelnder Extras nichts über deren Hintergründe. Der technische Backround aller Folgen ist gut, wenn z.B. detailliert manche phantasievolle Pannenbehebung gezeigt wird.
Das Bild der meisten Episoden ist gut restauriert worden, wobei die recht flauen, farbstichigen und dunklen Finnland-Folgen deutlich abfallen. Doch kann ich mir vorstellen, dass hier auch die reellen Lichtverhältnisse beim Außendreh zur Mitternachtssonne keine reine Freude waren. Insgesamt kann man die Bildqualität nur loben, wenn man weiß, wieviel TV-Material zwischenzeitlich unsachgemäß gelagert wurde.
Wer also eines der größten (und teuersten) Fernsehabenteuer des deutschen Fernsehens noch einmal hautnah erleben möchte, sollte trotz der mageren Ausstattung zugreifen. Denn die Qualität jeder weiteren TV-Ausstrahlung dürfte deutlich darunter liegen. Ein charismatisch-ruppiger Manfred Krug und ein rundweg sympathischer Rüdiger Kirchstein, von dem man nach der Serie leider kaum etwas hörte, zig LKWs aller Marken und echte Landschaften werden es ihnen danken. Übrigens: Als erklärter Fan diese Kult-Serie "musste" ich "natürlich" bei der Bundeswehr auch einen LKW-Führerschein machen. ;-)
(kh)
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