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Komödie
Die heilige Hure
geschrieben von Aleks_A am 22. Jun 2006
All You Need Is Love
Ein armseliges Dörfchen im spanischen oder lateinamerikanischen Nichts, in dem nicht ein Mal die Kirche genügend Geld hat um die Dorfkriche in Stand zu halten, ist die Kulisse für dieses Erstlingswerk einer spanischen Regisseurin. In México gedreht mit einem internationalen Trupp an Schauspielern werden wir erfahren, ob man als Heilige trotzdem eine Hure sein kann und vielleicht sogar erfahren, was Gut und Böse ist im Spiel der Liebe.
Die heilige Hure Spanien/Mexiko, 2000
Veröffentlichung: 22.06.06
Regie: Laura Mañá
mit: Elisabeth Margoni, Álex Angulo, Pilar Bardem, Juan Carlos Colombo, Mariola Fuentes, José Sancho u.a.
"Nochmal"-Faktor: Hoch! Schöne Komödie mit poetischen Momenten
Unsere Wertung: 98%
FSK: ab 12
Laufzeit: ca. 107 Min.
Sprachen und Tonformate: Deutsch und Spanisch DD 5.1
Bildformat: 1.78:1 (16:9 Widescreen Anamorph)
Untertitel: Deutsch
Extras: Making of
Originaltrailer
Bildergalerie
Dolores (Elisabeth Margoni - "Tatsächlich... Liebe", "Der Kodex") scheint nie gesündigt zu haben und geht nur zur Beichte, weil man das als guter Katholik jeden Tag tut. Beichten tut sie jedoch die Sünden anderer, was den Priester (Juan Carlos Colombo - "Das Kartell", "Cronos") zur Weissglut treibt. Im Dorf ist sie als die gute Seele, die allen hilft, sehr beliebt. Sie ist gerade von ihrem Mann verlassen worden, weil er es satt hat, dass er ihr nichts vorwerfen kann. Nun sucht sie einen Weg doch eindlich zu sündigen.
Als sie eine Konversation zwischen zwei Männern überhört, in der der eine dem anderen klar macht, dass das schlimsste, das eine Frau tun kann es ist, ihren Mann untreu zu sein, hat sie die glorreiche Idee: Sie wird mit fremden Männern schlafen, um ihr Sündenkonto endlich zu steigern. Bald stehen tatsächlich alle Männer des Dorfes Schlange, um mit ihr zu schlafen.
Dank ihr bekommt das Dorf seine Farben wieder, und was eingentlich alle anderen Frauen ärgern müsste, erweist sich als Wiederbelebung des Dorfes. Die Männer fangen endlich an, ihre Arbeit mit Freude zu verrichten, und erfreuen ihre Frauen mit erneuter sexueller Vitalität. Denn Dolores (die sich jetzt Lolita nennt) gibt denn Männern anscheinend mehr, als nur sexuelle Befriedigung. Jetzt kommt aber ihr Mann Manolo (José Sancho - "Náufragos - Gestrandet", "Sprich mit ihr") zurück. Wie wird er auf Dolores' Sünden reagieren? Und was macht der Pfarrer des Dorfes, als er erfährt, was die Dorfheilige nun tut?
Was für ein feiner Film!
Mit Augenzwinkern, Lust am Erzählen und ganz feiner Feder wird eine Geschichte erzählt, die (wie die Regisseurin im "Making of" klar macht) gewollt ein Hauch von "Realismo Mágico" hat. Jenem Stil lateinamerikanischer Schriftsteller wie Borges oder Marquez, in dem die Grenzen zwischen Realität und Magie fliessend sind oder gar nicht existieren. In der Tradition eines "Chocolat", mit einem Hauch lateinamerikanischer Magie und spanischer Anarchie wie in der Tradition eines Jeunet werden hier viele pittoreske Persönlichkeiten zu einem dörflichen Mosaik zusammengestellt, das Freude macht und Freude verbreitet.
Die zur Regisseurin gewordenen Schauspielerin Mañá ("Dobermann", "Im Sog der Leidenschaft") beweist mit diesem Film klar ein Händchen für das Regie Handwerk und wird dabei von einem äusserst professionell arbeitenden Team untersützt, bei dem alles, aber auch alles passt. Dabei ist die Kamera ausserordentlich gut, und den Schauspielern merkt man den Spaß an der Sache. Umso überraschender, dass es sich hier um ihr Regie Debüt handelt.
Der Film fängt in einem von Grautönen geprägten Schwarz/Weiß und wird im Laufe der Geschichte (ähnlich wie bei "Smallville") zu satten Farben übergehen. Hier dient alles dem Erzählen einer Geschichte über Liebe, Mitleid und Zwischenmenschlichem, bei der sich jeder wieder finden kann. Auch das "making of" gibt tatsächlich einen Blick hinter den Kulissen frei und lässt die Regisseurin zu Wort kommen. Spanien ist seit Ende der Neunziger auf dem Weg, wieder ein Mal ein Lieferant von hochwertigen Filmen zu sein. Sogar dann, wenn Javier Bardem nicht zu sehen ist.
Fazit
Hach! Wären wir nur alle so heilig wie Dolores! Wer sich diesen Film antut wird kein Grund zur Sorge haben, denn er ist voller Sympathie für die menschlichen Schwächen und das menschliche Dasein und verbreitet auch diese Sympathie. Mir hat er sehr viel Spaß bereitet, weil einfach alles passt. Ich werde mir den Film regelmässig antun (gerade bei tristen und langweiligen Tagen) und empfehle ihn euch uneingeschränkt. Nur eine Spur mehr Extras hätte es sein dürfen. (aks)
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