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Animation
Himmel und Huhn
geschrieben von klaus_h am 21. Jun 2006
Underchick vs. Aliens
Disney-Filme sind meist ein Muss für die ganze Familie. Nachdem der letzte echte dort vollständig gezeichnete Spaß ("Die Kühe sind los") ins Land gegangen ist und auch damit der Trend zumindest in den USA unweigerlich in Richtung computerunterstützte Animation geht, schaut der Trickfilmfan erwartungsfroh auf das neueste Abenteuer auf DVD: Die Emanzipationsbemühungen eines winzigen Hähnchens (!) gegenüber seinem Heldenvater und die Rettung der Welt vor (vermeintlich) gefährlichen Aliens.
Himmel und Huhn
USA 2005
Veröffentlichung: 22.05.06
Regie: Mark Dindal
Sprecher: Markus Maria Profitlich, Verena Pooth (geb. Feldbusch), Boris Becker u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch, tempostarker Familienspaß
Unsere Wertung: 85%
FSK: ohne Altersbeschränkung gemäß § 14 JuSchG
Laufzeit: ca. 78 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Österreichisch / Englisch Dolby Digital 5.1
Extras:
• Hühnchen Junior schlüpft aus dem Ei - Making of,
• Drei alternative Anfänge
• Karaoke: "Ganz knapp vorbei" (Hartmut Engler)
• Musikvideo "One little slip" - Barenaked Ladies
• Easter Eggs
Nach der Verwerfung herkömmlicher "Es war einmal"-Intros fängt dieser Animationsfilm ganz nach dem Geschmack David O. Selznicks mit einem Paukenschlag an: Das winzige Hühnchen Junior (grausiger Transport ins Deutsche, es ist eindeutig ein männliches Huhn!) alarmiert die Tierlebewesen seiner US-amerikanischen Kleinstadt Oakey Oaks per Alarmglocke der Schule und löst eine Massenpanik (besonders schön: Die in Ermangelung eines Abgrundes sich von einer Parkbank stürzenden Lemminge) aus, die rasant daher kommt und mit vielen Filmzitaten (Indiana Jones, Gremlins etc.) glänzt. Als sich die erste Aufregung legt und man Chicken Little (Originaltitel) fragt, antwortet dieser, ihm sei ein achteckiges Stück Himmel auf den Kopf gefallen...
Ohje, niemand glaubt ihm die Invasion der Außerirdischen, selbst sein alleinerziehender Vater (grandios synchronisiert von Markus M. Profitlich) fabuliert von einer Eichel, die dem Sohnemann auf den Kopf gefallen sei. Natürlich schlachtet die Presse den Fall aus und als schließlich selbst ein Film die "Überreaktion" thematisiert, ist Hühnchen Junior endlich bei allen in der Schule durch. Nur nicht bei seinen Freunden: dem wahrhaft häßlichen Entlein (Pooth), dem fetten Schweinchen Ed von Speck und dem hyperaktiven Luigi Forello. Gerade Susi Schnatter regt den Dialog mit dem ewig weghörenden Daddy und stachelt Chicken Little an, ihm endlich die Wahrheit zu sagen.
Als er bei einem Baseballspiel (die Urformel aller amerikanischen Emanzipationsdramen) unerwartet zum Held der Schule wird, scheint sich alles zum Guten zu wenden. Doch, oh Schreck - das blöde Stück Himmel ist wieder von demselben gefallen. Wer soll ihm glauben? Und da es sich nun als Tarnkachel der Untertasse entpuppt hat, die Luigi entführt, stecken wir bald im typischen, aber hier sich selbst persiflierenden B-Movie-Klischee: Freunde vor Bedrohung und die Welt retten, sowie sich selbst von der Ausgrenzung durch andere befreien ...
Alle dargestellten Tierdarsteller sind mit viel skurriler Liebe und einheitlichem Stil, den ich bei bei "Madagascar" vermisste, entwickelt worden. Die Gags und das Timing sitzen nahezu perfekt, die Typisierungen und auch die deutsche Synchronisation sind - mit Ausnahme Boris-äh-Beckers als Baseballtrainer und der verbalen Überzeichnung der Aliens (Warum sprechen die ein Pseudo-Kölsch bzw. Wiener Dialekt?) - sehr gelungen. Unglaublich viele Anspielungen auf Hollywoodklassiker (die meisten auf "Mars Attacks", der ohnehin eine Persiflage auf die B-"Science Fiction"-Filme der 50er und 60er ist) und eine Karikatur des Storyvermarktungskonzepts der "Helden" als Medienkritik zum Schluss runden einen kurzweiligen Spaß für die gesamte Familie ab.
Zwar werden viele Kinder die ganzen selbstironischen Seitenhieben kaum verstehen, dennoch sorgt das Tempo und das allgemeine Chaos auf dem Bildschirm für die gewünschte hochwertige Ablenkung. Die Extras überzeugen mehrheitlich - so kann ich die Offenheit alle drei alternativen und z. T. mehr an Storyboards erinnernden bzw. noch nicht gerenderten Fassungen zu zeigen, nur lobend hervor heben. Nicht jede Animationsproduktion lässt sich derart in die Karten schauen. Der Rest ist gewohnter und teilweise verzichtbarer Standard - doch haben Easter Eggs hier einen doppelten Sinn.
Wer also schräge Typen, ein wenig pädagogische Milchmädchenrechnung, haarsträubendes Tempo und gute Massage für die Lachmuskeln zu schätzen weiß, ist mit dieser DVD bestens bedient. Am meisten Spaß macht allerdings die perfekte Synchronisation, die "Mensch, Markus" in Angriff nahm. Da kann man die ein oder anderen Nachlässigkeit des deutschen Dialogdrehbuchs verschmerzen wie auch die allzu offensichtlichen Layerwechsel bei deutschsprachigen Texteinblendungen, die mir in der Anfangssequenz das Betrachten geringfügig verleidet haben.
(kh)
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