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Thriller
 Rounders
geschrieben von klaus_h am 29. Mar 2006

Pokern ist kein Glücksspiel!

Wedding Date Wer diesen Film in der Tradition von "Cincinatti Kid" anschaut, wird wohl zu der Folgerung kommen. Für Mike McDermott (Matt Damon, "Brothers Grimm") und Lester 'Worm' Murphy (Edward Norton, "25 Stunden", "Down in the Valley"), Freunde seit Schultagen, ist es nämlich eine irrwitzige Mischung aus harter Arbeit, fortwährenden Adrenalinschüben und Überlebenskampf geworden. Als "Rounders" bezeichnet man jene Spieler, die Nachts die Runde in New York und New Jersey von Club zu Club machen, um im Hinterzimmer ihr Spielchen zu machen...

Rounders
USA - 1998
Veröffentlichung: 02.02.06
Regie: John Dahl
Darsteller: Matt Damon, Edward Norton, John Turturro, Gretchen Mol, Famke Janssen, John Malkovich, Martin Landau, Melina Kanakaredes u .a.
"Nochmal"-Faktor: gering bis mittel
Unsere Wertung: 69 %
FSK: 12
Laufzeit: ca. 116 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch/Englisch Dolby Digital 5.1
Bildformat: 16:9, 2.35:1
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: • Poker Featurette,
• Hinter den Kulissen,
• Audiokommentar mit d. Regisseur, E. Norton u. d. Drehbuchautoren,
• Audiokommentar mit Pokergrößen,
• Pokertipps ehemaliger Poker-Weltmeister
Mike McDermott (Damon) ist ein aufstrebender Jurastudent, der bisher einen Großteil seines Studiums mit hartem Pokerspiel finanziert hat. Für ihn besteht das Spiel aus dem mathematischen Abwägen der Chancen und der semi-psychologischen Einschätzung seiner Gegner beim Bieten. Doch eines Tages verlässt ihn sein Glück: Beim Spiel gegen den eiskalten Nachklubbesitzer Teddy KGB (John Malkovich, "Secretariat", "Burn After Reading") setzt er zuviel und verliert sein gesamtes Kapital.

Beispiel Fortan hat er - vor allem seiner Freundin Jo (Gretchen Mol) zuliebe - dem Pokerspiel abgeschworen und finanziert sich ausschließlich über einen Kurierfahrerjob. Doch da kommt das Teufelchen in Gestalt seines alten Freundes Lester (Norton: "Glauben ist alles") wieder zutage. Als dieser aus dem Knast kommt, verführt er den Freund wieder zum Spielen, verspielt buchstäblich durch Falschspiel dessen Kredit bei den bekannten Clubs, aber letztlich auch dessen Beziehung.

Nun versuchen beide Männer im Team das Geld wieder zusammenzuspielen, indem sie in die Hinterzimmerrunden oder auf's Land ausweichen. Doch als sie sich tatsächlich eine Polizistenrunde aussuchen, erleben sie nicht grundlos einen herben Rückschlag, die Freundschaft zerbricht und Mike muss sehen, wie er alleine klarkommt.

Beispiel Eigentlich hat dieser Film alles, was man sich für einen Erfolg vorstellen kann: Tolle Darsteller bis in die kleinste Nebenrolle hinein, den möglichen psychologischen Thrill eines klassischen Kartenspiels und fachkundige Beratung durch Pokerchampions sowie ein cooler Soundtrack. Warum der Funke letztendlich nicht überspringt? Letztlich wird zuviel Wert auf den vermeintlich psychologischen Kleinkrieg, die kleinen Gesten und Feinheiten des Spiels gelegt, der Spannungsbogen wird dabei vernachlässigt.

Zudem vergaß man Unkundigen während des Films die besondere Pokervariante zu erklären, was schon allein sträflich ist. Darüber hinaus zerfaserte man die Story in zu viele einzelne kleine Höhepunkte, sodass nach vielen Längen das finale Duell mit Teddy KGB kaum noch reizt. Andererseits spielen zwar die meisten Akteure wirklich gut ihren Part, so hat mir persönlich Famke Jansen (X-Men) als verruchte Bankhalterin sehr gut gefallen, aber wer mir die gelackte Gretchen Mol als das aufrechte weiße Gewissen Amerikas verkauft, gehört gestraft. Ihre selbstgerechte Rolle ist so schlecht gespielt und hält die Handlung unnötig auf, dass man fast froh ist, wenn Mike endlich wieder mit dem Spielen anfängt.

Beispiel Somit wirken sowohl die Führung des Regisseurs als auch das Drehbuch merkwürdig ziellos: Zu viele Charaktere bevölkern die Geschichte, jeder soll seinen Platz haben, aber mit zahllosen Voice-over-Weisheiten McDermotts geht man dem Zuschauer allmählich auf die Nerven. Zu allem Übel erlaubt man sich dichterische Freiheiten, wie etwa die Übernahme des Spiels in der Richter-Pokerrunde durch einen Dritten, die jeden echten Spieler zur Weissglut bringen würden. Sehr schön, dass im entsprechenden Audiokommentar die Sachverständigen bei dieser Szene vor Schmerzen aufschreien. Auch die kurze Erklärung durch einen Pokerweltmeister bei den Extras verwirrt mehr, als sie erklärt. Denn die Kamera meidet buchstäblich den Blick auf die Karten der Kontrahenten und diejenigen, die offen bzw. verdeckt auf dem Tisch liegen - stattdessen weidet man sich an den Ticks und Tricks der Spieler.

Angeblich ist der Film nach acht Jahren Dornröschenschlaf nur deswegen als DVD aufgelegt worden, weil das Pokerspiel eine Renaissance erfahren habe. An die Klassiker des Genres kommt er bei weitem nicht heran, was sicherlich nicht an den Schauspielern liegt. Ausleihen kann man ihn sich als interessante Charakterstudie sicherlich, aber wer absolut nichts für das Pokerspiel oder Spielsüchtige übrig hat, sollte die Finger davonlassen. (kh)


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