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Thriller
 El Lobo - Der Wolf
geschrieben von tor7ten am 29. Jun 2006

Eta und der Wolf

El Lobo-CoverZeitungsausschnitte und aus dem Off verlesene Headlines unterlegen die Opening Titles und schaffen eine schnelle Exposition. Dann eine Männerstimme: "Ich bin Lobo. Ich wiederhole: Ich bin Lobo." Schnitt. Madrid, 1975. Ein bewaffneter Mann rennt durch die nächtlichen Straßen der Stadt. Er schnappt sich einen älteren arglosen Passanten und zwingt ihn in dessen Wohnung. Die Kamera folgt seinen Blicken und wandert ruhelos durch die Wohnung. Er sucht das Telefon. Schnitt. Ein leeres Büro und ein namenloser Anrufbeantworter. Ein Anrufer spricht auf das Band: "Was soll die Scheiße!? Holt mich hier raus! Hier ist Lobo - der Wolf!"

El Lobo - Der Wolf
Veröffentlichung: 27. April 2006
Regie: Miguel Courtois
mit: Eduardo Noriega, Silvia Abascal, Patrick Bruel, Mélanie Doutey, José Coronado u.a.
"Nochmal"-Faktor: hoch
Unsere Wertung: 75%
FSK: ab 16
Laufzeit: 120 Minuten
Sprachen und Tonformate: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1) Spanisch (Dolby Digital 5.1)
Bildformat: 16:9
Untertitel: Deutsch
Extras: Originaltrailer zum Film
Bildergalerie
Making of
Das auf einer wahren Geschichte basierende Polit-Drama spielt im Spanien der 70er Jahre und erzählt die Geschichte des jungen Bauunternehmers Jose Maria Loygorri (Eduardo Noriega), der mehr oder weniger zufällig in das Visier der Geheimpolizei gerät. Während er bisher nur einigen Bekannten und Freunden aus Eta-Kreisen hier und da geholfen hat, aber nicht wirklich dazu gehörte, soll er sich nun in die inneren Zirkel einschleichen, um geheime Informationen der Terroristen an die Polizei weiterzugeben. Ein lebensgefährlicher Job nimmt seinen Anfang...

Szene"El Lobo - der Wolf" fasziniert vor allem durch drei Dinge: Eine spannende Geschichte, gute Schauspieler und Authentizität. Die Verwicklung des "Wolfs" und sein fortschreitendes Eintauchen in die Welt unterhalb der spanischen Autorität in die Organisation der Eta wird schnell, spannend und durch das Auftauchen vieler neuer Figuren - zusätzlich eines weiblichen Hauptcharakters - abwechslungsreich gezeichnet. Dabei verschwimmen für den "Wolf" oft die Grenzen, denn wenn man feststellt, dass in der feindlichen Gruppe "auch nur" Menschen sind, die in Teilen sogar Recht haben, kann man nicht nur daneben stehen.

Der Film ermöglicht einem nicht nur die Identifikation mit der Hauptfigur und ihren Motiven, auch Nebencharakteren wird Profil verliehen. Hier ist nichts einfach schwarz oder weiß - auf beiden Seiten gibt es die Guten und die Bösen.

SzeneHier kommen wir zum zweiten wichtigen Punkt des Films: Schauspielerische Leistungen. Obwohl mir persönlich nur der Hauptdarsteller (zumindest namentlich) aus "Open your Eyes", der Vorlage zu "Vanilla Sky", bekannt war, haben mich die darstellerischen Leistungen des gesamten Teams überzeugt: Der Karrierist, die verlassene Ehefrau, die Führungsriege der Eta und die obligatorischen Ignorante der Polizei. Es ist keine oscarreife Rolle dabei, aber als gesamtes Ensemble ist das alles sehr stimmig. Offensichtlich ist aber das Potenzial des Hauptdarstellers, von dem sicher noch etwas zu sehen sein wird.

Der dritte Aspekt, der mir an "El Lobo" gefällt, ist die Glaubwürdigkeit, die der Film vermittelt. Dies geschieht zum einen rein visuell über die Farbgebung, die eher trist und blass als satt, in gelb-braunen Tönen gehalten ist und weiterhin über Ausstattung, Locations und den Soundtrack. Es sind die Orte, Straßen, Cafes, Wohnungen, die so aussehen wie man sich das Spanien im Jahre 1975 vorstellt. Der Soundtrack besteht neben der eigentlichen Filmmusik aus verschiedenen Rock- und Folk-Tracks der Zeit. Der toll eingesetzte "Song of the french partisan" von Leonard Cohen schließt den Film und mündet in den Abspann.

SzeneFazit
Wenn sich am Ende die Rahmenhandlung mit einigen Tafeln zum weiteren Verlauf der politischen Geschehnisse schließt, hat man zwei Stunden ansprechende, politisch ambitionierte Unterhaltung genossen. Wer sich den Film - wie ich - ohne detaillierte Vorkenntnisse der damaligen Lage ansieht, spürt vielleicht den Drang, mehr zu erfahren oder schaut ihn sich nochmal an. Sicher war es unter anderem das, was der Regisseur bezwecken wollte. Ich empfehle übrigens, den Film auch auf spanisch zu schauen. Die Authentizität wird durch die Originalsprache enorm verstärkt! (th)

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