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Fantas(y)tisch
Corpse Bride
geschrieben von Aleks_A am 23. Mar 2006
Auf'm Komposthaufen am Ende der Zeit
Man heiratet traditionell "bis dass der Tod uns scheidet". Doch was ist, wenn Tote lebendiger als Lebende sind? Und was ist, wenn ein Lebender eine Tote heiratet? Tim Burton hatte eben diese Idee, und baute sie in Form eines Stop Motions Filmes auf.
Bei mir persönlich steht sein "Nightmare before Christmas" auf "Heavy Rotation". Diese DVD hat mehr Umdrehungen erlebt als jede andere in meiner Sammlung. Wird Tim Burton seine Magie auch in "Corpse Bride" ausüben?
Corpse Bride USA, 2005
Veröffentlichung: 10.03.2006
Regie: Mike Johnson Tim Burton
mit den Stimmen von: Elena Bonham Carter, Johnny Depp, Tracy Ullmann, Albert Finney u.a.
"Nochmal"-Faktor: Mittel bis niedrig
Unsere Wertung: 64%
FSK: ab 6
Laufzeit: ca. 74 Min
Sprachen und Tonformate: Deutsch und Englisch DD 5.1
Extras: Eine Tonspur nur mit der Musik
Zwischen den Welten
Danny Elfmans Interpretation der zwei Welten
Die Animatoren
Tim Burton: Hell vs. Dunkel
Stimmen aus der Unterwelt
Wie die Puppen zum Leben erweckt wurden
Die Stimmen der Puppen
Fotogalerie: Produktionsfotos
Trailer
In einer Welt ähnlich dem Viktorianischen England soll der junge Romantiker Victor die schöne, aber ihn vollkommen unbekannte Victoria heiraten. Die arrangierte Hochzeit soll Victors Eltern Zugang zur adeligen Gesellschaft geben. Victorias Eltern hingegen erhoffen sich von der Ehe ihrer Tochter mit dem bürgerlichen Victor einen Ausweg aus der Armut.
Doch Victor kann sich bei der Probe das Eheversprechen auf's Verrecken nicht merken. Vielleicht ist er zu nervös, nachdem er sich in Victoria verliebt hat - und sie in ihm. Auf jeden Fall braucht er etwas Zeit für sich, um das Ganze alleine zu üben. Dabei übt er mit dem Ehering an einem Ast. Dieser Ast stellt sich jedoch als Teil des Skeletts der (Un)Toten Braut heraus - und Victor hat sie auf ein Mal geheiratet und wird von ihr in die Welt der Toten transportiert.
Doch wie soll Victor aus dem Schlamassel wieder rauskommen? Sein Fluchtversuch misslingt ihm, und nun erfährt er, dass Victoria mit jemand anderem verheiratet werden soll. Soll er sich gegen seine Ehe wehren und um Victoria kämpfen? Oder soll er sich mit der Situation arrangieren? Schliesslich sind die Toten ja ganz schön lebendig...
Auf "Heavy Rotation" landet Burtons erneuter Stop Motion Versuch schon Mal nicht. Und das nicht deswegen, weil der Film schlecht gemacht wäre. Im Gegenteil sind die Animationen unglaublich gut, Kamera und Beleuchtung glänzend. Auch Danny Elfmanns Lieder erreichen zwar nicht die Qualität von "Nightmare", haben aber - auch dank wunderbarer Texte - einen leichten Ohrwurm Charakter, im Gegensatz zu denen in "Charlie und die Schokoladenfabrik".
Das grosse Problem ist die Geschichte, die man uns hier erzählt. Sie ist verworren: das Drehbuch kann sich nicht entscheiden, wessen Geschichte es erzählen soll. Die der Liebe zwischen Victor und Victoria? Die der Leiden der Untoten Braut? Die der Zwangsehe der armen Victoria? Oder soll das Drehbuch noch ein bisschen in der Welt der Toten weilen? Vor lauter witziger Details verliert das Drehbuch schnell den roten Faden, und wir mit ihm.
Da können die Schauspieler ihre Stimmen noch so gut einsetzen (und das tun sie), da können sich noch so viele witzige Details im Film verstecken (Dass das Klavier ein Harryhausen ist wird bei DVDmaniacs ein Grinsen hervorrufen, ist doch Ray Harryhausen eine Legende unter Trickfilmern. Ein Grossmeister der Stop Motion.) Über das Fehlen einer konsistenten Geschichte trösten sie nicht.
Auch die Extras können der DVD kein Leben einhauchen. Die meisten verlieren sich in das übliche Gebrabbel, wie toll denn doch alle seien. Allein die Informationen zu den Trickaufnahmen inklusive der Besonderheiten der Puppen sind interessant. Wie auch ein Extra, das ich besonders loben möchte, "Die Stimmen der Puppen": Darin wurden einige Szene des Films genommen, und wir sehen zum Einen die Szene an sich, zum Anderen aber die Schauspieler, wie sie ihre Zeilen einsprechen. Sehr interessant zu sehen, welche Teile der Mimik und Gestik der Schauspieler bei den Puppen übernommen wurde.
Fazit
Irgendwas ist mit Tim Burton los. Der Regisseur der uns einen dunklen Batman, eine Wiederbelebung der Stop Motion und "Edward mit den Scherenhänden" - unter vielen Anderen - brachte und damit die Filmwelt bereicherte kann nach meinem Gefühl seit "Planet der Affen" nicht mehr so richtig Fuss fassen. Vielleicht war er hier so verliebt in die Tatsache, dass er wieder einen Stop Motion Film machen durfte, dass er dabei vergass, dass er eine Geschichte erzählen wollte. Oder aber hat er sich zwischen seinen Rollen als Designer der Figuren, Produzent und Co-Regisseur verzettelt. Auf jeden Fall kam dabei ein Film raus, der zwar von der Technik her (inklusive Schauspieltechnik) hervorragend ist, dem aber letztendlich die Seele fehlt. Ausleihen, sich am Können der Tricktechniker und Schauspieler weiden, zurückgeben. (aks)
Diese DVD wurde uns freundlicher Weise von Gambu.de zur Verfügung gestellt.