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Thriller
Agents Secrets
geschrieben von klaus_h am 29. Mai 2006
Im Fadenkreuz des Todes
Wenn der Produzent von "Doberman" mit Vincent Cassel ("Die purpurnen Flüsse", "Blueberry und der Fluch der Dämonen", "Public Enemy") und Monica Belluci ("Unruly", "Brothers Grimm") einen Agententhriller dreht, dann kann man zu recht einen spannenden und anspruchsvollen Film erwarten. Ganz in der Tradition des klassischen französischen Thrillers wie "Killer stellen sich nicht vor" bekommen jene Geheimagenten jenseits des naiv-spielerischen James Bond ein menschlich-verletztliches Anlitz, das den wahren Reiz dieser Geschichte ausmacht.
Agents Secrets - Im Fadenkreuz des Todes
Frankreich - 2004
Veröffentlichung: 04.05.06
Produktion: Frédéric Schoendoerffer
Darsteller: Vincent Cassel, Monica Belucci, André Dussolier, Bruno Todeschini u.a.
Sprachen und Tonformate: Deutsch DD 5.1/DTS u. Französisch DD 5.1
Bildformat: 2,35:1 (16:9)
Untertitel: Fehlanzeige
Extras:
Making of (26 min)
Kurzfilmographien der drei Hauptdarsteller
Der Ausbilder und Teamleiter Georges (Cassel) bekommt mitsamt seinem Team, Lisa (Belluci), den beiden Tauchern Loïc (Ludovic Schoendoerffer, Bruder des Regisseurs) und Raymond sowie dem Korsen Toni den Auftrag vom französischen Geheimdienst DGDS ein Frachtschiff des russischstämmigen Waffenschmugglers Igor Lipovsky im Hafen von Casablanca zu verminen und somit auf hoher See zur Explosion zu bringen. Zwar vertraut Cassel seinem direkten Vorgesetzten, dem Colonel Grasset (Dussolier, "Mathilde - Eine große Liebe"), aber bereits bei der Vorbereitung machen sich dank des umtriebigen wie ehrgeizigen Staatssekretärs (Todeschini) erste Brüche bemerkbar.
Denn offenbar ist auch der amerikanische Geheimdienst an dem Frachter interessiert - allerdings soll aus dessen Sicht die Waffenladung in Angola ankommen, um dort den USA genehme Revolutionäre zu unterstützen. Von oben kommt wider alle Vernunft die Weisung weiter zu machen, als ob diese Irritation nicht stattgefunden hätte. Georges und Lisa, die ohnehin nach diesem "Job" aussteigen möchte, bekommen ernsthafte Zweifel. Bewundernswert kühl und präzise spulen alle Beteiligten ihren Auftrag ab, den der Regisseur ebenso gekonnt in dramatischen wie kunstvollen Bildern einfängt.
Doch bei der Heimreise über Genf wird Lisa verhaftet. Toni hatte ihr auf Befehl des Colonels Rauschgift untergeschmuggelt, damit sie nun im Gefängnis ein weiteres Ziel verfolgen soll - eine Vertraute des Waffenschmugglers zu töten! Für Georges wird mit der Ermordung Armands klar, dass sie nur die Bauernopfer in diesem politischen Spiel des Geheimdienst geworden sind und beginnt sich zur Wehr zu setzen. Was danach folgt, ist sowohl perfektes Actionkino (der Kampf auf Leben und Tod mit der spanischen Attentäterin im Madrider Lokal, Highspeedverfolgungsjagd und -Crash) als auch eindrucksvolles Psychodrama, wenn Lisa im Gefängnis am Druck einen ihr widerwärtigen Mord zu begehen bald zerbricht und Georges moralische Bedenken zeigt, die er früher nie gehabt hat.
Bild und insbesondere der astreine Surroundton gehören zu dem besten, was ich seit langem bei einem Actionfilm erlebt habe - ein Kompliment an Kameramann, Steadycam, Soundmixer und der passenden Filmmusik Bruno Coulais'. Insbesondere die einleitende Sequenz, in der ein Mittelsmann verfolgt und schließlich ermordet wird, ist ein Paradebeispiel dafür, dass Bild, Ton und Schnitt bei guter Umsetzung das gesprochene Wort erst ab der zehnten Minute des Films notwendig machen.
Das "Making of" ist eine gute Mischung aus Interviews der beiden Hauptdarsteller, des Regisseurs Schoendorffer ("Eine Spur von Blut") und der beiden Hauptkameramänner sowie von Hintergrundberichten über die jeweiligen Schlüsselszenen. So entbehrt es nicht einer gewissen Komik, dass ausgerechnet dieser Film, der ja kein besonders gutes Licht auf den DGDS wirft, eine Unterwasserdrehgenehmigung in jenem Hafen bekam, in dem dessen Kampfschwimmer ihre Abschlussprüfung absolvieren müssen. Denn die im Endschnitt packenden Aufnahmen, da bei der Anbringung der Semtex-Minen durch blutige Abfälle herbeigelockte Weißspitzenhaie die Taucher fast attackieren, sind somit auch durch das seltene Tauchequipment von einer überzeugenden Authentizität.
Highligt und die Constantin Film scheinen allmählich ein sicherer Garant für den anspruchsvollen wie unterhaltsamen Thriller (vgl. "Das Ende - Assault on Precinct 13") zu werden, der sich in diesem Fall zwar mit Längen entwickelt, im letzten Drittel aber immer mehr Fahrt aufnimmt. Kaufen oder Ausleihen heißt die Devise, da der Film mit Sicherheit erschreckend beschnitten ins Fernsehen kommen wird. Der im Deutschen unfreiwillig komisch klingende Titel zeugt jedoch von der Einfallslosigkeit der Vertriebe: So wäre die die wortwörtliche Übersetzung bereits passender gewesen - Geheimagenten - und selbst der provisorische Festivaltitel "Spy Bound" klingt besser... (kh)
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