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Action
Sky Fighters SE
geschrieben von klaus_h am 10. Aug 2006
Les chevaliers du ciel - Die Ritter des Himmels
Wenn Regisseur Gérard Pirès ("Taxi"), von jeher Fan von Flugzeugen, Autos und Action, quasi die modernere französische Version von "Top Gun" dreht, dann kann man sich auf lupenreines Actionpopkornkino bereit machen. Dank seines realistischen Stils kann die Produktion auf CGI-Effekte zum Genuss des Zuschauers verzichten und uns stattdessen mit wunderschönen Flugaufnahmen belohnen. Dass die Grundlinie der Story um die Piloten Marcheli (Benoît Magimel, "Die purpurnen Flüsse II", "Selon Charlie", "Intimate Enemies") und
Vallois (Clovis Cornillac, "Mathilde", "Paris, Paris") dem Comic "Tanguy et Laverdure" von Charlier und Uderzo entlehnt wurde, passt dabei zum allgemeinen Trend des Kinos der letzten Jahre.
Sky Fighters (2 DVD Special Edition)
Frankreich - 2006
Veröffentlichung: 03.08.06
Regie: Gérard Pirès, René Magnan (Flugszenen)
Darsteller: Benoît Magimel, Clovis Cornillac, Géraldine Pailhas, Alice Taglioni, Philippe Torreton u.a.
Sprachen und Tonformate: Deutsch / Französisch /Dolby Digital 5.1, Deutsch DTS 5.1
Bildformat: 16:9, 2,35:1 (anamorph)
Untertitel: Deutsch, Französisch
DVD-Typ: DVD 1: Typ 9; DVD 2: Typ 5
Extras:
• Begrüßung von Magimel (dt.)
• Interview mit Magimel (14 min)
• frz. u. dt. Trailer
• Hidden Feature
• Making of (55 min, dt. UT)
• Magnan: Kurzfilm - "Tanz der Adler" (26 min) = alle Flugszenen neu zusammengeschnitten
• vier deutsche Radiospots
• Bildergalerie
• 16-seitiges ausführliches Hochglanz-Booklet
Den Produzenten, den Gebrüdern Altmeyer und Laurent Brochand, war dabei klar, einem zu Beginn der Dreharbeiten folgenden Hang zu folgen. Denn nur so ist die Vielzahl der Real-Adaptionen von Comics zu verstehen. Als bis dato gelungenstes Beispiel kann man hier "Michel Vaillant" ansehen, als optisch zwar reizvolles, aber inhaltlich komplett verkorkstes Exemplar hatten wir bisher "Blueberry und der Fluch der Dämonen" vorliegen.
Der Risiken - wahrscheinlich dünne Story und hohe Anforderung an die Actionszenen - war man sich bewusst und handelte dementsprechend. Denn ohne dermaßen hohe Kooperation der französischen Luftwaffe, die dem Team mit Kommandant Garnier nicht nur einen Geschwaderkommandeur sondern gleich auch einen kompletten Stützpunkt nebst Staffel und einen Flugsimulator zur Schulung der Darsteller spendierte, wäre die Verwirklichung unmöglich gewesen. Die extrem scharfen Flugaufnahmen konnte man nur so realisieren, indem man unter eine Mirage 2000 einen ursprünglich für zusätzlichen Treibstoff konzipierten Tank setzte, der dann mit fünf Kameras bestückt wurde, um aus unterschiedlichen Winkeln und gesteuert vom Platz des Navigators des zweisitzigen Jagdbombers das Geschehen einzufangen.
Dadurch ist das optische Erlebnis einfach nur brilliant zu nennen, da man nicht nur sehr naturalistische Aufnahmen sondern auch wie beispielsweise bei dem Demonstrationsflug mit dem Alpha Jet über den französischen Seealpen auch extrem ästethische Szenen schaffen konnte. All dies wird sowohl im vorbildlichen Booklet wie auch in der sehr ausführlichen Extras absolut zufriedenstellend dargelegt. Gerade die Extraausstattung, bei der allenfalls ein Audiokommentar fehlte, besitzt hier Referenzwert.
Kommen wir nun zur Story: Bei der Flug-Show im englischen Farnborough wird eine Mirage 2000 entführt, nachdem der Pilot getötet wurde. Die zufällig über der Nordsee patrouillierenden Piloten, Kapitän Marchelli und Vallois, werden in Richtung der Mirage geschickt. Nur aufgrund des zusätzlichen Kondenzstreifen entdecken sie ihn knapp unterhalb eines Airbus A 340 fliegend, um deren Radarschatten zu nutzen. Als der Hijacker alle Warnungen ignorierend Vallois sogar abzuschießen droht, kommt ihm Marchelli zuvor und schießt den Gegner seinerseits ab.
Wem diese Konstruktion zu weit hergeholt scheint, dem sei entgegnet, dass nach Untersuchungen der BBC und der internationalen Flugbehörden in den 70er Jahren vor Sizilien eine DC 9 der Alitalia wahrscheinlich nur deswegen als "Kollateralschaden" abgeschossen wurde, weil sich eine Libyische MIG in ihrem Schatten an einen US-Stützpunkt heranpirschen wollte. Über die folgenden Vertuschungsaktionen gibt es ein gute Dokumentation der BBC, die hier aber nicht unser Thema sein soll.
Was danach folgt, lässt tief blicken auf den fest verwurzelte Glauben der französischen Öffentlichkeit an die Intrigensucht und den latenten Hang zur Korruption innerhalb der Militär- und Staatsführung. Marchelli und Vallois werden als potenzielle Terrorismusbekämpfer zwar der Presse gegenüber gelobt, hinter den Kulissen aber informell degradiert, da sie angeblich eine Geheimoperation, die nur zum Test der Verteidigungsfähigkeit Frankreichs durchgeführt werden sollte, unfreiwillig "sabotiert" hätten. Denn den Befehl zum Abbruch der Kampfhandlungen hatte Marchelli offenkundig ignoriert - aber in dem Wissen (Einloggen des gegnerischen Zielradars), dass sein Flügelpartner abgeschossen würde.
Nachdem beide zunächst in der Provinz verschwinden, werden sie nach der Manipulation des Flugprotokolls ganz aus der Armee geworfen, um nach den dreimonatigen Niederungen als Fallschirmspringertransporter oder Werbeflieger (grandios, wie Vallois ein überdimensionales Kondom im Sturzflug hinter sich herzieht) eine ungeahnte zweite Chance zu bekommen. Denn bei einem Wettflug gegen die amerikanische F 16 nach Afrika benötigt man sie als Testpiloten. Doch auch hier haben die Terroristen ihre Fallen ausgelegt ...
Der zusammengestückelte Plot hat zwar eine interessante Exposition, besitzt aber auch einige logische Löcher. Was ihn rettet, ist der Hauptdarsteller Magimel, der mir schon in seiner ersten Hauptrolle in "Das Leben ist langer ruhiger Fluss" sehr gut gefallen hatte und auch hier trotz seines recht albernen Schnurbärtchens seine Rolle glaubhaft interpretiert. Der hineinkonstruierte Love-Interest mit der dunkelhaarigen, langbeinigen, stets hochhackigen Assistentin im Verteidigungsministerium dient letztlich nur der besagten obigen Demonstrationsszene und dem optischen Chic.
Cornic Corvillac hat zwar in "Mathilde" bewiesen, dass er für vierschrötige, dunkle Gestalten ein guter Darsteller ist, aber als komischer Sidekick empfand ich ihn gerade auch aufgrund der stets ihm in den Mund gelegten plumpen bis sexistischen Dialoge (Steuerknüppel-Analogien) letztlich fehlbesetzt. Leider darf ich (Spoilerwarnung) einen Clou der Story nicht verraten, aber: Sucht die Bösewichter nicht nur bei den Männern mit Bärten! Letztlich ist bei einem derartigen Actionkracher die Story auch nur Mittel zum Zweck: Die Flugzeuge und die damit verknüpften filmerischen Möglichenkeiten sind hier die eigentlichen Hauptdarsteller. Und dieses Ziel ist zumindest zu meiner Zufriedenheit vollkommen erreicht worden. Denn auf die Idee, einen doppelten Überschnallknall mit der charakteristischen Pilzbildung in Bodennähe zu filmen, ist wohl noch niemand gekommen.
Somit ist dieser Fliegerfilm genau das richtige Bonbon für alle männlichen Actionfans, Frauen werden aufgrund des bombastischen Dolby-Surround-Gedröhnes der Triebwerke fluchtartig das Pantoffelkino verlassen und die Nachbarn könnten um Gnade winseln. Seinen vollen Wert schöpft der Film erst in der vorliegenden Doppel-DVD-Sonderedition aus, wobei der poetische Kurzfilm des Kameramanns Magnon ausschließlich aus Flugszenen besteht. Allein dies ist bereits das zusätzliche Geld aus der Sicht von Flugzeug- und Actionfans wert. Auf jeden Fall ausleihen, möglichst kaufen - avec plaisier.
(kh)
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