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Action
 Domino
geschrieben von klaus_h am 28. Jun 2006

Vergesst Colt Seavers!

domino-Cover Keira Knightley ("Fluch der Karibik", "Abbitte") dreht trotz ihrer jungen Karriere einen großen Film nach dem anderen. Und Rollenwechsel scheinen dabei ihr größtes Kriterium zu sein. Nach der Biedermeier-Emanze aus "Stolz und Vorurteil" kommt sie nun als Kopfgeldjägerin Domino Harvey daher, die mit Sexappeal, Selbstbewusstsein, Kampfstärke und Köpfchen in einer harten Männerwelt besteht.

Domino
USA 2005
Veröffentlichung: 22.06.06
Regie: Tony Scott
Darsteller: Keira Knightley, Mickey Rourke, Edgar Ramirez, Delroy Lindo, Christopher Walken, Mena Suvari, Lucy Liu, Jacqueline Bisset, Tom Waits u.a.
"Nochmal"-Faktor: Hoch! hip gestyltes Actiongewitter
Unsere Wertung: 87%
FSK: ab 16
Laufzeit: 122 min
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Englisch Dolby Digital 5.1/ u. Deutsch DTS 5.1
Bildformat: 16:9, 2.35:1
Untertitel: Deutsch, Englisch
Extras: • Domino Harveys Leben (ca. 20 min)
• Blick hinter die Kulissen (6 min)
• Interviews (12 min)
• Darsteller-Filmografien (Textseiten)
Klingt nach einem unglaubwürdigen Plot? Mitnichten! Domino hat wirklich gelebt und so ist der Film eine sehr freie Nachdichtung dessen, was wohl alles in ihrem Leben nach dem Einstieg ins Headhunter-Business passiert sein mag. Dabei hat Regisseur Tony Scott ("Man on fire", "Der Staatsfeind Nr. 1") die reelle Domino sehr gut gekannt und sie teilweise auch als Beraterin hinzugezogen. So sieht man sie z.B. auch in den Outtakes zum Ende des Films in einer leider nicht verwendeten Sequenz als androgynen Chaffeur.

Beispiel Sie wurde als Tochter des namhaften Schauspielers Lawrence Harvey ("The Alamo", "Botschafter der Angst") und eines Topmodells in England geboren und zog nach dem frühen Tod des Vaters mit der jetset-besessenen Mutter (hier trefflich gespielt von Jacqueline Bisset) und dem Stiefvater, dem Hard-Rock-Café-Gründer Peter Morton, nach Kalifornien. In harten Rückblenden wird ihr Werdegang beim Verhör mit der FBI-Agentin (Lucy Liu, "3 Engel für Charlie - Volle Power", "Lucky # Slevin") skizziert: Die Ablehnung der Mutter und des Jetsets durch Domino, ihre Brutalität während des Studiums und auf dem Laufsteg im Verlauf ihrer eigenen Modelkarriere sowie ihr ungezügelter Jähzorn.

Ihr Motiv, unvermittelt zu einem Seminar des Kautionsbürgen Claremont Williams (Lindo, "Schnappt Shorty") und der Kopfgeldjägerlegende Ed Mosbey (Mickey Rourke, "Sin City") zu gehen und sich diesem quasi als Juniorpartnerin anzudienen, bleibt zunächst im Dunklen, aber in einem ihrer vielen Off-Kommentare erfahren wir es dann doch: "Es war die einzige Möglichkeit, die bösen Jungs am Arsch zu kriegen und dennoch nicht dafür mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen". Anfangs skeptisch merkt Ed, dass Domino neben ihrer vorlauten Klappe auch ihren Körper bei den Einsätzen zur Ablenkung der Gejagten vorteilhaft einzusetzen verstehen weiß.

Beispiel Umzingelt von einer Horde schießwütiger Latinogangster kommen Ed und sein Partner Choco nur dank eines - viel zu oberflächlich gefilmten, sollte wohl die FSK beruhigen - Lapdance Dominos aus der Bredouille. Einige Zeit geht das Spiel des Trio auf. Man ist erfolgreich - letztlich aber nur dank des umtriebigen Clarmenont, der am Ende aufgrund seines Harems aus der Zulassungsstelle (fragt nicht, schaut euch den Film an) ein linkes Ding zwischen Casino- und Mafiabossen aufzieht. Dabei sollte das eigentlich nur ein Versicherungsbetrug werden.

Doch plötzlich sind die missratenen Söhne des Mafioso als vermeintliche Diebe von 10 Millionen Casino-Dollar von Dominos Truppe an die Casinogang ausgehändigt und von deren Handlangern stante pede erschossen worden. Wenn man den Überbringer schlechter Nachrichten nicht mag, wie sehr mag man wohl diejenigen hassen, die einem die Söhne zwischen die Fronten bugsieren? Also versuchen die drei, das Geld und ihr Leben zu retten. Aber bis zum furiosen Ende - einer wahrhaft sehenswerten Bleischlacht im Funkturm - sorgt die eine oder andere Wendung für ziemliche Überraschungen.

Beispiel Domino ist nicht nur ein Actionfilm, sondern auch ein hochgradig optisch gestyltes Filmgewitter, dem es weniger um die Person Dominos geht, sondern um deren Umschreibung als Kultfigur, was ihrem alter ego, die sich selbst gerne mystifiziert, bestimmt gefallen hat. So sind auch ihre eigenen Wertungen bei den Extras zu verstehen. Als Resultat hat man ein blitzschnell geschnittenes Epos, dass wie ein "Frettchen auf Speed" hochgradig agil daher kommt und sich den ein oder anderen Glanzpunkt der Story herbei schnappt.

Amüsanterweise erscheint der Film dabei auch als gehöriges Stück Medienschelte, so gegenüber der Jerry-Springer-Show oder wenn der schräge Boss einer "Reality TV"-Firma, Mark Heiss (Walken, "Die durch die Hölle gehen") das Kopfgeldjägerteam unter Vertrag nimmt und die Bedenken, man könne sie negativ darstellen, mit folgenden Worten zerstreuen möchte: "Hey, wir machen seriösen Journalismus, wir filmen nur die Realität ab - den Rest entscheidet der Zuschauer!". Als die Sendung "The Bounty Squad" von Ian Ziering und Brian Austin Green (aus der TV-Serie "Beverly Hills 90210") in Verkörperung ihrer selbst völlig inkompetent moderiert wird und sie dafür von Domino noch heftig Prügel einstecken müssen, ist die Persiflage komplett.

Beispiel Mit hat der Film allein schon aufgrund seines hervorragenden Starensembles sehr gut gefallen, bei der bis in die kleinste Nebenrolle (u.a. Tom Waits als Prediger, Mena Suvari, "American Pie", "Stuck", als Tippse) versiert aufspielende Prominenz zu sehen ist. An einigen Stellen ist der Schnitt jedoch derart fulminant und kontrastreich, dass ich empfindlichen Menschen oder gar Epileptikern das Betrachten des Films nicht ohne Hinweis empfehlen möchte: Das Flackern könnte deutliche Irritationen verursachen. Keira ("The Jacket") wird natürlich auch ihren Spaß gehabt haben - wie verkündete sie bei "King Arthur" doch so schön: "Nichts macht mir beim Dreh mehr Spaß, als ein paar Männern was Böses anzutun." Ähnlich scheint es der realen Domino gegangen zu sein - wenn man sich ihr teuflisches Grinsen bei der letzten Klappe anschaut: Ihre selbst geschmiedete Legende scheint Erfolg zu haben. (kh)

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Von Kommentare
AngrySmiley
Filmlexikon


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Mitglied seit: Okt 03, 2004 Artikel: 569
Location:Tirol
Geschrieben am:28. Jun 2006 - 08:02
Also im Großen und Ganzen fand ich den Film ja auch gut, aber mit der Zeit wurden mir die schnellen Schnitte, dass zu kontrastreiche Bild und die Farbwechsel einfach zu viel, was mich persönlich dann doch störte, und mir den Film ein bisschen vermieste...Außerdem erinnerte mich der Stil des Filmes doch sehr an Stones Mediensatiere Natural Born Killer, und den ziehe ich dann Dominio doch vor:)

bis denn dann
Simon
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klaus_h
DVDmaniac


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Mitglied seit: Aug 21, 2004 Artikel: 1339
Location:Solingen
Geschrieben am:28. Jun 2006 - 14:27
Wenn Du den Film im Kino gesehen hast, kann ich mir gut vorstellen, dass der "Flacker"-Effekt noch schlimmer wahrgenommen wird. Während es bei PC-Spielen Warnungen für Epileptiker gibt, habe ich dies bei Filmen noch nicht gesehen - aber mir selbst würden einige Beispiele dazu einfallen. Stones "Natural Born Killer" ist härterer Tobak, da fehlt ihm die Verspieltheit und gestylte Ästhetik. Obwohl die Szene mit dem "Missverständnis", das zur "Amputation" des Armes führte, hier bei Domino ebenfalls aus dem üblichen Rahmen einer Hollywood-Produktion fällt. Auch die "Blacktina"-Sequenz bei Jerry Springer hätten hiesige Nachmittags-Talker gescheute...

CU

Klaus
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AngrySmiley
Filmlexikon


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Mitglied seit: Okt 03, 2004 Artikel: 569
Location:Tirol
Geschrieben am:28. Jun 2006 - 16:45
Ja, ich habe den Film damals im Kino gesehen...werde ihn mir wirklich nochmal auf DVD ansehen müssen:)
Natural Born Killers ist zwar sicher der härtere Film, ist aber wie ich finde nicht unähnlich, da beide Filme ja sehr die Medien verar***schen. Speziell, die von dir angesprochene Reality-TV Serie nimmt die Traumfabrik (und damit sich selbst) aufs Korn.

bis denn dann
Simon
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